Hart­mann und Burg ei­ni­gen sich

Burg­thea­ter. Al­le Rechts­strei­tig­kei­ten zwi­schen dem Ex-Burg­thea­ter-Di­rek­tor Mat­thi­as Hart­mann und der Burg sind bei­ge­legt. Die Ver­si­che­rung wird all­seits zur Kas­sa ge­be­ten.

Die Presse - - VORDERSEITE - VON JU­DITH HECHT

Al­le Rechts­strei­tig­kei­ten zwi­schen Burg­thea­ter und sei­nem Ex-Di­rek­tor be­sei­tigt.

Mat­thi­as Hart­mann kann die Cau­sa Burg­thea­ter seit ges­tern for­mal end­gül­tig ab­ha­ken. Da tra­fen sich al­le In­vol­vier­ten mit ih­ren An­wäl­ten beim Ar­beits- und So­zi­al­ge­richt, um das an­hän­gi­ge ar­beits­recht­li­che Ver­fah­ren mit ei­nem ge­richt­li­chen Ver­gleich zu be­en­den. An die­sem Do­ku­ment wur­de seit Mo­na­ten in vie­len ge­hei­men Ver­hand­lungs­run­den ge­bas­telt.

Hal­ten sich al­le Be­tei­lig­ten an den frisch ge­schlos­se­nen Ver­trag, dann soll­te bis auf fol­gen­de ge­mein­sa­me, öf­fent­li­che Stel­lung­nah­me künf­tig rein gar nichts an die Öf­fent­lich­keit drin­gen, denn sie ha­ben „strengs­tes Still­schwei­gen ver­ein­bart“. Sie lau­tet: „Nach Ein­stel­lung des Straf­ver­fah­rens ge­gen Mat­thi­as Hart­mann ha­ben die Burg­thea­ter Gm­bH und Mat­thi­as Hart­mann ei­nen Schluss­strich un­ter ih­re Rechts­strei­tig­kei­ten ge­zo­gen. Die Er­he­bun­gen der Wirt­schafts- und Kor­rup­ti­ons­staats­an­walt­schaft ha­ben er­ge­ben, dass ge­gen Mat­thi­as Hart­mann in sei­ner frü­he­ren Tä­tig­keit als künst­le­ri­scher Lei­ter des Burg­thea­ters in Wien kei­ne straf­recht­li­chen Vor­wür­fe be­ste­hen. Die Par­tei­en ha­ben sich des­halb dar­auf ver­stän­digt, ih­re ge­gen­sei­ti­gen Rechts­strei­tig­kei­ten zu be­en­den und die im März 2014 aus­ge­spro­che­ne frist­lo­se Ent­las­sung in ei­ne ein­ver­nehm­li­che Be­en­di­gung um­zu­wan­deln. Mit heu­ti­gem Wis­sens­stand hät­ten die Par­tei­en an­ders ge­han­delt. Durch das lan­ge Er­mitt­lungs­ver­fah­ren ent­stan­den auf bei­den Sei­ten fi­nan­zi­el­le, zeit­li­che und per­sön­li­che Be­las­tun­gen, was bei­de Par­tei­en be­dau­ern.“

Ver­schwie­gen­heit hin oder her, die „Pres­se“brach­te trotz­dem in Er­fah­rung, auf wel­che Punk­te sich Hart­mann, das Burg­thea­ter, aber auch PwC Ös­ter­reich, die ehe­ma­li­gen Wirt­schafts­prü­fer des Burg­thea­ters, im We­sent­li­chen ge­ei­nigt ha­ben:

Die frist­lo­se Ent­las­sung vom 11. März 2014 wird in ei­ne ein­ver­nehm­li­che Be­en­di­gung des Di­enst­ver­hält­nis­ses zum 31. Au­gust 2014 um­ge­wan­delt. Sei­ne Ver­trags­ver­län­ge­rung (Hart­mann hät­te das Haus am Ring bis 2019 lei­ten sol­len) gilt als rück­wir­kend auf­ge­löst.

Hart­mann soll mög­lichst in den Ge­nuss der zu sei­nen Guns­ten ge­leis­te­ten Ein­zah­lun­gen in die Pen­si­ons­kas­se kom­men. Da­bei han­delt es sich sum­ma sum­ma­rum um ein De­ckungs­ka­pi­tal von 111.000 Eu­ro. Das Burg­thea­ter hat näm­lich für ihn bis 31. 8. 2014 sämt­li­che Pen­si­ons­kas­sen­bei­trä­ge ein­be­zahlt. „Mit Ab­schluss des Ver­gleichs sind wech­sel­sei­tig sämt­li­che An­sprü­che aus dem Di­enst­ver­hält­nis zwi­schen Hart­mann und dem Burg­thea­ter zur Gän­ze ber­ei­nigt und ver­gli­chen, so­dass kei­ne Sei­te der an­de­ren et­was zu be­zah­len hat.“Hart­mann be­kommt al­so nichts vom Burg­thea­ter und das Burg­thea­ter nichts von ihm. Das heißt aber nicht, dass nicht trotz­dem Geld auf die Kon­ten der Ge­nann­ten fließt. Al­ler­dings ha­ben nicht sie per­sön­lich, son­dern ih­re Ver­si­che­rung (es ist ein und das­sel­be Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men) die Scha­tul­le zu öff­nen.

Mat­thi­as Hart­mann wur­de näm­lich, als er im Sep­tem­ber 2009 Di­rek­tor der Burg wur­de, ge­nau­so haft­pflicht­ver­si­chert wie je­der an­de­re Ge­schäfts­füh­rer und je­des Auf­sichts­rats­mit­glied des Burg­thea­ters auch. Tho­mas Droz­da, Claus Bach­ler, Ge­org Sprin­ger, Sil­via Stan­te­js­ky, Ka­rin Berg­mann, für sie al­le be­stan­den und be­ste­hen sol­che Ma­na­ger-Haft­pflicht­ver­si­che­run­gen bei ei­nem gro­ßen ös­ter­rei­chi­schen Ver­si­che­rungs­kon­zern.

Dem Ver­trag ent­spre­chend hat sie im Streit­fall Pro­zess­kos­ten, aber auch all­fäl­li­ge Scha­den­er­satz­an­sprü­che ge­gen die ver­si­cher­ten Per­so­nen zu zah­len, al­ler­dings nur dann, wenn sie nicht mit ei­nem kon­kre­ten Vor­satz ge­han­delt ha­ben. Nach­dem die Wirt­schafts- und Kor­rup­ti­ons­staats­an­walt­schaft (WKStA) vor we­ni­gen Ta­gen al­le straf­recht­li­chen Er­mitt­lun­gen ge­gen Hart­mann ein­ge­stellt hat, stand ei­ner Ei­ni­gung mit der Ver­si­che­rung und ei­nem um­fas­sen­den ge­richt­li­chen Ver­gleich nichts mehr ent­ge­gen. Denn ei­nes ist Hart­mann wie auch dem Burg­thea­ter be­wusst. Ein lan­ges und teu­res Ver­fah­ren Seit der Ent­las­sung von Mat­thi­as Hart­mann im März 2014 gab es di­ver­se Rechts­strei­tig­kei­ten zwi­schen ihm und sei­nem ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­ber, dem Burg­thea­ter. Sie ge­hö­ren nun der Ver­gan­gen­heit an. Nun wur­den die straf­recht­li­chen Er­mitt­lun­gen ge­gen ihn ein­ge­stellt und der an­hän­gi­ge Pro­zess am Ar­beits­ge­richt wur­de ver­gli­chen. vor dem Ar­beits­ge­richt mit pein­li­chen Be­fra­gun­gen wä­re in nie­man­des In­ter­es­se. Und Hart­mann hat ver­ständ­li­cher­wei­se vor al­lem ei­nen Wunsch: Sich frei von Alt­las­ten wie­der um ei­ne In­ten­danz be­wer­ben zu kön­nen. Wirt­schaft­lich ha­ben al­so al­le Ab­stri­che ge­macht und sich in der Mit­te ge­ei­nigt, um ei­nen Schluss­strich zu zie­hen. Das heißt:

Die Ma­na­ger-Haft­pflicht­ver­si­che­rung von Hart­mann, Stan­te­js­ky und Sprin­ger ver­pflich­tet sich, an das Burg­thea­ter 450.000 Eu­ro auf das Treu­hand­kon­to des Burg­thea­ter-An­walts Bern­hard Hainz zu zah­len. Mit die­ser ein­ma­li­gen Zah­lung sind sämt­li­che An­sprü­che des Burg­thea­ters und der Hol­ding „aus wel­chem Rechts­grund auch im­mer“ab­ge­gol­ten.

An­de­rer­seits hat die sel­be Ver­si­che­rung der Burg auch ei­ne Sum­me an Hart­mann, kon­kret 355.000 Eu­ro, zu über­wei­sen. Und von der ehe­ma­li­gen kauf­män­ni­schen Ge­schäfts­füh­re­rin der Burg Sil­via Stan­te­js­ky wird Hart­mann wei­te­re 70.000 Eu­ro er­hal­ten. Auf al­le wei­te­ren An­sprü­che hat sich Hart­mann ver­pflich­tet zu ver­zich­ten. Da­mit sei­en al­le ma­te­ri­el­len Schä­den von Hart­mann er­setzt wor­den, heißt es. Die im­ma­te­ri­el­len wä­ren oh­ne­hin nicht mehr aus­zu­glei­chen. Doch das Burg­thea­ter er­hält noch ei­ne wei­te­re hal­be Mil­li­on Eu­ro von der Haft­pflicht­ver­si­che­rung sei­ner ehe­ma­li­gen Wirt­schafts­prü­fer. PwC hat vom Ge­schäfts­jahr 2005/06 an fünf Jah­re lang die Bi­lan­zen des Thea­ters ge­prüft und den Jah­res­ab­schluss mit ei­nem un­ein­ge­schränk­ten Be­stä­ti­gungs­ver­merk ver­se­hen.

[ APA/Gindl ]

Mat­thi­as Hart­mann kann sich nun frei von Alt­las­ten um ei­ne neue In­ten­danz be­mü­hen.

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