Rei­se­war­nung fur den West­bal­kan

Die ös­ter­rei­chi­sche Re­gie­rung rät ins­be­son­de­re Mi­gran­ten mas­siv da­von ab, den Ur­laub in Ser­bi­en, Bos­ni­en, dem Ko­so­vo, Nord­ma­ze­do­ni­en und Al­ba­ni­en zu ver­brin­gen.

Die Presse - - VORDERSEIT­E - VON CHRIS­TI­AN ULTSCH UND WIE­LAND SCHNEI­DER

In den West­bal­kan-Staa­ten stei­gen die Co­ro­na-In­fek­ti­ons­zah­len be­denk­lich rasch an. Das be­rei­tet auch der ös­ter­rei­chi­schen Bun­des­re­gie­rung zu­neh­mend Kopf­zer­bre­chen. Denn auch heu­er ha­ben wie­der Zehn­tau­sen­de Mi­gran­ten aus dem ehe­ma­li­gen Ju­go­sla­wi­en vor, die Som­mer­fe­ri­en in ih­ren Her­kunfts­län­dern zu ver­brin­gen. In ei­ner ge­mein­sa­men Pres­se­kon­fe­renz wol­len am Mitt­woch gleich vier Re­gie­rungs­mit­glie­der vor Rei­sen in die Region war­nen: Ge­sund­heits­mi­nis­ter Ru­dolf An­scho­ber, Au­ßen­mi­nis­ter Alex­an­der Schal­len­berg, In­nen­mi­nis­ter Karl Ne­ham­mer und In­te­gra­ti­ons­mi­nis­te­rin Su­san­ne Ra­ab.

Wie „Die Pres­se“er­fuhr, wird das Au­ßen­amt so­gar ex­pli­zi­te Rei­se­war­nun­gen für Ser­bi­en, Bos­ni­en und Her­ze­go­wi­na, Ko­so­vo, Nord­ma­ze­do­ni­en, Al­ba­ni­en und ver­mut­lich auch für Mon­te­ne­gro aus­spre­chen. Schon jetzt gilt die Re­ge­lung, dass sich je­der ei­nem Co­ro­na­test un­ter­zie­hen oder für 14 Ta­ge in Heim­qua­ran­tä­ne be­ge­beng muss, der aus die­sen Län­dern nach Ö ster­reich ein­rei­sen will. Die­se Maß­nah­me soll nun ver­län­gert wer­den. Das birgt vor al­lem im Fall Ser­bi­ens eu­ro­pa­po­li­ti­schen Spreng­stoff. Denn Ser­bi­en zählt eben­so wie Mon­te­ne­gro zu den 15 Dritt­staa­ten, für die ab 1. Ju­li kei­ne EU-Ein­rei­se­ver­bo­te mehr gel­ten sol­len. Das gab der kroa­ti­sche EU-Rats­vor­sitz am Di­ens­tag be­kannt. Recht­lich bin­dend ist die Lis­te je­doch nicht. Es han­delt sich um ei­ne Emp­feh­lung.

14 Ta­ge in Qua­ran­tä­ne nach Rück­kehr

Re­fe­ren­ten aus dem Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um, dem In­nen­mi­nis­te­ri­um, dem Au­ßen­mi­nis­te­ri­um und dem Bun­des­kanz­ler­amt leg­ten am Di­ens­tag in Wi­en die Mar­sch­rich­tung fest. Dem­nach soll auf al­len Ka­nä­len und in al­len Mut­ter­spra­chen von Rei­sen auf den West­bal­kan ab­ge­ra­ten wer­den. Die Po­li­zei soll stich­pro­ben­ar­ti­ge Kon­trol­len an und hin­ter der ös­ter­rei­chi­schen Gren­ze durch­füh­ren. Die Bun­des­re­gie­rung will auch auf Ver­wal­tungs­stra­fen hin­wei­sen, die je­dem dro­hen, der sich nicht an die Qua­ran­tä­ne­re­geln hält oder oh­ne ne­ga­ti­ven Co­vid-Test nach En­de des Ur­laubs in ei­nem West­bal­kan-Staat an sei­nen Ar­beits­platz in Ös­ter­reich zu­rück­kehrt. Die Angst, sich so ei­ne zwei­te Co­ro­nawel­le ein­zu­fan­gen, ist groß.

Denn die po­ten­zi­el­le Zahl der Ur­lau­ber auf dem West­bal­kan ist be­trächt­lich. Jüngs­ten Sta­tis­ti­ken zu­fol­ge le­ben in Ös­ter­reich mehr als 122.000 ser­bi­sche Staats­bür­ger, rund 95.000 Bos­ni­er, 26.000 Ko­so­va­ren und et­wa 3000 Al­ba­ner. Da­zu kom­men noch Zehn­tau­sen­de Ös­ter­rei­cher, die fa­mi­liä­re Wur­zeln in die­sen Län­dern ha­ben und ih­re Ver­wand­ten re­gel­mä­ßig be­su­chen.

Kroa­ti­en hat be­reits ver­gan­ge­ne Wo­che die Maß­nah­men für Rei­sen­de aus an­de­ren süd­ost­eu­ro­päi­schen Staa­ten nach ei­ner vor­über­ge­hen­den Lo­cke­rung wie­der ver

schärft: Wer aus Ser­bi­en, dem Ko­so­vo oder Nord­ma­ze­do­ni­en kommt, muss sich bis auf Wei­te­res 14 Ta­ge lang in Qua­ran­tä­ne be­ge­ben. Das gilt auch für Per­so­nen mit ei­nem kroa­ti­schen Pass. Als Grund für die Maß

nah­men gab die kroa­ti­sche Zi­vil­schutz­be­hör­de den An­stieg der Neu­in­fek­tio­nen in der Region an. Auch in Kroa­ti­en selbst klet­ter­ten zu­letzt die An­ste­ckun­gen wie­der in die Hö­he, in ge­rin­ge­remg Aus­maß eben­so in Slo­we­ni­en. Doch Ös­ter­reich wird die Gren­zen für Rück­rei­sen­de aus den bei­den EUMit­glied­staa­ten wei­ter of­fen hal­ten.

In­fi­zier­te in höchs­ten Krei­sen

Vor al­lem bei Kroa­ti­ens Nach­barn Ser­bi­en sind die Zah­len zu­letzt in die Hö­he ge­schos­sen. Mit 30. Ju­ni gab es bis­her ins­ge­samt 14.288 Fäl­le von Co­ro­na-In­fi­zier­ten. 274 Men­schen sind bis­her am Vi­rus ge­stor­ben. Er­schre­ckend ist aber vor al­lem die Zahl der Neu­in­fek­tio­nen: Sie lag in­ner­halb von 24 St­un­den bei 254 Per­so­nen.

We­gen der Aus­brei­tung des Co­ro­na­vi­rus ist zu­letzt auch die ser­bi­sche Re­gie­rung un­ter Druck ge­ra­ten. Prä­si­dent Aleksan­dar Vucˇic´ wird vor­ge­wor­fen, er ha­be we­gen der Par­la­ments­wahl vor ei­ner Wo­che die An­tiCo­ro­na-Maß­nah­men schlei­fen las­sen. Für den Wahl­kampf war das Ver­samm­lungs­ver­bot auf­ge­ho­ben wor­den. Und um Nor­ma­li­tät zu si­gna­li­sie­ren, wur­den auch Sport­groß­ver­an­stal­tun­gen mit Pu­bli­kum wie­der zu­ge­las­sen. So ka­men et­wa 20.000 Zu­schau­er am 10. Ju­ni zum Fuß­ball­spiel zwi­schen Par­tiz­an und Ro­ter Stern Bel­grad. Mitt­ler­wei­le ha­ben sich auch vie­le Funk­tio­nä­re von Vucˇic´s Fort­schritts­par­tei in­fi­ziert.

Für die Tür­kei gilt be­reits ei­ne ös­ter­rei­chi­sche Rei­se­war­nung. Die Be­hör­den in An­ka­ra ha­ben zu­letzt bei Au­ßen­mi­nis­ter Alex­an­der Schal­len­berg und Tou­ris­mus­mi­nis­te­rin Eli­sa­beth Kös­tin­ger für ein En­de die­ser Maß­nah­me ge­wor­ben – je­doch ver­geb­lich.

[ AFP ]

War­ten auf Co­ro­natests in Bel­grad. Die Zahl der In­fek­tio­nen ist mas­siv an­ge­stie­gen.

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