Kö­ni­gin von Un­garn

Geschichte - - SISI-INHALT -

War­um Si­si lie­ber un­ga­ri­sche Kö­ni­gin sein woll­te. Die Ge­rüch­te um ei­ne Af­fä­re mit ei­nem un­ga­ri­schen Gra­fen.

Ein ein­zi­ges Mal wird Si­si po­li­tisch ak­tiv, als es um ihr ge­lieb­tes Un­garn geht. Die Krö­nung zur un­ga­ri­schen Kö­ni­gin ist Eli­sa­beths größ­ter Tri­umph.

So­we­nig sich Si­si mitih­rer­rol­le­als Kai­se­rin von Ös­ter­reich an­freun­den kann, so sehr liebt sie ih­re Rol­le als Kö­ni­gin von Un­garn. Von den Un­garn fühl­te sie sich re­spek­tiert und ge­liebt, die Po­si­ti­on der ös­ter­rei­chi­schen Kai­se­rin ver­band Si­si nur mit der ver­hass­ten Wie­ner Hof­ge­sell­schaft.

Un­garn ist die re­bel­li­sche Pro­vinz des Habs­bur­ger­rei­ches. Als die Be­völ­ke­rung 1849 ei­ne Re­vo­lu­ti­on ge­gen das Haus Habs­burg an­ge­zet­telt hat­te, lässt sie der Kai­ser mit rus­si­scher Hil­fe blu­tig nie­der­schla­gen. Die Stra­fen für den un­ga­ri­schen Auf­stand sind hart: Un­garn ver­liert sei­ne jahr­hun­der­te­al­ten Son­der­rech­te und wird von nun an von Wi­en aus zen­tral ver­wal­tet. Die un­ga­ri­sche Be­völ­ke­rung geht in Op­po­si­ti­on zum Herr­scher­haus, Wort­füh­rer des pas­si­ven Wi­der- stands ist die Spit­ze der un­ga­ri­schen Aris­to­kra­tie. Der Stolz der un­ga­ri­schen Ma­gna­ten fas­zi­niert Si­si, sie sind für sie ein reiz­vol­ler Ge­gen­pol zu den in­tri­gan­ten Wie­ner Höf­lin­gen. Die füh­ren­den un­ga­ri­schen Krei­se wis­sen Eli­sa­beths Iso­la­ti­on am Wie­ner Hof ge­zielt für ih­re Zwe­cke zu nut­zen. Sie zei­gen ihr deut­lich, dass sie Eli­sa­beth als ih­re „Kö­ni­gin der Her­zen“Un­garns be­trach­ten, und schaf­fen es, Si­si als ih­re größ­te Für­spre­che­rin beim Kai­ser zu ge­win­nen. Das führt nun zu ei­ner ku­rio­sen Si­tua­ti­on: Die Kai­se­rin von Ös­ter­reich, de­ren Mann Ober­haupt ei­nes Viel­völ­ker­staa­tes ist, setzt sich mit vol­lem En­ga­ge­ment für den po­li­ti­schen Son­der­sta­tus ei­ner Pro­vinz des habs­bur­gi­schen Viel­völ­ker­staa­tes ein. Die­se of­fe­ne Ein­fluss­nah­me Eli­sa­beths wird in Wi­en scharf kri­ti­siert, und nicht nur in Hof­krei­sen, selbst Zei­tun­gen wa­gen Kri­tik, wenn auch we­gen der herr­schen­den Zen­sur äu­ßerst sanft. Si­sis gro­ße St­un­de kommt im Jahr 1866, als ihr Ehe­mann das größ­te au­ßen­po­li­ti­sche De­sas­ter sei­ner bis­he­ri­gen Kar­rie­re er­lebt. Nach dem ver­lo­re­nen Krieg ge­gen Preu­ßen muss Kai­ser Franz Jo­seph sein Reich in­nen­po­li­tisch sta­bi­li­sie­ren. Es bro­delt über­all, vie­le ver­su­chen die po­li­ti­sche Schwä­che des Kai­sers zu nut­zen. Vor al­lem mit Un­garn muss nun end­lich ei­ne Lö­sung ge­fun­den wer­den, denn die Angst, dass sich die­ser Reichs­teil durch ei­nen wei­te­ren Auf­stand end­gül­tig von Ös­ter­reich ab­kop­pelt, steht im Raum. In die­ser Si­tua­ti­on wird Si­si ak­tiv. Sie be­schwört ih­ren Mann, sich of­fi­zi­ell zum Kö­nig von Un­garn krö­nen zu las­sen. Denn ob­wohl Franz Jo­seph be­reits seit 18 Jah­ren an der Macht ist, wur­de er noch nicht ge­krönt. Aus gu­tem Grund: Denn je­der Mon­arch, der sich of­fi­zi­ell zum Kö-

nig von Un­garn krö­nen lässt, muss auf die al­te un­ga­ri­sche Ver­fas­sung schwö­ren, und die­se be­deu­tet die An­er­ken­nung der un­ga­ri­schen Sou­ve­rä­ni­tät. Auf­grund der schwie­ri­gen in­nen­po­li­ti­schen La­ge bleibt Kai­ser Franz Jo­seph gar nichts üb­rig, als den un­ga­ri­schen For­de­run­gen ent­ge­gen­zu­kom­men. Im Fe­bru­ar 1867 ist es so weit: Un­garn setzt mit Si­sis Hil­fe den so­ge­nann­ten „Aus­gleich“durch: Die un­ga­ri­sche Ver­fas­sung wird wie­der­her­ge­stellt, aus dem Kai­ser­reich Ös­ter­reich wird nun die Dop­pel­mon­ar­chie Ös­ter­reich-un­garn mit den bei­den Haupt­städ­ten Wi­en und Bu­da­pest, ver­bin­den­des Ele­ment die­ses Dop­pel­staa­tes ist Franz Jo­speh als Kai­ser und Kö­nig. Für Eli­sa­beth ist der un­ga­ri­sche Aus­gleich ein per­sön­li­cher Tri­umph. Für den Rest der Mon­ar­chie ist Si­sis po­li­ti­sches En­ga­ge­ment ei­ne schwe­re Bür­de. Denn der Son­der­sta­tus Un­garns in­ner­halb der Habs­bur­ger­mon­ar­chie führ­te in den sla­wi­schen Reichs­tei­len zu schwe­rer Ver­stim­mung, denn sie hat­ten kei­ne ei­ge­ne Ver­fas­sung, kei­ne Au­to­no­mie be­kom­men. Die pom­pö­se Krö­nung fin­det am 8. Ju­ni 1867 statt. Als Si­si im präch­ti­gen un­ga­ri­schen Krö­nungs­kleid er­scheint, braust Ju­bel los, al­le Her­zen flie­gen nur der wun­der­schö­nen Kö­ni­gin von Un­garn zu. Im Rest der Habs­bur­ger­mon­ar­chie ist Eli­sa­beth mitt­ler­wei­le so un­be­liebt wie nie zu­vor.

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