Si­sis Schön­heits­kult

Geschichte - - SISI-INHALT -

Die Pfle­ge­ri­tua­le und Schön­heits­re­zep­te der Kai­se­rin so­wie das Ge­heim­nis ih­rer be­rühm­ten Haar­kro­nen.

Si­sis au­ßer­ge­wöhn­li­che Schön­heit ist be­reits zu ih­ren Leb­zei­ten le­gen­där. Sie gilt als schöns­te Mon­ar­chin ih­rer Epo­che. Doch das blen­den­de Aus­se­hen er­for­dert enor­me An­stren­gung, viel Zeit und je­de Men­ge Geld.

Der Hoch­zeits­gast hat­te der Braut glatt die Show ge­stoh­len. Als Kai­se­rin Eli­sa­beth im Jahr 1864 zur Hoch­zeit ih­res Lieb­lings­bru­ders nach Dres­den reis­te, sind al­le Au­gen nur auf den schö­nen Gast aus Wi­en ge­rich­tet. Si­sis Sch­wa­ger, Erz­her­zog Lud­wig Vic­tor, be­rich­tet der kai­ser­li­chen Fa­mi­lie nach Wi­en, dass die blen­dend schö­ne Kai­se­rin wah­re Tu­mul­te ver­ur­sacht: „Die Leu­te hier sind paff über un­se­re Sou­ver­ai­nin. Ich ha­be noch nie so ei­nen Ef­fekt ma­chen se­hen.“Der kur­ze Auf­ent­halt Si­sis in Dres­den stand un­ter dem Mot­to: Sie kam, sah und sieg­te. Je­der öf­fent­li­che Auf­tritt der Kai­se­rin wäh­rend der mehr­tä­gi­gen Hoch­zeits­fei­er­lich­kei­ten der säch­si­schen Kö­nigs­toch­ter und Si­sis Bru­der lös­te Be­geis­te­rungs­stür­me aus. Selbst die Kö­ni­gin von Sach­sen konn­te kaum glau­ben, was in ih­rer Haupt­stadt los war. Sie schrieb ei­ner Freun­din: „Von der Be­geis­te­rung, wel­che die Schön­heit und Lie­bens­wür­dig­keit der Kai­se­rin hier er­reg­te, kannst Du Dir kei­ne Vor­stel­lung ma­chen, noch nie sah ich mei­ne ru­hi­gen Sach­sen in sol­cher Auf­re­gung!“

Zum Zeit­punkt die­ser Aus­sa­gen ist Kai­se­rin Eli­sa­beth sechs­und­zwan­zig Jah­re alt und auf dem Hö­he­punkt ih­rer Schön­heit. In ganz Eu­ro­pa spricht man nur von der schö­nen Kai­se­rin aus Wi­en, Si­si ist der Su­per­star un­ter den eu­ro­päi­schen Royals. Die vie­len aus­län­di­schen Be­su­cher, die nach Wi­en, in die Re­si­denz­stadt des Habs­bur­ger­rei­ches rei­sen, hoff­ten vor al­lem ei­nes: von Au­gen­zeu­gen zu er­fah­ren, ob die le­gen­dä­re Kai­se­rin Si­si wirk­lich so schön ist, wie man sich er­zählt. In vie­len Brie­fen und Be­rich­ten aus Wi­en wird die schö­ne Eli­sa­beth the­ma­ti­siert, je­de Be­geg­nung, je­de Er­zäh­lung über die Kai­se­rin ist es wert, aus­führ­lich be­spro­chen zu wer­den – Si­sis Schön­heit ist be­reits le­gen­där.

Eli­sa­beth ist zwar ei­ne Na­tur­schön- heit, sie ist groß ge­wach­sen, schlank, sie hat ein lieb­li­ches Ge­sicht und pracht­vol­les Haar. Doch ih­re au­ßer­ge­wöhn­li­che Schön­heit ist nicht zu­letzt auch das Re­sul­tat von ei­ser­ner Dis­zi­plin, gro­ßer kör­per­li­cher An­stren­gung und un­be­grenz­ten Res­sour­cen. Kaum ei­ne Frau kann so viel Zeit, aber auch so viel Geld in ihr Aus­se­hen und den Er­halt ih­rer Ju­gend in­ves­tie­ren wie die schö­ne Kai­se­rin.

Schmin­ke für die Kai­se­rin? Ja, aber nur ganz de­zent!

Das Schön­heits­ide­al zu Si­sis Zei­ten ist ein kla­rer, schim­mern­der, blas­ser Teint, ro­te Lip­pen und ro­si­ge Wan­gen. Wer aber von der Na­tur kei­nen ma­kel­lo­sen Teint ge­schenkt be­kom­men hat, für den ist es schwie­rig, denn Make­up in un­se­rem heu­ti­gen Sinn kennt man noch nicht, vie­le Pro­duk­te wer­den erst im 20. Jahr­hun­dert auf den Markt kom­men. Zwar gibt es zu Si­sis Zei­ten be­reits Vor­läu­fer von Schmin­ke – Wim­pern­tu­sche wird et­wa aus Asche und Fett ge­rührt und mit ei­nem Bürst­chen auf­ge­tra­gen, als Li­dschat­ten ver­wen­det man Lam­pen­ruß – doch die Be­nut­zung die­ser ers­ten, höchst ein­fa­chen Schmin­ke ist für fei­ne Da­men so­wie­so ta­bu. Denn nur Schau­spie­le­rin­nen und Halb­welt­da­men le­gen „Far­be“auf. Wer sich schmink­te, galt als or­di­när. Fei­ne Da­men ach­ten le­dig­lich dar­auf, dass ih­re Au­gen­brau­en kor­rekt in Form ge­zupft sind, und trop­fen für den Glanz ein biss­chen Ri­zi­nus­öl auf Au­gen­li­der und Wim­pern.

Doch auch wenn Si­si all­zu star­kes Make­up­ver­bo­ten ist, so­hat sie doch ih­re klei­nen Tricks. Auch sie ver­wen­det ei­ni­ge kos­me­ti­sche Hilfs­mit­tel, al­ler­dings nur äu­ßerst de­zent, le­dig­lich ih­re na­tür­li­che Schön­heit soll un­ter­stri­chen wer­den. Die Kai­se­rin ver­wen­det le­dig­lich lo­sen Rei­s­pu­der, ei­nen der we­ni­gen Kos­me­tik­ar­ti­kel, den ei­ne Da­me von Welt be­nut­zen durf­te. Rei­s­pu­der, der aus fei­nem Reis­mehl her­ge­stellt wur­de, oder auch Tal­kum­pu­der wird mit gro­ßen Pu­der­quas­ten auf­ge­tra­gen, er soll die Haut trans­pa­rent schim­mern las­sen und Rö­tun­gen und Pig­ment­fle­cken ka­schie­ren.

Für gro­ße Auf­trit­te wird der be­lieb­te und sehr teu­re „Per­len­pu­der“auf­ge­tra­gen, ein bril­lant­wei­ßer Pu­der, ge­mischt mit Bis­mut, das aus Bis­mut­mi-

ne­ra­li­en ge­won­nen wur­de. Per­len­pu­der wird als High­ligh­ter ein­ge­setzt, er zau­bert ei­nen strah­len­den, dia­man­ten schim­mern­den Teint. Das be­rühm­tes­te Pro­dukt ist zu Si­sis Zei­ten „Pe­ar’s Whi­te Im­pe­ri­al Pow­der“, ein eng­li­sches Pro­dukt, das auch die ös­ter­rei­chi­sche Kai­se­rin kennt.

Si­si war ei­ne treue Kun­din der Kos­me­tik­bran­che

Bei ih­ren zahl­rei­chen En­g­land­rei­sen sen­det Si­si stets ei­ne Zo­fe in sämt­li­che Edel­kauf­häu­ser, um Pro­ben al­ler an­ge­bo­te­nen Pfle­ge­pro­duk­te und Pu­der zu be­sor­gen. In Eli­sa­beths Ap­par­te­ment wer­den dann sämt­li­che Fla­kons und Pro­duk­te auf­ge­stellt, so dass die Kai­se­rin in Ru­he al­les durch­pro­bie­ren kann – was sie, laut den Er­in­ne­run­gen ih­rer Nich­te, auch ger­ne ge­tan hat.

Auch leich­tes Rouge, hauch­fein auf­ge­tra­gen, ver­wen­det Si­si, je­doch nur abends bei Bäl­len, Emp­fän­gen oder Di­ners. Na­tür­lich wird es so de­zent ver­wen­det, dass nie­mand auf die Idee kom­men könn­te, die Kai­se­rin wür­de sich „be­ma­len“wie ei­ne ge­wöhn­li­che Schau­spie­le­rin. Die ho­he Kunst be­stand dar­in, das Rouge so auf­zu­tra­gen, dass das na­tür­li­che Rot der Wan­gen nur zart be­tont wird. Oft wird auch der Saft von Ro­ten Rü­ben sanft in die Wan­gen ein­mas­siert – was ei­nen be­son­ders na­tür­li­chen Ef­fekt schafft. Auch ein Hauch von Rot auf den Lip­pen, äu­ßerst spar­sam ver­wen­det, ist hin und wie­der ei­ne Op­ti­on. Das „Lip­pen­rouge“wur­de in klei­nen Do­sen ver­kauft und mit Fin­gern oder klei­nem Pin­sel auf­ge­tra­gen. Mehr als die­se kos­me­ti­sche Un­ter­stüt­zung war ei­ner Da­me vom Rang der Kai­se­rin aber nicht er­laubt.

So be­schei­den Si­si sein muss, was Schmin­ke be­trifft, so sehr kann sie bei Pfle­ge­pro­duk­dem ten aus Vol­schöp­fen. len Die Aus­wahl un­ter den meist seit Ge­ne­ra­tio­nen ver­wen­de­ten Cre­men, Lound tio­nen Es­sen­zen ist rie­sig. Al­ler­dings sind Pfle­ge­pro­duk­te ex­trem teu­er. Es gibt noch kei­ne in Mas­sen her­ge­stell­ten Pfle­ge­se­ri­en, Cre­men und Lo­tio­nen wer­den nach per­sön­li­chen Re­zep­ten in klei­nen Men­gen an­ge­denn rührt, die ge­rin­ge Halt­bar­cre­men keit der und Lo­tio­nen – es gibt noch kei­ne Kon­ser­vie­rungs­mit­tel – war ein Pro­blem. Selbst die Zu­ta­ten für die in­di­vi­du­el­len Kos­me­tik­pro­duk­te sind teu­er, was für Si­si al­ler­dings kei­ner­lei Rol­le spielt.

Ziel der Schön­heits­pfle­ge ist es , die Haut rein, ge­pflegt und jung zu er­hal­ten oder zu be­kom­men. Zur sanf­ten Rei­ni­gung des Ge­sichts wer­den für Si­si Rei­ni­gungs­lo­tio­nen an­ge­rührt. Mit Kräu­ter­es­si­gen des­in­fi­ziert und klärt man da­nach die Haut -– al­ler­dings ha­ben die­se den Nach­teil, die Haut aus­zu­trock­nen. Ro­sen-, Dill- oder Pim­per­nell­was­ser wird hin­ge­gen nach­weis­lich zur Be­ru­hi­gung der emp­find­li­chen Haut ein­ge­setzt.

Die meis­ten Pfle­ge-pro­duk­te, die Si­si ver­wen­det, ge­hö­ren zu den Stan­dards rei­cher Da­men des 19. Jahr­hun­derts. Ei­ne der wich­tigs­ten Ba­sis-cre­men, die Si­si re­gel­mä­ßig be­nutzt, ist die po­pu­lä­re Crè­me Cé­les­te, ei­ne Mix­tur aus Wachs, Wal­rat – ei­ne wach­s­und fett­hal­ti­ge Sub­stanz aus dem Vor­der­kopf des Pott­wals –, sü­ßem Man­del­öl und Ro­sen­was­ser. Die­se pfle­creme

Si­si leg­te über Nacht hauch­dün­ne Kalb­fleisch­strei­fen auf ihr Ge­sicht. Die­ser Schön­heitstrick war seit lan­ger Zeit als An­ti-fal­ten-mit­tel be­liebt. Das Fleisch lässt die Haut nach­weis­lich fri­scher aus­se­hen.

gen­de hin­ter­lässt ei­nen sanf­ten Schim­mer auf der Haut und ist das Non-plus­ul­tra je­des Toi­let­te-köf­fer­chens.

Ein wei­te­res Must von Si­sis Pfle­ge­gar­nit ur ist die be­lieb­te „Cold­wei­che cream“, ei­ne wei­ße, Cre­me auf Was­ser-öl- Ba­sis mit ho­hem An­teil an Bie­nen­wachs, die tro­cke­ner Haut das Span­nungs­ge­fühl nimmt und Rö­tun­gen ent­ge­gen­creme wirkt. Der Na­me der lei­tet sich vom Käl­te­ge­fühl ab, das man wäh­rend des Auf­tra­gens emp­fin­det.

Zur An­ti-fal­ten-pfle ge legt Si­si über Nacht Streif en von ro­hem Kalb­fleisch auf ihr Ge­sicht – ein Pfle­ge­tipp, den Si­si eben­falls aus En­g­land über­nimmt, dort sind hauch­dün­ne aufs Ge­sicht ge­leg­te Rind­fleisch­strei­fen seit lan­ger Zeit als An­ti-fal­ten­mit­tel be­liebt. Das Fleisch lässt die Haut nach­weis­lich fri­scher aus­se­hen und neu­tra­li­siert schäd­li­che freie Ra­di­ka­le, der ho­he Vit­amin-b-ge­halt wirkt au­ßer­dem ent­zün­dungs­hem­mend und der Mus­ke­lei­weiß-be­stand­teil Ke­ra­tin ver­zö­gert wirk­sam die Haut­al­te­rung.

Be­liebt sind bei Si­si au­ßer­dem Mas­ken aus zer­drück­ten Erd­bee­ren und Bä­der mit war­mem Oli­ven­öl, die sich auf­grund des ho­hen An­teils an den Vit­ami­nen A und E eben­falls po­si­tiv auf die Haut aus­wir­ken. Si­si gönnt sich re­gel­mä­ßi­ge „Schön­heits­ta­ge“. An die­sen Ta­gen er­scheint sie nicht zu den ge­mein­sa­men Es­sen mit Fa­mi­lie und Hof­staat, son­dern wid­met sich

aus­schließ­lich ih­rer Schön­heits­pfle­ge.

Zu Si­sis Zei­ten ist ul­trab­las­se Haut ein Schön­heits­ide­al, nichts soll den eben­mä­ßi­gen wei­ßen Teint be­ein­träch­ti­gen. Son­nen­bräu­ne ist ver­pönt, all­fäl­li­ge Som­mer­spros­sen, Le­ber­und Pig­ment­fle­cken wer­den weg­ge­bleicht, ent­we­der mit Na­tur­mit­teln wie But­ter­milch und Zi­tro­ne – de­ren Wir­kung al­ler­dings frag­lich war – oder mit Bleich­cremes, die heu­te auf­grund ih­rer äu­ßerst gif­ti­gen In­halts­stof­fe ver­bo­ten sind. Vie­le Frau­en die­ser Zeit blei­chen mit ag­gres­si­ven Mit­teln ih­re Haut, ob auch Si­si der­ar­ti­ge Ver­su­che un­ter­nimmt, ist nicht be­kannt. Al­ler­dings schützt Si­si ih­ren hel­len Teint kon­se­quent, in­dem sie nie oh­ne Schirm in die Son­ne geht.

Si­sis Ori­gi­nal­kos­me­tikund -schön­heits­re­zep­te

Si­sis Pfle­ge­pro­duk­te wur­den für die Kai­se­rin per­sön­lich her­ge­stellt. Die kai­ser­li­chen Lei­bärz­te schrie­ben die Zu­ta­ten, die da­für be­nö­tigt wa­ren, zu­sam­men und über­ga­ben die Re­zep­te, die auf „Ih­re Ma­jes­tät die Kai­se­rin“ aus­ge­stellt wa­ren, der kai­ser­li­chen Hof­apo­the­ke. Nach die­sen Re­zep­ten rühr­ten, mix­ten und kre­ierten die Hof­apo­the­ker Cre­men, Lo­tio­nen so­wie Ge­sichts- und Duft­wäs­ser für Si­si. Die Kam­mer­zo­fen der Kai­se­rin lie­ßen sich die kost­ba­ren Pro­duk­te ge­gen ei­ne Emp­fangs­be­stä­ti­gung aus­hän­di­gen und brach­ten sie in Si­sis Bou­doir. Vie­le die­ser Re­zep­te sind heu­te noch in den ehe­ma­li­gen Hof­ar­chi­ven zu fin­den.

Si­sis Schön­heits­pro­duk­te ba­sie­ren auf ein­fa­chen Grund­la­gen, die auch heu­te noch die Ba­sis vie­ler Pro­duk­te aus der Na­tur­kos­me­tik bil­den.

All ihr Sin­nen dreh­te sich um die bes­ten Mit­tel zur Er­hal­tung ih­rer Schön­heit. Si­sis Nich­te über die kos­me­ti­schen Ver­su­che der Kai­se­rin

Si­sis be­son­de­re Haar­pfle­ge

Ei­nen be­son­de­ren Platz in der täg­li­chen Schön­heits­pfle­ge nimmt Si­sis Haar­pfle­ge ein. Kaum ei­ne Frau hat so lan­ges, dich­tes und kräf­ti­ges Haar wie Eli­sa­beth – es reicht in of­fe­nem Zu­stand bis zu den Knie­keh­len. Die Pfle­ge die­ser Haar­pracht dau­ert täg­lich zwei bis drei St­un­den. Si­si Leib­fri­seu­rin er­scheint ge­gen acht oder neun Uhr mor­gens und bürs­tet und kämmt das Haar ih­rer Her­rin. Da­nach flech­tet, steckt und türmt sie Eli­sa­beths Haar zu den be­rühm­ten Flecht­fri­su­ren, „Steck­brief­fri­su­ren“, nennt Eli­sa­beth ih­ren le­gen­dä­ren Haar­schmuck: Kunst­voll in­ein­an­der ver­floch­te­ne Zopf­fri­su­ren, die über die Schul­tern reich­ten oder zur Haar­kro­ne auf­ge­steckt wur­den. Zu be­son­de­ren An­läs­sen wie Hof­bäl­len wird Si­sis Haar mit Gra­natoder Bril­lant­staub ge­pu­dert, um schim­mern­de Re­fle­xe zu zau­bern, oder das Haar wird von hauch­fei­nen sil­ber- oder gold­far­be­nen Haar­net­zen um­schlos­sen. Oft steckt die Fri­seu­rin auch kost­ba­re Schmuck­stü­cke in das Haar, et­wa die be­rühm­ten Dia­mantster­ne. Wäh­rend der St­un­den, die die täg­li­che Haar­pfle­ge in An­spruch nimmt, er­le­digt die Kai­se­rin ih­re Kor­re­spon­denz, liest oder lässt sich in Spra­chen un­ter­rich­ten.

Das Um und Auf für die Er­stel­lung von Eli­sa­beths be­rühm­ten Flecht­fri­su­ren ist die im 19. Jahr­hun­dert so be­lieb­te Po­ma­de, ei­ne par­fü­mier­te Fett­creme, die das Haar zum Schim­mern bringt und für ei­ne glat­te Haa­r­o­ber­flä-

Si­sis Ba­de­wan­ne in der Hof­burg. Die Kai­se­rin ba­de­te mit Vor­lie­be in war­mem Oli­ven­öl. Si­sis Bad war das ers­te, das über flie­ßen­des Was­ser ver­füg­te.

che sorgt. Zu­dem hat sie pfle­gen­de Ei­gen­schaf­ten, was des­halb so wich­tig ist, weil das Haar durch den Ein­satz von Brenn­ei­sen nach­hal­tig ge­schä­digt wird. Haar­po­ma­de hilft bei kom­pli­zier­ten Fri­su­ren, das Haar in Form zu hal­ten. Es ließ sich mit Po­ma­de leich­ter und ex­ak­ter in un­ter­schied­li­che Haar­par­ti­en tei­len und in un­zäh­li­gen ge­floch­te­nen Zöp­fen um den Kopf dra­pie­ren, oh­ne dass wi­der­spens­ti­ge Här­chen in al­le Rich­tun­gen stan­den. Die meis­ten Fo­tos von Si­si zei­gen ih­re per­fek­ten, glat­ten Flecht­fri­su­ren; oh­ne Po­ma­de hät­te sich Si­si wel­li­ges Na­tur­haar nie­mals zu sol­chen Fri­su­ren ge­stal­ten las­sen. Der Um­gang mit Po­ma­de er­for­dert viel Ge­schick, rich­tig ein­ge­setzt, von be­gab­ten Fri­seu­ren, kön­nen da­mit auf­wän­di­ge Fri­su­ren

ge­stal­tet wer­den. Es gibt al­ler­dings Tü­cken: Ein Zu­viel an Po­ma­de oder ei­ne schlech­te, bil­li­ge Po­ma­de er­reicht aber das Ge­gen­teil: fet­ti­ge Haa­re und Fri­su­ren, die in sich zu­sam­men­fal­len. Die Her­stel­lung der für Si­sis le­gen­dä­re Haar­kro­nen so wich­ti­gen Haar­po­ma­den sind für heu­ti­ge Be­grif­fe al­ler­dings ge­wöh­nungs­be­dürf­tig: Sie wur­den aus Schwei­ne- schmalz und Kno­chen­mark her­ge­stellt und kräf­tig par­fü­miert, um ran­zi­gen Ge­ruch zu ver­mei­den.

Ge­wa­schen wird Si­sis Haar al­le zwei Wo­chen. Bei der Wahl der Sham­poos greift Si­si auf be­währ­te Pro­duk­te zu­rück: Mix­tu­ren aus Ei­gelb und Co­gnac oder Bran­dy so­wie Ei­gelb und Schwarz­tee sind die be­lieb­tes­ten Pro­duk­te. Kräu­ter- oder Es­sigspü­lun­gen schlie­ßen Si­sis Haar­wä­sche ab und sorg­ten für Glanz und Kämm­bar­keit. Der­art lan­ges Haar wie je­nes der Kai­se­rin zu Zei­ten, als es noch kei­nen Föhn gibt, zu trock­nen, ge­stal­tet sich schwie­rig. Mit un­zäh­li­gen war­men Tü­chern wird Si­sis nas­ses Haar ge­trock­net und frot­tiert, fä­cheln Zo­fen und Kam­mer­per­so­nal mit Hand­tü­chern Luft, um das Trock­nen zu be­schleu­ni­gen. Die kai­ser­li­che Haar­wä­sche dau­ert stets ei­nen gan­zen Tag, was an­ge­sichts des Auf­wands auch kaum ver­wun­dert. Wäh­rend ih­rer Haar­wasch­ta­ge ist die Kai­se­rin für nie­man­den zu spre­chen, nicht ein­mal für ih­ren Ehe­mann. Au­ßer­dem durfen an die­sen Ta­gen kei­ne Ver­an­stal­tun­gen oder Di­ners an­ge­setzt wer­den. Der gan­ze Hof hält sich strikt an die­se ei­ser­ne Re­gel der Kai­se­rin. Ih­re Haar­wasch­ta­ge sind Si­si hei­lig.

Die­ses Ge­mäl­de war nur für Kai­ser Franz Jo­sephs Au­gen be­stimmt: Si­si mit of­fe­nem Haar, um die nack­ten Schul­tern nur ein Tuch.

„Sie be­te­te ih­re Schön­heit an wie ein Hei­de sei­ne Göt­zen“, sag­te ei­ne Ver­trau­te der Kai­se­rin. In ih­rem Bou­doir ver­brach­te Si­si täg­lich St­un­den bei der Schön­heits­pfle­ge. Die teu­ers­ten Es­sen­zen und die kost­spie­ligs­ten Pfle­ge­pro­duk­te soll­ten die Schön­heit und Ju­gend­lich­keit Eli­sa­beths er­hal­ten.

Si­si nutz­te al­le kos­me­ti­schen Hilfs­mit­tel, die es zu ih­rer Zeit gab.

Oben: Si­sis Toi­let­te­tisch mit Bürs­ten und Fla­kons in der Hof­burg. Un­ten: Auf Rei­sen hat­te die Kai­se­rin ih­ren Kos­me­tik­kof­fer da­bei.

Links: Ori­gi­nal­re­zep­te der Hof-apo­the­ke, die für Si­si zu­be­rei­te t wu rden. Zu­sam­men­ge­stell twu rden sie von den kai­ser­li­chen Lei­bärz­ten, an­ge­rühr twu rden die Cre­men und Lo­tio­nen von er­fah­re­nen Phar­ma­zeu­ten.

Links: Eli­sa­beth im Mor­gen­man­tel mit of­fe­nem Haar. Das Ge­mäl­de hing bis zu Kai­ser Franz Jo­sephs Tod über sei­nem Schreib­tisch. Dar­un­ter: Ei­ne Fi­gu­ri­ne, die Si­sis au­ßer­ge­wöhn­lich lan­ges und üp­pi­ges Haar zeigt.

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