Die Kö­ni­gin hin­ter der Meu­te

Geschichte - - SI­SI-IN­HALT -

Si­sis kost­spie­li­ge Jagd­rei­sen nach En­g­land und Ir­land. Die Kai­se­rin zu Gast bei Prin­zes­sin Dia­nas Vor­fah­ren.

Si­si gilt als bes­te Rei­te­rin ih­rer Zeit. Für ex­klu­si­ve Par­force­jag­den in En­g­land gibt sie ein Ver­mö­gen aus. Die teu­re Reit­lei­den­schaft der Kai­se­rin führt schließ­lich zu schar­fer Kri­tik.

Rei­ten ist Si­sis gro­ße Lei­den­schaft. Als fünf­zehn­jäh­ri­ges Mäd­chen und nach lan­gem Bit­ten er­hält sie ih­ren ers­ten Un­ter­richt und schreibt ih­rer Gou­ver­nan­te voll Stolz: „Ob­wohl ich erst drei Stun­den ge­habt ha­be, bin ich doch schon auf drei Pfer­den ge­rit­ten und darf von nun an auf der La­dy rei­ten.“Für Si­si ist der Reit­un­ter­richt der Be­ginn ei­ner jahr­zehn­te­lan­gen Lei­den­schaft. Eli­sa­beth hat al­le Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Spit­zen­rei­te­rin: ei­ne schlan­ke, aber den­noch kräf­ti­ge Gestalt, Wa­ge­mut bis zum Drauf­gän­ger­tum und ein Fein­ge­fühl für Pfer­de.

Nach ih­rer Hei­rat mit dem ös­ter­rei­chi­schen Kai­ser ste­hen Eli­sa­beth die bes­ten Pfer­de und un­zäh­li­ges Kam­mer­per­so­nal zur Ver­fü­gung. Nur die Stun­den, die sie auf dem Rü­cken ih­rer Pfer­de ver­bringt, be­deu­ten für Si­si völ­li­ge Frei­heit am ver­hass­ten Wie­ner Hof. Die Lie­be zu Pfer­den und das Ver­gnü­gen an ei­nem Aus­ritt ge­hö­ren auch zu den we­ni­gen In­ter­es­sen, die Eli­sa­beth und Franz Jo­seph tei­len.

Mit den Jah­ren stei­gen Eli­sa­beths An­sprü­che an den Reit­sport. Rund um ihr 30. Le­bens­jahr be­ginnt sie sich pro­fes­sio­nell mit ih­rer gro­ßen Lei­den­schaft aus­ein­an­der­zu­set­zen. Sie kauft die teu­ers­ten Pfer­de, en- ga­giert die bes­ten Be­rei­ter und Trai­ner und um­gibt sich nur mehr mit pfer­de­lie­ben­den Aris­to­kra­ten, die wie sie über ge­nü­gend Geld und Zeit ver­fü­gen, um ihr Le­ben dem ex­klu­sivs­ten Frei­zeit­ver­gnü­gen zu wid­men. Si­si schart die bes­ten Rei­ter der Mon­ar­chie um sich und ver­bringt ih­re Zeit aus­schließ­lich mit Reit­trai­ning.

Für zwei Jahr­zehn­te führt Si­si das Le­ben ei­ner Leis­tungs­sport­le­rin. Ihr Ta­ges­ab­lauf, ih­re Trai­nings­ein­hei­ten, ih­re Er­näh­rung, al­les dreht sich nur mehr dar­um, die bes­te Rei­te­rin ih­rer Zeit zu wer­den. Für ein Reit­trai­ning reist die Kai­se­rin so­gar wo­chen­lang nach Frank­reich, of­fi­zi­ell wird ei­ne Kur für die klei­ne Toch­ter als Grund für die Aus­lands­rei­se an­ge­ge­ben. Und selbst ein schwe­rer Sturz vor Ort, der das Schlimms­te be­fürch­ten lässt – Eli­sa­beth er­lei­det ei­ne schwe­re Ge­hirn­er­schüt­te­rung – kann sie nicht vom Rei­ten ab­hal­ten. Si­si be­geis­tert sich nun im­mer mehr für Par­force­jag­den, die eli­tä­ren Hetz­jag­den, bei de­nen die ja­gen­de Hun­de­meu­te von Rei­tern be­glei­tet wird. Sie ist ei­ne der we­ni­gen Frau­en, die bei die­sen an­stren­gen­den und ge­fähr­li­chen Jag­den mit­hal­ten kann. Er­schwert wird ih­re Teil­nah­me durch den we­sent­lich schwie­ri­ge­ren Sitz im Da­men­sat­tel. Doch je bes­ser Si­sis Küns­te als Par­force­re­i­te­rin wer­den, des­to un­zu­frie­de­ner wird sie mit dem Ter­rain in Ös­ter­reich. Quer über die Fel­der der Hun­de­meu­te nach­zu­ja­gen, wie es zu je­der ech­ten Par­force­jagd ge­hört, ist in Ös­ter­reich schwie­rig. Denn im Jahr 1848 wur­de das Vor­recht der Mon­ar­chen und des ho­hen Adels, auf frem­den Grund zu ja­gen, auf­ge­ho­ben. Um­so in­ter­es­san­ter wird nun En­g­land für die Kai­se­rin. Dort wo die bes­ten Rei­ter Eu­ro­pas zu Hau­se wa­ren, wo die edels­ten Pfer­de und Hun­de­meu­ten ge­züch­tet wer­den, wo man das aris-

to­kra­ti­sche Vor­recht an Par­force­jag­den noch nicht durch Ver­bo­te ein­schränkt, dort will nun auch Si­si bril­lie­ren.

Mit rie­si­gem Ge­fol­ge, Pfer­den, Stall­per­so­nal, Hof­per­so­nal und ih­ren aris­to­kra­ti­schen Freun­den reist Eli­sa­beth nun mehr­mals nach En­g­land und Ir­land, dem El­do­ra­do al­ler Pfer­de­nar­ren. Sie frönt hier der Lei­den­schaft der bri­ti­schen Up­per­class: Fuchs­jag­den in edels­tem Am­bi­en­te. Man trifft ein­an­der je­den Mor­gen zu Pferd zum „Meet“in pracht­vol­ler Ku­lis­se vor Groß­bri­tan­ni­ens schöns­ten Her­ren­häu­sern, die Her­ren in ro­tem Rock, die Da­men in eng an­lie­gen­den Klei­dern und mit klei­nem Zy­lin­der. Den gan­zen Vor­mit­tag jagt man dem Fuchs nach, über end­lo­se Hü­gel und Wei­ten, und springt da­bei über ho­he He­cken und tie­fe Grä­ben. Nur we­ni­ge Rei­ter kom­men un­ver­sehrt ans Ziel, die Sturz­ge­fahr ist hoch, und nach je­der Jagd gibt es un­zäh­li­ge Ver­letz­te. Si­si aber kann mit den bes­ten Rei­tern En­g­lands mit­hal­ten, sie er­wirbt sich den Ti­tel „Die Kö­ni­gin hin­ter der Meu­te“.

In Ös­ter­reich scha­den die­se eli­tä­ren mehr­wö­chi­gen Rei­t­ur­lau­be Si­sis Ruf. Die Kri­tik an der Kai­se­rin, die im Krei­se von ge­lang­weil­ten Aris­to­kra­ten dem teu­ers­ten Lu­xus­sport frönt, aber sich kaum öf­fent­lich zeigt, wird im­mer lau­ter. Si­si wird nur mehr als Mon­ar­chin ge­se­hen, die zwar al­le Vor­tei­le ih­rer ho­hen Stel­lung nutzt, aber kei­ne ih­rer Pflich­ten er­füllt. Bis knapp vor ih­rem 50. Le­bens­jahr wid­met sich die Kai­se­rin fast aus­schließ­lich ih­rer Reit­lei­den­schaft. Dann be­en­det sie die­ses Ka­pi­tel ih­res Le­bens von heu­te auf mor­gen schlag­ar­tig.

Wir bli­cken hin­ter die Ku­lis­sen des Kai­ser­ho­fes: Wer be­rei­te­te Si­sis liebs­te Mehl­spei­sen zu? Wer zau­ber­te ih­re schöns­ten Fri­su­ren? Wo­her be­zog sie ih­re Kos­me­tik­pro­duk­te? Wer schnei­der­te ih­re präch­tigs­ten Ball­klei­der? Wir re­kon­stru­ie­ren Si­sis All­tag und er­zäh­len vom gla­mou­rö­sen Li­fe­style, aber auch vom schwie­ri­gen Pri­vat­le­ben der schö­nen Kai­se­rin.

Ei­nes der we­ni­gen Fo­tos, das Si­si zu Pferd zeigt.

Links: Ei­ner von Si­sis vie­len Reit­hü­ten. Oben: Si­sis Rei­ter­bild­nis, das sie bei ei­ner Jagd in Ir­land zeigt, ge­hört La­dy Dia­nas Fa­mi­lie.

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