Si­sis skan­da­lö­se Jagd­rei­sen nach Ir­land

Geschichte - - DIE KÖNIGIN HINTER DER MEUTE -

Nach­dem Kai­se­rin Eli­sa­beth be­reits mehr­mals in En­g­land Jagd­auf­ent­hal­te ab­sol­viert hat­te, wur­de der Wunsch, auch in Ir­land zu ja­gen, im­mer grö­ßer. Ir­land galt Als schwie­rigs­tes Ter­rain für Pro­fis, nur die bes­ten Rei­ter konn­ten hier be­ste­hen. Kai­ser Franz Jo­seph hielt ei­ne Rei­se nach Ir­land für nicht op­por­tun, doch Si­si setz­te wie ge­wohnt ih­ren Wil­len durch. In völ­li­ger Igno­ranz der schwie­ri­gen po­li­ti­schen Si­tua­ti­on trat Eli­sa­beth im Jahr 1879 ih­re ers­te Ir­land­rei­se An. Für die bri­ti­sche Kö­nigs­fa­mi­lie war Si­sis Be­such in

Ir­land ei­ne pu­re Pro­vo­ka­ti­on. Die Grü­ne In­sel galt als re­bel­li­scher­teil des Ver­ei­nig­ten Kö­nig­rei­ches, der schwe­len­de Un­ab­hän­gig­keits­wunsch wur­de von Groß­bri­tan­ni­en hart nie­der­ge­hal­ten. Dass Eli­sa­beth, die Kai­se­rin ei­nes ka­tho­li­schen Rei­ches, aus­ge­rech­net das ka­tho­li­sche Ir­land be­such­te, wur­de von der dor­ti­gen Pres­se als will­kom­me­ner An­lass zur Kri­tik am pro­tes­tan­ti­schen Kö­nigs­haus ge­nom­men, man nutz­te die An­we­sen­heit der Kai­se­rin, um ge­gen die Queen zu po­le­mi­sie­ren. Bei ih­rer An­kunft ju­bel­te man Si­si de­mons­tra­tiv als ka­tho­li­scher Herr­sche­rin zu, ei­ne pein­li­che Si­tua­ti­on für die bri­ti­sche Kro­ne. Vor Ort lie­ßen die Kai­se­rin und ih­re En­tou­ra­ge kaum ein Fett­näpf­chen aus: Im bit­ter­ar­men Ir­land wur­de für den mehr­wö­chi­gen Auf­ent­halt der Kai­se­rin mehr Geld aus­ge­ge­ben, als gan­ze Kom­mu­nen jähr­lich er­hiel­ten. Si­sis Re­si­denz Sum­mer­hill wur­de nach den Be­dürf­nis­sen der Kai­se­rin um­ge­baut und ei­ge­ne Te­le­gra­phen­lei­tun­gen ge­legt. Selbst bei den wohl­mei­nen­den Iren sorg­te Si­si für Kopf­schüt­teln. Ei­ner be­kann­ten iri­schen Ab­tei über­reich­te sie nach dem Be­such ei­ner ka­tho­li­schen Mes­se ei­ne Sta­tue des hei­li­gen Ge­org, der ei­nen Dra­chen tö­tet, nicht wis­send, dass Ge­org der Lan­des­pa­tron En­g­lands war und der Dra­che ger­ne als das re­bel­li­sche Ir­land in­ter­pre­tiert wur­de. Si­si ge­noss ih­re Auf­ent­hal­te in Ir­land. Dass ih­re An- we­sen­heit zu di­plo­ma­ti­schen Ver­stim­mun­gen zwi­schen Wi­en und Lon­don führ­te, in­ter­es­sier­te die Kai­se­rin nicht. Zwei­mal muss­te das bri­ti­sche Kö­nigs­haus zäh­ne­knir­schend zur Kennt­nis neh­men, dass Si­si zwar nie­mals frei­wil­lig die Queen be­such­te, aber die re­bel­li­schen Iren gleich zwei­mal mit ih­rer An­we­sen­heit be­ehr­te. Ei­ne ge­plan­te drit­te Ir­land­rei­se ver­bot schließ­lich so­gar Si­sis Ehe­mann, zu viel Kri­tik aus Lon­don hat­te in­zwi­schen ein­ge­setzt, und Franz Jo­seph er­laub­te kei­ne wei­te­re Brüs­kie­rung der Queen. Si­sis Ir­land­rei­sen wa­ren ein si­gni­fi­kan­tes Bei­spiel da­für, dass Kai­se­rin Eli­sa­beth mitt­ler­wei­le kei­ner­lei Rück­sicht mehr auf ih­re Stel­lung als Kai­se­rin nahm.

Kai­se­rin Eli­sa­beths gro­ßes Ver­gnü­gen wa­ren Fuchs­jag­den nach eng­li­schem Vor­bild. Da sie nur in En­g­land und Ir­land die pas­sen­den Be­din­gun­gen vor­fand, un­ter­nahm sie teu­re Jagd­rei­sen dort­hin. Links: Si­si als sech­zehn­jäh­ri­ge Rei­te­rin.

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