TELEGRAMMWECHSEL WIEN– VA­TI­KAN. GAB ES EIN RIN­GEN UM DAS KIRCH­LI­CHE BE­GRÄB­NIS?

Geschichte - - TODESURSACHE? -

TELEGRAMM von Kai­ser Franz Jo­seph an Papst Leo XIII., Wien, 31. 1. 1889:

Mit­tiefs­tem Schmerz­ver­kün­de ich Eu­rer Hei­lig­keit den plötz­li­chen­tod mei­nes Soh­nes Ru­dolf, ich bin si­cher, dass Sie auf­rich­ti­gen­an­teil an mei­nem Schmerz über­die­sen schreck­li­chen­ver­lust neh­men­wird, ich op­fe­re mich­dem All­mäch­ti­gen auf, dem ich oh­ne Mur­ren zu­rück­ge­be, was ich von ihm emp­fan­gen ha­be, er­fle­he für mich und mei­ne Fa­mi­lie den apos­to­li­schen Se­gen. Franz Jo­seph.

Der Kai­ser geht in sei­nem­te­le­gramm an­den Papst nicht auf­die­ums­ten­de­des­to­des sei­nes Soh­ne­sein. Die­te­le­gram­me, die der pepst­li­che Nun­ti­us in­wi­en, Lu­i­gi Galim­ber­ti, an Kar­di­nal Ma­ria­no Ram­pol­la, Staats­se­kre­ter im Va­ti­kan un­d­qua­si­au­ßen­mi­nis­ter­des Kir­chen­staa­tes sand­te, sind schon­ein­deu­ti­ger:

TELEGRAMM von Nun­ti­us Galim­ber­ti an Kar­di­nal Ras­pol­la, 31. 1. 1889:

Kai­ser­li­cher Prinz Ru­dolf­ges­tern zur Jagd­ge­gan­gen, Schloss­bei­ba­den, heu­te­n­acht­ge­stor­ben, herrscht­gro­ßes Ge­heim­nis über­to­des­ur­sa­che (Anm.: Hier ist da­ste­le­gramm ab­ge­ris­sen.)

TELEGRAMM von Nun­ti­us Galim­ber­ti an Kar­di­nal Ras­pol­la, 1. 2. 1889:

Drin­gend. Eben ist Graf Kal­no­ky­ge­kom­men, vom Kai­ser ge­sandt, um mir mit­zu­tei­len, dass­die­ob­duk­ti­on er­ge­ben hat, dass­der kai­ser­li­che Prinz Selbst­mord be­gan­gen hat. Aber­ärz­te, au­ch­u­ni­ver­si­tät ha­ben er­klärt, Ge­hirn­zu­stand las­se­geis­tes­krank­heit­ver­mu­ten. Kai­ser­wünscht, dass­dem Hei­li­gen­va­ter Dank für ge­sand­te­s­te­le­gramm mit­ge­teilt wird. Galim­ber­ti.

Aus­den­er­hal­te­nen Do­ku­men­ten geht­deut­lich her­vor, das­ses kei­ne­schwie­rig­kei­ten­für­den­wie­ner Hof gab, ein kirch­li­ches Be­greb­nis­für Kron­prinz Ru­dolf zu ar­ran­gie­ren. Die Frei­ga­be­er­folg­te­durch Hof- und Burg­pfar­rer Dr. Lau­renz May­er; er un­ter­stand­di­rekt­dem­va­ti­kan und konn­te un­ab­hen­gig­vom­wie­ner Erz­bi­schöf­li­chen­or­di­na­ri­at­die­se Ent­schei­dungfür­ein kirch­li­ches Be­greb­nis­tref­fen. Der Va­ti­kan nahm­des­sen Ent­schei­dung nacht­re­g­lich zur Kennt­nis. Auf­fal­lend ist je­doch , dass­der Burg­pfar­rer be­reits­vor­de­m­er­geb­nis­des­ob­duk­ti­ons­be­funds– der­ja­mit der Fest­stel­lung „Geis­tes­stö­rung“erst dieg­rund­la­ge­für ein­kirch­li­ches­be­greb­nis­lie­fer­te– sei­ne­ent­schei­dungfell­te­das geht­ein­deu­tig aus­dem Ze­re­mo­ni­ell-pro­to­koll her­vor. Auch Kai­ser Franz­jo­seph ging­da­von aus, dass­der Papstei­nem kirch­li­chen Be­greb­nis nicht im­we­ge ste­hen wür­de: Er ließ be­reits vor sei­nem­te­le­gramm nach Rom das Be­greb­nis­ze­re­mo­ni­ell in Druck ge­hen. Als letz­tes ka­tho­li­sches­ober­haupt­ei­ner­groß­macht­konn­te­der­kai­ser auf jeg­li­che Un­ter­stüt­zung sei­tens des­va­ti­kans zeh­len.

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