GROSSE NÄ­HE UND GROSSE EIFERSUCHT

Die Schwes­tern – Gi­se­la und Ma­rie Va­le­rie

Geschichte - - DER UNANGEPASSTE KRONPRINZ -

Die Be­zie­hung Ru­dolfs zu sei­ner um zwei Jah­re äl­te­ren Schwes­ter Gi­se­la war die sta­bils­te sei­ner gan­zen Kind­heit.

Ih­re ers­ten Le­bens­jah­re ver­brach­ten die Ge­schwis­ter in en­ger Nä­he. Sie teil­ten sich das glei­che Kin­der­per­so­nal und ver­brach­ten den Groß­teil ih­rer Zeit mit­ein­an­der. Es war ei­ne in­ni­ge Be­zie­hung, die auch nach Gi­sel­as Hei­rat nach Bay­ern im Al­ter von sech­zehn Jah­ren nicht ab­riss. Gi­se­la soll­te nicht nur ih­ren ge­lieb­ten Bru­der, son­dern ihr gan­ze Fa­mi­lie über­le­ben, sie starb 1932 in Mün­chen.

Ru­dolfs Be­zie­hung zur klei­nen Schwes­ter war durch sei­ne le­bens­lan­ge gro­ße Eifersucht auf die Nach­züg­le­rin be­stimmt. Ma­rie Va­le­rie kam zur Welt, als Ru­dolf knapp zehn Jah­re alt war. Er muss­te mit an­se­hen, wie sei­ne Mut­ter ih­rem jüngs­ten Kind je­ne Zu­wen­dung und Zeit schenk­te, nach der er sich selbst sein Le­ben lang ge­sehnt hat­te. Dass sich die klei­ne Schwes­ter vor ih­rem Bru­der fürch­te­te, be­las­te­te das schwie­ri­ge Mut­ter-sohn-ver­hält­nis zu­sätz­lich. Es war aber aus­ge­rech­net­die klei­ne Schwes­ter, auf die der Kron­prinz so ei­fer­süch­tig war, die als ei­ne der we­ni­gen am Wie­ner Hof die see­li­schen Nö­te Ru­dolfs er­kann­te.

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