Sy­phi­li­s­an­ste­ckung als mög­li­ches

Geschichte - - DER ANDERE KRONPRINZ -

Die Fra­ge, ob sich Kron­prinz Ru­dolf mit Sy­phi­lis an­ge­steckt hat­te, wird von sei­nen Bio­gra­phen hef­tig dis­ku­tiert. Nicht zu­letzt des­halb,weil ei­ne mög­li­che An­ste­ckung ein schlüs­si­ges Mo­tiv für die Selbst­mord­theo­rie wä­re. Denn zu Kron­prinz Ru­dolfs Zei­ten be­deu­te­te die Dia­gno­se der se­xu­ell über­trag­ba­ren In­fek­ti­ons­krank­heit qual­vol­les Siech­tum,ge­sell­schaft­li­che Stig­ma­ti­sie­rung und kei­ner­lei Aus­sicht auf Hei­lung.

In der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts nahm die Sy­phi­lis ge­ra­de­zu epi­de­mi­sche Aus­ma­ße an. In grö­ße­ren Städ­ten und in­ner­halb der k. u. k. Ar­mee fiel an­geb­lich je­der zehn­te jun­ge Mann der Ge­schlechts­krank­heit zum Op­fer. Der prü­den Se­xu­al­mo­ral die­ser Zeit stand ei­ne über­bor­den­de Pro­sti­tu­ti­on ge­gen­über, die ge­ra­de­zu als Be­schleu­ni­ger der In­fek­ti­on wirk­te. Vor ei­ner An­ste­ckung war der Frei­er ei­ner Kur­ti­sa­ne ge­nau­so we­nig ge­schützt wie je­ner ei­ner Stra­ßen­hu­re.

Mit der zu­neh­men­den Durch­seu­chung ging ei­ne Selbst­mord­wel­le ein­her. Vie­le grif­fen nach der Dia­gno­se zum Re­vol­ver, um sich die Al­ter­na­ti­ve zwi­schen qual­vol­ler töd­li­cher The­ra­pie und si­che­rem Siech­tum zu er­spa­ren.

Durch die In­fek­ti­on mit Sy­phi­lis wer­den Ge­we­be und Or­ga­ne mas­siv an­ge­grif­fen, Ge­schwü­re füh­ren zu schwe­ren Ent­stel­lun­gen an Ge­sicht und Kör­per. Im letz­ten Sta­di­um wird das zen­tra­le Ner­ven­sys­tem ge­schä­digt: Es kommt zu Läh­mun­gen und schließ­lich zum Ver­lust der in­tel­lek­tu­el­len Fä­hig­kei­ten bis hin zu völ­li­ger De­menz.

Zur Angst vor der Krank­heit und ih­ren Aus­wir­kun­gen ge­sell­te sich noch die

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