Mo­tiv für den Selbst­mord?

Geschichte - - DER ANDERE KRONPRINZ -

Angst vor der ein­zi­gen und gän­gi­gen The­ra­pie: Bei den be­rüch­tig­ten „Qu­eck­sil­ber­the­ra­pi­en“wur­de der Pa­ti­ent am gan­zen Kör­per mit Qu­eck­sil­ber ein­ge­rie­ben, zu­sätz­lich muss­te er Qu­eck­sil­ber auch oral ein­neh­men. Den Er­krank­ten fie­len durch die­se The­ra­pie nicht nur Haa­re und Zäh­ne aus, die­se Be­hand­lung war auch töd­lich. Die Pa­ti­en­ten star­ben zwar nicht an Sy­phi­lis, da­für an ei­ner schwe­ren und mit gro­ßen Schmer­zen ver­bun­de­nen Schwer­me­tall­ver­gif­tung.

Erst 1905 wur­de der bak­te­ri­el­le Er­re­ger der Sy­phi­lis ent­deckt und da­mit der ers­te Schritt in Rich­tung ei­ner wirk­sa­men Be­hand­lung die­ser Ge­schlechts­krank­heit ge­setzt. Mit den neu ent­wi­ckel­ten Ar­sen­ku­ren stie­gen nun die Hei­lungs­chan­cen, den Durch­bruch in der Be­hand­lung brach­ten aber erst die nach der Ent­de­ckung des Pe­ni­cil­lins ent­wi­ckel­te ers­te hoch­wirk­sa­me An­ti­bio­ti­ka­be­hand­lung. Ei­ni­ges deu­tet dar­auf hin, dass sich Ru­dolf mit ei­ner Ge­schlechts­krank­heit an­ge­steckt hat­te – ob es wirk­lich Sy­phi­lis war, lässt sich we­der aus­schlie­ßen noch be­stä­ti­gen. Auf­fäl­lig ist zu­min­dest, dass in den Re­zept­bü­chern der Hof­apo­the­ke ein­zel­ne Sei­ten nach­träg­lich ma­ni­pu­liert wur­den. An­de­rer­seits ging man bei Ver­dacht auf Sy­phi­lis nie­mals zu sei­nem Haus­arzt oder sei­ner Haus­apo­the­ke, son­dern eher zu dis­kre­ten Spe­zi­al­ärz­ten. Ob die furcht­ein­flö­ßen­de Dia­gno­se wie bei vie­len jun­gen Män­nern da­mals auch bei Kron­prinz Ru­dolf Grund oder zu­min­dest ein zu­sätz­li­cher Grund für ei­nen Selbst­mord ge­we­sen war, könn­te nur durch ei­ne fo­ren­si­sche Un­ter­su­chung sei­ner sterb­li­chen Über­res­te ge­klärt wer­den.

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