Miz­zi, das Lu­xus-call­girl, Kron­prinz Ru­dolfs gro­ße Lie­be

Geschichte - - DER ANDERE KRONPRINZ -

Über Ma­ria („Miz­zi“) Cas­pars Her­kunft ist we­nig be­kannt, eben­so we­nig, war­um sie in sehr jun­gen Jah­ren nach­wi­en ge­kom­men war. Ob Miz­zi in der Re­si­denz­stadt­di­rekt in das­ge­schäft mit­der käuf­li­chen Lie­be­ein­ge­stie­gen waro­der, wie so vie­le Mäd­chen, nach­ei­ner­ers­ten Tä­tig­keit als­nä­he­rin­oder­ver­käu­fe­rin über­ge­le­gen­heits­pro­sti­tu­ti­on im ho­ri­zon­talen­ge­wer­be lan­de­te, ist nicht mehr­fest­zu­stel­len, al­le Spu­ren zu­die­ser wich­tigs­ten Frau in Kron­prinz Ru­dolfs­le­ben wur­den ge­zielt ver­wischt.

Un­ge­fähr ab­dem­jahr 1884 hat Miz­zi­für Ma­dame­wolf ge­ar­bei­tet, der­che­fin­des­ex­klu­sivs­ten und be­rüch­tigts­ten­call­girl-rings­von­wi­en. Und imal­ter­von 23Jah­ren – es­muss im­jahr 1887ge­we­sen sein – wur­de Miz­zi da­sers­te Mal­von Ma­dame Wolf an­den Kron­prin­zen­ver­mit­telt. Ru­dolf ließ sich von Miz­zi aber nicht nu­r­ein­zel­ne Näch­te­ver­sü­ßen, er en­ga­gier­te sie auch­für län­ge­re In­spek­ti­ons­rei­sen als­sei­ne Be­glei­te­rin. In­wi­en zeig­te sich der Kron­prinz mit der Edelhu­re auchöf­fent­lich. Bei­ei­ner­spa­zier­fahrt im­wie­ner Pra­ter be­geg­ne­te ih­nen Ru­dolf­scou­sin Erz­her­zog Franz Fer­di­nand, der spä­ter, in Sa­ra­je­wo­er­mor­dete­thron­fol­ger. Die­ser be­rich­te­te sei­nem Bru­der nach­dem­tref­fen auf­ge­regt, dass­ru­dolf­von­ei­ner „auf­fal­lend“schö­nen Da­me be­glei­tet wur­de.

Auch Ru­dolf­se­he­frauste­pha­nie wuss­t­e­von­der­öf­fent­lich ge­leb­ten Af­fä­re ih­res­man­nes­mit­der Pro­sti­tu­ier­ten.

Miz­zi wur­de­von ih­ren Zeit­ge­nos­sen nicht nur als­sehr gut­aus­se­hend, son­dern auch als­warm­her­zig, gut­mü­tig, aber auch sehr na­iv be­schrie­ben. In sei­nem letz­ten Le­bens­jahr dürf­te Miz­zi­cas­par­ex­klu­siv­dem Kron­prin­zen zur­ver­fü­gung ge­stan­den ha­ben. Er kauf­te ihr ein Zins­haus in der Nä­he­der­wie­ner­oper, nahm da­für bei ei­nem be­freun­de­ten Ban­kier ho­he­schul­den auf un­d­ver­brach­te mehr und mehr Zeit in Miz­zis neu­em Re­fu­gi­um. Ein Po­li­zeia­gent gab zu Pro­to­koll, dass­ru­dolf sei­ne Ge­lieb­te im­jahr 1888 so­gar um­ei­nen Dop­pel­selbst­mord ge­be­ten hat­te. An­geb­lich hat­te Miz­zi dar­auf­hin ver­sucht, mit­der kai­ser­li­chen Fa­mi­lie in Kon­takt zu­tre­ten – sie sorg­te sich um­den­thron­er­ben we­gen sei­ner To­des­ma­nie. Der Po­li­zei­prä­si­dent, zu dem sich Miz­zi durch­schlug, wim­mel­te­die Frau aus­dem ho­ri­zon­ta­len Ge­wer­be je­doch ab.

Kron­prinz Ru­dolf hat­für Miz­zi ei­nen „vor Lie­be über­quel­len­den“Ab­schieds­brief hin­ter­las­sen, al­ler­dings wur­de­die­ser nicht in Mayerling, son­dern in Ru­dolfs­schreib­tisch in der Hof­burg auf­ge­fun­den. Dass­der Brief nach­weis­lich­exis­tier­te, be­le­gen meh­re­re Zeu­gen­aus­sa­gen, ober Miz­zi nach­der Durch­sicht über­las­senoder auf­wunsch­des­ho­fes­gleich­ver­nich­tet wur­de, ist al­ler­dings­nicht be­kannt. In sei­nem­tes­ta­ment bat der Kron­prinz, Miz­zi­cas­par­ein Ku­vert mit Bar­geld, da­sin sei­nem Schreib­tisch­ver­steckt ist, zu über­ge­ben. Kai­ser Franz­jo­seph ist die­sem letz­ten­wunsch sei­nes­soh­nes­nach­ge­kom­men, es­han­del­te sich um rund 100.000Gul­den (ca. 1,5 Mil­lio­nen Eu­ro), Geld, das­ru­dolf kurz­vor sei­nem­tod bei ei­nem Ban­kier ge­lie­hen hat­te. Ru­dolfs­va­ter be­glich spä­ter­dis­kret­die Schul­den sei­nes Soh­nes.

Miz­zi zog sich nach­dem­tod­des Kron­prin­zen­völ­lig zu­rück, leb­te un­auf­fäl­lig und ließ sich nicht ein­mal mehr imall­ge­mei­nen­wie­ner­woh­nungs­an­zei­ger re­gis­trie­ren. In den Ak­ten wur­de bei ih­rer Be­rufs­be­zeich­nung wei­ter­hin „Haus­be­sit­ze­rin“an­ge­ge­ben. Ob Ma­ria­cas­par nach Ru­dolfs­tod ih­ren Kör­per wei­ter­hin an rei­che Her­ren­ver­kauf­te, ist nicht be­kannt. Ma­ria­cas­par äu­ßer­te sich bis­zu ih­rem­tod nicht öf­fent­lich zu Kron­prinz Ru­dolf. Al­le­an­ge­bo­te aus­län­di­scher­jour­na­lis­tenoder Buch­ver­le­ger schmet­ter­te sie ab.

Miz­zi starb am 28. Jän­ner 1907im Al­ter­von 42Jah­ren. Auf ih­rem­to­ten­stein wur­de Rü­cken­marksver­här­tung als­to­des­ur­sa­che an­ge­ge­ben, was­dar­auf hin­deu­tet, dass­miz­zi an den Fol­gen­von­sy­phi­lis­ver­stor­ben ist. In­ter­es­san­ter­wei­se wur­de Miz­zi, die aus­graz stamm­te, aber bis­zu ih­rem­tod in­wi­en ge­lebt hat, in Möd­ling bei­wi­en, un­weit­von Mayerling be­gra­ben. Obes­miz­zis Wunsch war, in der Nä­he­des­ster­be­or­tes­je­nes­man­nes­be­gra­ben zu sein, der sie ge­liebt und ihr nach sei­nem­to­dein sor­gen­frei­es­le­be­ner­mög­licht hat, dar­über kann nur spe­ku­liert wer­den.

Die 1864 in­graz ge­bo­re­ne Ma­ria­cas­par war bis zu sei­nem Le­bens­en­de­die gro­ße Lie­be­de­sös­ter­rei­chi­schen Thron­fol­gers. „Miz­zi“wie sie von Ru­dolf, ih­ren Frei­ern und ih­rer Kupp­le­rin ge­nannt wur­de, galt al­s­ei­nes­der hüb­sches­ten Mäd­chen­von Wi­en­sex­klu­sivs­tem­call­girl-ring.

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