„Die Hin­ter­grün­de des Fal­les Mayerling sind viel är­ger, als sich ir­gend­je­mand denkt.“

Geschichte - - GEHEIMPAPIERE -

Wo sind die mys­te­riö­sen „Mayerling-do­ku­men­te“ge­blie­ben? Exis­tie­ren sie noch?

Man nennt sie die „Mayerling-pa­pie­re“oder auch „Taaf­fe-do­ku­men­te“, nach dem ös­ter­rei­chi­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Graf Edu­ard Taaf­fe, und seit hun­dert Jah­ren su­chen His­to­ri­ker und Mayerling-for­scher nach ih­nen. Die „Taaf­fe-do­ku­men­te sind ei­ne Samm­lung aus Ak­ten, Pro­to­kol­len und Zeu­gen­aus­sa­gen, die sämt­li­che In­for­ma­tio­nen zum Ta­ther­gang ent­hal­ten und an­geb­lich der Schlüs­sel zum Mayerling-rät­sel sind. Es gilt als er­wie­sen, dass Kai­ser Franz Jo­seph sei­nem Mi­nis­ter­prä­si­den­ten und Ju­gend­freund Edu­ard Taaf­fe sämt­li­che bri­san­te Un­ter­la­gen zu Mayerling an­ver­traut hat. Üb­li­cher­wei­se wur­den al­le Do­ku­men­te, die den Wie­ner Hof be­tra­fen, im Haus-, Hof- und Staats­ar­chiv hin­ter­legt. Ge­nau das ist im Fall Mayerling al­ler­dings nicht ge­sche­hen. Of­fen­bar woll­te der Kai­ser vor­sor­gen, dass we­der zu sei­nen Leb­zei­ten noch spä­ter Nä­he­res zum Tod sei­nes Soh­nes und Ma­ry Vet­s­e­ras be­kannt wird. Die Art und Wei­se, wie die­se Pa­pie­re den Hof ver­las­sen ha­ben, hat zu ih­rer spä­te­ren My­s­ti­fi­zie­rung bei­ge­tra­gen: Der Kai­ser über­gab nach Ab­schluss der Un­ter­su­chung der Hof­kom­mis­si­on sei­nem Mi­nis­ter­prä­si­den­ten die Do­ku­men­te. Die­ser täusch­te ei­ne Hin­ter­le­gung in sei­nem Prä­si­di­al­bü­ro vor, hielt sie aber statt­des­sen in sei­ner per­sön­li­chen Ver­wah­rung. Nach Taaf­fes Rück­tritt brach­te er die Do­ku­men­te auf sein Stamm­schloss El­li­schau in Böh­men. Was die Taaf­fe-pa­pie­re ent­hiel­ten? Das Pro­to­koll der Un­ter­su­chungs­kom­mis­si­on in Mayerling, das Ori­gi­nal des Ob­duk­ti­ons­be­fun­des, den Ori­gi­nal­be­richt mit den An­ord­nun­gen zu Ma­ry Vet­s­e­ras heim­li­chem Be­gräb­nis, Zeu­gen­aus­sa­gen und wahr­schein­lich auch Ak­ten über po­li­ti­sche In­ter­ven­tio­nen Ru­dolfs. Über wei­te­re Un­ter­la­gen kann nur spe­ku­liert wer­den. Es soll sich um ei­ne ver­sie­gel­te Kis­te mit zwei Pa­ke­ten ge­han­delt ha­ben. Die Fa­mi­lie Taaf­fe emi­grier­te 1938 nach Ir­land, das Archiv wur­de mit­ge­nom­men, 1967 starb der letz­te Graf Taaf­fe, sei­ne Ehe­frau teil­te For­schern mit, dass die Mayerling-pa­pie­re zwar noch exis­tie­ren, aber sie wüss­te nicht, wo. Im Jahr 2009 er­hielt das Ös­ter­rei­chi­sche Staats­ar­chiv den Nach­lass der Gra­fen Taaf­fe – die Mayerling-pa­pie­re wa­ren nicht dar­un­ter, wohl aber Hin­wei­se, dass der Mi­nis­ter­prä­si­dent wirk­lich die Do­ku­men­te be­ses­sen hat­te. Was die Taaf­fe-pa­pie­re so mys­te­ri­ös macht, wa­ren die be­leg­ten Aus­sa­gen der Gra­fen Taaf­fe über de­ren In­halt: Kron­prinz Ru­dolfs Tod wä­re „schreck­li­cher“und „die Hin­ter­grün­de zu Mayerling är­ger“, als ge­mein­hin an­ge­nom­men wird.

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