Ober­rab­bi­ner: „Man soll­te sich selbst nicht so ernst neh­men!“

Heute - Oberösterreich Ausgabe - - Österreich Heute - „Heu­te“: Sie schrei­ben in Ih­rem Buch über ei­nen aus­ver­kauf­ten Ga­la­abend im Burg­thea­ter, wo Sie Ih­ren Auf­tritt 24 St­un­den vor­her ab­sag­ten, weil Sie bei ei­nem Be­gräb­nis ge­braucht wur­den. Was soll im Le­ben im­mer Prio­ri­tät ha­ben? von Isa­bel­la Mar­tens In Burs

Paul Chaim Ei­sen­berg ge­nießt nicht nur in der jü­di­schen Ge­mein­de Kult­sta­tus. Mit „Heu­te“sprach der Ober­rab­bi­ner Ös­ter­reichs über sein neu­es Buch, ei­ne ver­pass­te Ge­le­gen­heit und An­ti­se­mi­tis­mus. Paul Chaim Ei­sen­berg: Men­sch­lich­keit und To­le­ranz. Es ist heu­te in vie­len Re­li­gio­nen so, dass Men­schen im Na­men der Re­li­gi­on fürch­ter­li­che Din­ge tun – bis hin zu Ter­ror­an­schlä­gen. P.C.E.: Da ver­geht mir das La­chen. P.C.E.: Ich kann es mir nicht er­klä­ren, auch wenn ich viel dar­über nach­den­ke. P.C.E.: Ei­nem Kind ist das schwer zu er­klä­ren. Man braucht schon ei­nen gu­ten Ma­gen. Nach der Shoah dach­te ich, dass es nie wie­der zu An­ti­se­mi­tis­mus kommt, so wie man­che Men­schen nach dem Zwei­ten Welt­krieg dach­ten, es wird nie wie­der Krie­ge ge­ben. P.C.E.: Ich ra­te das nicht, aber ich glau­be, es ist nicht ge­fähr­lich. P.C.E.: Wir wol­len doch un­ter­schei­den: Flücht­lin­ge, die um ihr Le­ben ban­gen, muss man ver­su­chen zu be­hal­ten. Dass wir ganz Afri­ka in Ös­ter­reich auf­neh­men kön­nen, das geht na­tür­lich nicht. P.C.E.: Das Wich­tigs­te ist, dass man ei­nem Zu­wan­de­rer nicht schon an der Gren­ze ei­ne Le­der­ho­se an­zieht und ihm Jo­deln lernt. Man muss Men­schen ein we­nig auch ih­re Kul­tur bei­be­las­sen. P.C.E.: Wood­stock 1969. Ich war in der Nähe, hat­te aber kei­ne Ah­nung, was das ist. Freun­de sag­ten, es ist ein Folk­fes­ti­val – ich nahm an, es geht um Cow­boys. Al­so fuhr ich nicht hin. Scha­de. P.C.E.: Es gab ein­mal ei­nen al­ten, pen­sio­nier­ten Ju­den, der sich et­was da­zu­ver­die­nen muss­te. Er be­kam ei­nen Job in ei­nem al­ten Häu­schen – dort muss­te er Aus­schau hal­ten, ob der Mes­si­as kommt. Man frag­te ihn, ob das wirk­lich ein gu­ter Job ist. Der al­te Mann sag­te: Gut viel­leicht nicht, aber lang­fris­tig …“

„Auf das Le­ben!“von Paul Chaim Ei­sen­berg, er­schie­nen im Brand­stät­ter-Ver­lag

Isa­bel­la Mar­tens bei Paul Chaim Ei­sen­berg

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