DIE „PEIN­LI­CHE HALSGERICHTSORDNUNG“VON KARL V.

Das ers­te all­ge­mei­ne deut­sche Straf­ge­setz­buch und die He­xen­ver­fol­gun­gen

Hexen & Vampire - - ZAUBERINNEN SOLLST D UNI CHT A ML EBE NL ASSEN -

Zur Zeit der He­xen­ver­fol­gun­gen ent­wi­ckel­te sich auch die Ge­richts­bar­keit im Hei­li­gen Rö­mi­schen Reich ent­schei­dend wei­ter. Die aus dem Jahr 1532 stam­men­de „Pein­li­che Halsgerichtsordnung“von Kai­ser Karl V., die „Con­sti­tu­tio Cri­mi­na­lis Ca­ro­li­na“, soll­te über Jahr­hun­der­te für den Straf­pro­zess in den deut­schen Lan­den prä­gend sein. Wäh­rend Straf­pro­zes­se nach al­tem ger­ma­ni­schen Brauch in der Re­gel nur auf An­kla­ge des Op­fers hin öf­fent­lich und münd­lich ge­führt wor­den wa­ren wo­bei der Rich­ter, meist kein aus­ge­bil­de­ter Ju­rist, ei­nen un­mit­tel­ba­ren Ein­druck von Zeu­gen und Tä­ter be­kom­men konn­te, wur­de nun von Amts we­gen nach stren­gen Be­weis­re­geln und in ei­nem ge­hei­men, schrift­lich ge­führ­ten Ver­fah­ren von spe­zi­ell aus­ge­bil­de­ten Rich­tern Recht ge­spro­chen. Die Rich­ter wa­ren nun zu­gleich auch An­klä­ger. Die De­lik­te wur­den ver­schrift­licht und sys­te­ma­ti­siert. Oft wur­den Ak­ten ver­sandt, so­dass das Ver­fah­ren gänz­lich mit­tel­bar ge­führt wur­de und die Rich­ter die An­ge­klag­ten nicht ein­mal zu Ge­sicht be­ka­men. Die­se nach da­ma­li­gem Ver­ständ­nis mo­der­nen Pro­zess­re­geln, die den Wild­wuchs grund­herr­schaft­li­cher Recht­spre­chung des Mit­tel­al­ters be­en­den soll­ten, tra­fen nun auf die als „cri­men ex­cep­tum“oder „de­lic­tum atro­cis­si­mum“, al­so als Aus­nah­me­ver­bre­chen an­ge­se­he­nen He­xen­fäl­le. Das Er­geb­nis war ver­hee­rend: Ein ver­nünf­ti­ger, er­fah­re­ner Rich­ter konn­te, wenn et­wa ei­ne Frau von ih­rer Ne­ben­buh­le­rin we­gen Scha­dens­zau­ber „an­ge­klagt“wur­de, da­hin­ter im öf­fent­li­chen Pro­zess, vor der ver­sam­mel­ten Ort­schaft, noch ei­ne In­tri­ge er­ken­nen. Ein theo­lo- gisch wie ju­ris­tisch ge­schul­ter Rich­ter hin­ge­gen, der „im stil­len Käm­mer­lein“die ihm schrift­lich vor­ge­leg­ten Fol­ter­pro­to­kol­le über teuf­li­sche Ma­chen­schaf­ten stu­dier­te, moch­te im sel­ben Fall viel eher ein im Ge­setz­buch fest­ge­schrie­be­nes De­likt der He­xe­rei ver­wirk­licht se­hen ...

Auf­grund der po­li­ti­schen Ver­hält­nis­se im Hei­li­gen Rö­mi­schen Reich – man war noch weit ent­fernt von ei­ner ein­heit­li­chen Rechts­ord­nung, wie es sie et­wa im zen­tra­lis­ti­schen Frank­reich be­reits gab – war selbst die Ca­ro­li­na kaum di­rekt an­wend­bar. Zwar gab es zwei Obers­te Reichs­ge­rich­te, das Reichs­kam­mer­ge­richt in Spey­er und den Reichs­hofs­rat in Wi­en. Die­se wur­den je­doch nur in Aus­nah­me­fäl­len an­ge­ru­fen. Wo pri­mär nach Ge­ständ­nis­sen ver­ur­teilt wer­den soll, ha­ben Be­ru­fun­gen auch we­nig Sinn. In­ter­es­sant ist, dass die bei­den Ober­ge­rich­te – wenn denn ein­mal ein Fall vor sie kam – ih­ren Recht­spruch al­ler­dings auf­fal­lend oft zu­guns­ten der so­ge­nann­ten He­xen fäll­ten.

So je­mand den Leu­ten durch Zau­be­rei Scha­den oder Nach­teil zu­fügt, soll man stra­fen vom Le­ben zum Tod. Und man soll sol­che Straf mit dem Feu­er tun. Ar­ti­kel 109 des Straf­ge­setz­bu­ches von Kai­ser Karl V., das jahr­hun­der­te­lang im Um­gang mit an­geb­li­cher He­xe­rei maß­geb­lich war.

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