WIE EIN HE­XEN­PRO­ZESS ABLIEF

Hexen & Vampire - - ZAUBERINNEN SOLLST D UNI CHT A ML EBE NL ASSEN -

He­xen­pro­zes­se wur­den al sr ei­ne In­di­zi­en­pro­zes­se ge­führt. Um ei­nen Pro­zess ge­gen ei­ne ver­meint­li­che He­xe ins Rol­len zu brin­gen, ge­nüg­te ei­ne Denun­zia­ti­on. Das konn­te die Be­zich­ti­gung ei­ner un­ter der Fol­ter ge­stän­di­gen He­xe sein, ei­ne Be­schul­di­gung auf­grund der Nä­he der An­ge­klag­ten z um ys­te­riö­sen Scha­dens­fäl­len oder Mut­ma­ßun­gen auf­grund ih­res viel­leicht ver­däch­ti­gen Ver­hal­tens, das auf He­xe­rei schlie­ßen ließ. Ein­mal aus­ge­forscht, muss­te ei­ne He­xe als sol­che iden­ti­fi­ziert wer­den. So­ge­nann­te „He­xen­ste­cher“muss­ten dann ih­ren Kör­per nach He­xen- oder Teu­fels­ma­len ab­su­chen: schmer­zu­n­emp­find­li­che Haut­stel­len, die beim Stich mit ei­ner Na­del nicht blu­te­ten. Man­che He­xen­jä­ger wa­ren auch von der Exis­tenz ei­ner „Teu­fels­zit­ze“über­zeugt, mit­tels der ei­ne He­xe ih­ren Dä­mon nähr­te.

Da in ei­nem He­xen­pro­zess schwer­lich Be­wei­se zu er­brin­gen wa­ren – wer kann schon ei­nen Be­weis für Scha­dens­zau­ber oder den Be­such ei­nes He­xen­sab­bats vor­le­gen –, setz­te das Ge­richt auf Ge­ständ­nis­se. Das Mit­tel da­zu war die „hoch­not­pein­li­che Be­fra­gung“, ab­ge­lei­tet von „Pein“– die Fol­ter. Die Tor­tur und die Sug­ges­tiv­fra­gen der Rich­ter brach­ten ir­gend­wann al­le Be­klag­ten da­zu, ein Ge­ständ­nis ab­zu­le­gen. Die He­xe muss­te dann in al­ler Aus­führ­lich­keit über ih­ren Ver­kehr mit dem Teu­fel be­rich­ten: wann er sie wie ver­führt hat­te, wie er sie da­zu ge­bracht hat­te, ih­rem Christ­englau­ben ab­zu­schwö­ren, wie der Teu­fels­bund voll­zo­gen wur­de. Die se­xu­el­len De­tails des dä­mo­ni­schen Ge­schlechts­ver­kehrs schie­nen vie­le Rich­ter be­son­ders zu in­ter­es­sie­ren. Die ver­meint­li­che He­xe wur­de auch ge­nau über ihr Zu­sam­men­tref­fen mit an­de­ren Zau­be­rin­nen beim He­xen­sab­bat be­fragt und ge­zwun­gen, an­de­re He­xen zu „be­sa­gen“, al­so die Na­men wei­te­rer Per­so­nen zu nen­nen.

Die An­zahl der Na­men, die der Fol­ter­knecht aus ver­meint­li­chen He­xen er­quäl­te, war oft be­trächt­lich und wur­de in so­ge­nann­ten „schwar­zen Bü­chern“oder „Blut­bü­chern“fest­ge­hal­ten. So be­sag­ten in den Jah­ren 1586 bis 1594 im Bis­tum Tri­er 30 6He xen nicht we­ni­ger als 1380 Per­so­nen – al­le sind in dem be­rühm­ten „He­xen­re­gis­ter des Claudius Mu­siel“ein­ge­tra­gen; denn die Nen­nung von Kom­pli­zen galt als Krö­nung je­des Ge­ständ­nis­ses. Mit­hil­fe von Kom­pli­zen­lis­ten oder He­xen­re­gis­tern wur­den wei­te­re He­xen auf­ge­spürt – auf die­se Wei­se konn­ten Ein­zel­pro­zes­se groß­flä­chi­ge Ket­ten­pro­zes­se aus­lö­sen. In je­nen Ge­gen­den, in de­nen das rö­mi­sche Recht An­wen­dung fand, muss­te das Ge­ständ­nis 24 St­un­den nach der Fol­ter frei­wil­lig und oh­ne An­wen­dung von Ge­walt wie­der­holt wer­den, erst dann war es rechts­kräf­tig. Doch die we­nigs­ten Op­fer wi­der­rie­fen ihr Ge­ständ­nis. Zwei Grün­de da­für wa­ren si­cher­lich die schlech­te kör­per­li­che und psy­chi­sche Ver­fas­sung der Ge­pei­nig­ten so­wie die ka­ta­stro­pha­len, kör­per­lich und geis­tig zer­mür­ben­den Haft­be­din­gun­gen.

Mit dem Vor­lie­gen des Ge­ständ­nis­ses wur­de ei­ne we­gen Zau­be­rei an­ge­klag­te Per­son schul­dig im Sin­ne des He­xe­rei­de­lik­tes ge­spro­chen und in den meis­ten Fäl­len zur To­des­stra­fe ver­ur­teilt. Für He­xen war die Ver­bren­nung vor­ge­se­hen, weil da­durch ihr „sün­di­ger Leib“ver­nich­tet wur­de. Oft­mals ge­währ­te man den ver­ur­teil­ten Frau­en noch die Gna­de, sie vor dem An­zün­den des Feu­ers zu stran­gu­lie­ren. Je­ne Frau­en aber, die sich bei der „pein­li­chen Be­fra­gung“und der Ab­le­gung des Ge­ständ­nis­ses sehr wi­der­stän­dig ge­zeigt hat­ten, wur­den selbst auf dem Weg zur Hin­rich­tung noch ge­quält. Sie wur­den „mit glü­hen­den Zan­gen ge­zwickt“, und es sind auch Fäl­le be­kannt, wo sa­dis­ti­sche Rich­ter den Frau­en vor ih­rem Feu­er­tod noch die Brüs­te ab­schnei­den lie­ßen. Die He­xen­ver­bren­nun­gen fan­den auf Schei­ter­hau­fen oder in ei­gens er­rich­te­ten Stroh­hüt­ten statt, in Schle­si­en wa­ren so­gar ei­ge­ne He­xen-öfen in Be­trieb.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.