DER FALL CHRIS­TI­NA BÖFFGENS – DER TEU­FEL IST SCHULD AM FOLTERTOD

Hexen & Vampire - - DIE GRAUSAMSTEN HEXENPROZESSE -

Dass nicht ein­mal die Frau­en ein­fluss­rei­cher Bür­ger und Schöf­fen vor ei­nem He­xen­pro­zess si­cher wa­ren, zeigt der Fall der Chris­ti­na Böffgens aus Rhein­bach bei Bonn. Die Sech­zig­jäh­ri­ge war die ver­mö­gen­de Wit­we des Bür­ger­meis­ters, der als Schöf­fe bei He­xen­pro­zes­sen am­tier­te. Ei­ni­ge Per­so­nen ih­rer Um­ge­bung wa­ren nach dem Tod ih­res Man­nes plötz­lich der Mei­nung, dass der Teu­fel von Chris­ti­na Böffgens Be­sitz er­grif­fen hät­te. Es ist an­zu­neh­men, dass das er­erb­te Ver­mö­gen der Frau Be­gehr­lich­kei­ten in ih­rem Um­feld aus­ge­löst hat­te, denn bis­her war sie den lo­ka­len He­xen­spe­zia­lis­ten nie­mals ver­däch­tig er­schie­nen. Nun aber wur­de Chris­ti­na Böffgens zu­erst ei­nem Ex­or­zis­mus un­ter­zo­gen, da­nach wur­den ihr die Haa­re ge­scho­ren und sie nackt dem Scharf­rich­ter vor­ge­führt. Sie wur­de nach al­len Re­geln der Kunst ge­fol­tert und gab schließ­lich Teu­fels­pakt, Scha­dens­zau­ber und so­gar Mord zu. Je­des Ge­ständ­nis muss­te nach vier­und­zwan­zig St­un­den oh­ne Fol­ter wie­der­holt wer­den; Chris­ti­na Böffgens wi­der­rief am nächs­ten Tag und soll­te des­halb er­neut ge­fol­tert wer­den. Doch dies­mal riet der Scharf­rich­ter da­von ab, der kör­per­li­che Zu­stand der Frau las­se be­fürch­ten, dass sie die nächs­te Tor­tur nicht über­ste­hen wer­de. Der ver­ant­wort­li­che Kom­mis­sar des Pro­zes­ses be­stand je­doch auf wei­te­rer Fol­ter – und die Frau starb.

Die er­hal­te­nen Pro­zess­ak­ten be­le­gen, dass die Spe­zia­lis­ten an­ge­sichts der To­ten die Pa­nik über­kam und sie sich ge­gen­sei­tig die Schuld zu­wie­sen. „Ich fol­ter­te die Frau aus eu­rem Ge­heiß, und sie ist in der Fol­te­rung des Tods ge­stor­ben, als ich vor­hin ge­sagt ha­be“, ver­tei­dig­te sich der Scharf­rich­ter. Bei ei­nem Schöf­fen reg­te sich gar das schlech­te Ge­wis­sen: „Die­se Tat, die wir heu­te an die­ser Frau, so sie be­kannt wird, be­gan­gen ha­ben, das kön­nen wir vor Gott, dem Lan­des­fürs­ten und al­len Men­schen nicht ver­ant­wor­ten.“Doch der ver­ant­wort­li­che Kom­mis­sar wuss­te, mit wel­chem Ar­gu­ment er sei­nen Kopf ret­ten konn­te: Der Teu­fel selbst ha­be Chris­ti­na Böffgens wäh­rend der Fol­ter ge­tö­tet – so ha­be er ver­hin­dern wol­len, dass sie ih­re He­xen­kom­pli­zin­nen preis­gab.

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