DER WIE­NER HE­XEN­PRO­ZESS DER ELI­SA­BETH PLAINACHER

Hexen & Vampire - - DIE GRAUSAMSTEN HEXENPROZESSE -

Der Fall Eli­sa­beth

Plainacher aus dem

Jahr 1583 zeig­t­e­xem - pla­risch, wie ein pri­va­ter Strei­tin ei­nen He­xen­pro­zess m ün­den und der herr­schen­de Re­li­gi­ons­kon­flik­tals Brand­be­schleu­ni­ger wir­ken konn­te: Die sieb­zig­jäh­ri­ge Eli­sa­beth Plainacher aus der

Nä­he von St. Pöl­ten wur­de von ih­rem

Schwie­ger­sohn der He­xe­rei be­zich­tigt. Ge­org

Schlut­ter­bau­er warf der Schwie­germ ut­ter vor, sei­ne fünf­zehn­jäh­ri­ge Toch­ter An­na ver­hext­und m it­dem Teu­fel­ver­kup­pelt­zu ha­ben. Der Denun­zi­ant war Al­ko­ho­li­ker und neig­te zur­ge­walt­tä­tig­keit. An­na war das letz­te sei­ner vier Kin­der, ei­ne Nach­züg­le­rin, die

Mut­ter war bei der Ge­burtge­stor­ben. Das

Mäd­chen lit­tan schwe­rer Epi­lep­sie und war geis­tig be­ein­träch­tigt.

Eli­sa­beth Plainacher küm m er­te sich als Ein­zi­ge um die En­ke­lin und nahm das Mäd­chen schließ­lich ganz zu sich. Als die drei äl­te­ren

Kin­der Ge­org Schlut­ter­bau­ers in­ner­halb kür­zes­ter Zeit nach­ein­an­der star­ben, es­ka­lier­te­die­si­tua­ti­on: Der Va­ter war plötz­lich über­zeugt, dass sei­ne­toch­ter­von Däm onen be­ses­sen wä­re. An­na wur­de zu­nächs­tin St. Pöl­ten m eh­re­ren Ex­or­zism en un­ter­wor­fen, die kei­nen Er­folg brach­ten. Dar­auf­hin wur­de sie nach Wi­en über­stell­tund hier wei­te­ren Ex­or­zism en un­ter­zo­gen, diesm alm iter­folg: Dem Mäd­chen konn­ten ex­akt12.625 Däm onen aus­ge­trie­ben wer­den. Sie wur­de als ge­heilt, aber schwach­sin­ni­g­ent­las­sen und in das Wie­ner Bür­ger­spi­tal­ein­ge­wie­sen. Dam it­hät­te der Fal­len­den kön­nen. Doch trotz­der­of­fi­zi­el­l­er­klär­ten Hei­lung sei­ner­toch­ter de­nun­zier­te der Va­ter An­nas Großm ut­ter wei­ter­hin der He­xe­rei.

Al­so wur­de auch die al­te Frau nach Wi­en ge­bracht. Nach ei­ner Be­fra­gung in An­we­sen­heit­von Pries­tern un­d­ärz­ten stuf­te m an Eli­sa­beth Plach­ai­ner aber le­dig­lich als alt, krank und geis- tes­schwach ein und be­schied, für ei­nen Teu­fels­bund gä­bees je­den­falls kei­ner­lei An­zei­chen. Als je­doch der be­kann­te He­xen­jä­ger und Je­suit­ge­org Sche­rer auf den Fall aufm erk­sam wur­de, kam es zu ei­ner tra­gi­schen Wen­dung: Dass Eli­sa­beth Plainacher zum Pro­tes­tan­tism us über­ge­tre­ten war, wur­de ihr nun zum Ver­häng­nis, denn Sche­rer war ein er­bit­ter­ter Käm pfer ge­gen die lu­the­ri­sche Leh­re. Vor dem Ste­phans­dom hiel­ter ei­ne Brand­re­de ge­gen He­xen und be­son­ders ge­gen die ei­ne, die noch im m er nicht ih­rer ge­rech­ten Stra­fe zu­ge­führt­wor­den wä­re. Auf­ge­hetzt­durch den He­xen­jä­ger Sche­rer, for­der­te die Be­völ­ke­rung nun ve­hem ent, die He­xe Plainacher der Fol­ter zu un­ter­zie­hen. Ob­wohl­zu­vor m eh­re­re Pries­ter Eli­sa­beth Plainacher vom Vor­wurf der Zau­be­rei ent­las­tet hat­ten, gab m an nun den For­de­run­gen des He­xen­jä­gers und sei­ner auf­ge­brach­ten An­hän­ger nach. Nach der­drit­ten Fol­te­rung ge­stand die al­te Frau al­les, was m an von ihr hö­ren woll­te. Eli­sa­beth Plainacher wur­de un­ter ver­schärf­ten Be­din­gun­gen, al­so bei vol­lem Be­wusst­sein, ver­brannt. Ih­re Asche wur­de in den Wie­ner Do­nau­ka­nal­ge­wor­fen. Sie war die ein­zi­ge Frau, die jem als in Wi­en als He­xe hin­ge­rich­tet­wur­de. Ge­org Sche­rer starb zwei­und­zwan­zig Jah­re spä­ter in Linz; er wur­de wäh­rend ei­ner Hetz­pre­digt­ge­gen He­xen vom Schlag ge­trof­fen.

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