Kon­flikt­zo­ne Wald

Wald­lieb­ha­ber kön­nen auf Holz klop­fen: Seit 1975 darf den Wald je­der zu Er­ho­lungs­zwe­cken be­tre­ten. Manch­mal aber sieht man den Wald vor lau­ter Schwam­merl­su­chern nicht. Ein Über­blick wo die Frisch­luft­frei­heit be­ginnt und wo sie en­det.

Kleine Zeitung Kaernten - - Vorderseite - Von Ul­rich Dunst und Alex­an­der Tengg

Seit über 40 Jah­ren darf sich je­der in Ös­ter­reichs Wäl­dern er­ho­len. Doch der Um­gang mit Pil­zen, Moun­tain­bikes oder Hun­den sorgt für Pro­ble­me.

1. Darf ich mich in frem­den Wäl­dern auf­hal­ten?

ANT­WORT: Grund­sätz­lich ja! Seit der Öff­nung des Wal­des 1975 darf ge­mäß Forst­ge­setz (§ 33) je­der den Wald zu Er­ho­lungs­zwe­cken nut­zen. Doch es gibt auch ei­ni­ge Aus­nah­men – Jung­wäl­der mit Bäu­men bis zu drei Me­ter Hö­he sind eben­so ta­bu wie Forst­gär­ten, ge­kenn­zeich­ne­te Bann­wäl­der oder we­gen Wald­brand­ge­fahr ge­sperr­te Flä­chen. Eben­so nicht be­tre­ten wer­den dür­fen be­fris­te­te forst­wirt­schaft­li­che Sper­run­gen, et­wa bei Holz-Schlä­ge­rungs­ar­bei­ten.

Ach­tung! Je nach Art des Ver­sto­ßes ge­gen di­ver­se Sper­ren kön­nen Geld­stra­fen bis zu 3630 Eu­ro fäl­lig wer­den.

2. Wem ge­hö­ren die Pil­ze und Bee­ren im Wald – und wie vie­le da­von darf ich aus dem Wald mit­neh­men?

ANT­WORT: Schwam­merln, Pil­ze, Bee­ren und sons­ti­ges Wal­d­obst (z. B. Kas­ta­ni­en) ge­hö­ren dem Wald­ei­gen­tü­mer. Die­ser kann das Sam­meln die­ser „Früch­te des Wal­des“ver­bie­ten, be­schrän­ken oder auch Ent­gelt da­für ver­lan­gen, be­stä­tigt man im Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Land- und Forst­wirt­schaft. Wenn der Ei­gen­tü­mer das Sam­meln je­doch nicht ex­pli­zit ver­bie­tet (z. B. durch Hin­weis­ta­feln) wird an­ge­nom­men, dass die­ser es still­schwei­gend dul­det.

Ach­tung! Bei Pil­zen (egal, wel­che Sor­te) und bei Wald­früch­ten gilt ei­ne Be­schrän­kung von

zwei Ki­lo pro Per­son und Tag. Wer da­ge­gen oder ge­gen ein Sam­mel­ver­bot ver­stößt, kann vom Wald­ei­gen­tü­mer „im Rah­men der Selbst­hil­fe“an­ge­hal­ten wer­den – auch darf die­ser die Wa­re ab­neh­men und da­nach zi­vil­recht­lich kla­gen. Sam­mel-Ver­an­stal­tun­gen sind eben­so ver­bo­ten, so­gar schon die Teil­nah­me dar­an kann 730 Eu­ro Stra­fe nach sich zie­hen.

3. Dür­fen Ei­gen­tü­mer ih­ren Wald ein­fach ab­sper­ren?

ANT­WORT: „Der Wald­be­sit­zer kann be­fris­te­te aber auch dau­ern­de Sper­ren im Wald nur im Rah­men des Forst­ge­set­zes vor­neh­men. Mög­lich be­zie­hungs­wei­se not­wen­dig sind be­fris­te­te Sper­ren et­wa bei Wald­ar­bei­ten oder Wind­wurf­flä­chen“, sagt Kam­mer-Forst­di­rek­tor Gün­ther Ku­n­eth. Sper­ren über vier Mo­na­te brau­chen ei­ne be­hörd­li­che Be­wil­li­gung. Dau­er­haf­te Sper­ren sind zu­läs­sig bei Christ­baum­kul­tu­ren oder in der Nä­he von Wohn­häu­sern, die von Wäl­dern um­ge­ben sind. Ab­ge­sperrt wer­den kann mit Zäu­nen oder Hin­weis­ta­feln.

6. Darf ich im Wald ein La­ger­feu­er ent­zün­den?

ANT­WORT: Im Forst­ge­setz 1975 wird ge­re­gelt, dass im Wald und auch in Wald­nä­he das Ent­zün­den von Feu­er ver­bo­ten ist (Aus­nah­me: Ei­gen­tü­mer, be­rech­tig­te Forst- und Jagd­or­ga­ne und Per­so­nen, die ei­ne schrift­li­che Be­wil­li­gung vom Be­sit­zer ha­ben). Ver­bo­ten ist auch der un­vor­sich­ti­ge Um­gang mit feu­er­ge­fähr­li­chen Ge­gen­stän­den (Weg­wer­fen von Zi­ga­ret­ten, Zünd­höl­zern). Dar­über hin­aus kann die Be­hör­de (sie­he Fra­ge 8) bei Wald­brand­ge­fahr noch ein­mal stren­ge­re Re­geln auf­er­le­gen.

7. Darf man mit dem Moun­tain­bike durch den Wald fah­ren?

ANT­WORT: In Ös­ter­reich ist das Be­fah­ren des Wal­des und al­ler We­ge nur mit Er­laub­nis des Wald­ei­gen­tü­mers er­laubt. Die Zu­stim­mung kann den Bi­kern per­sön­lich oder all­ge­mein (durch Hin­weis­ta­feln) ge­ge­ben wer­den. Na­tur­freun­de, Al­pen­ver­ein und Bi­ker-Or­ga­ni­sa­tio­nen for­dern seit Jah­ren ve­he­ment die Öff­nung von Forst­stra­ßen für Bi­ker, was zu­letzt im­mer wie­der für Kon­tro­ver­sen zwi­schen Rad­fah­rern und Ei­gen­tü­mern (samt Ge­richts­ver­fah­ren, wenn Bi­ker un­er­laubt im Wald ge­ra­delt sind) ge­führt hat.

4. Dür­fen Hun­de frei im Wald her­um­lau­fen?

ANT­WORT: „Das kommt dar­auf an. Ge­gen den land­läu­fi­gen Glau­ben müs­sen Hun­de­be­sit­zer ih­re Tie­re von No­vem­ber bis En­de Ju­li an der Lei­ne hal­ten“, er­in­nert Forst­di­rek­tor Gün­ther Ku­n­eth. Au­ßer­halb die­ser Zeit gibt es kei­ne Re­ge­lung. Fest­ge­schrie­ben ist dies im Kärnt­ner Jagd­ge­setz, wo­bei es in je­dem Be­zirk dies­be­züg­lich Hun­de­hal­tungs­vor­schrif­ten gibt. Hun­de, die ab­seits von Häu­sern oder Her­den al­lein ja­gend an­ge­trof­fen wer­den, und Kat­zen, die im Wal­de um­her­strei­fen, kön­nen von Jä­gern ge­fan­gen oder in letz­ter Kon­se­quenz ge­tö­tet wer­den.

5. Darf man Zir­ben­zap­fen zur Schnap­s­her­stel­lung sam­meln?

ANT­WORT: Die Zir­be zählt zu den teil­wei­se ge­schütz­ten Pflan­zen. Das Beern­ten ste­hen­der Bäu­me ist we­der nach dem Ei­gen­tums- noch nach dem Forst­ge­setz ge­stat­tet. Es ist so­mit nicht er­laubt, die Zir­ben­zap­fen ein­fach zu ern­ten. „Das Sam­meln vom Wald­bo­den ist aber ein­ge­schränkt mög­lich. Pro Per­son dür­fen täg­lich bis zu zwei Ki­lo ge­sam­melt wer­den, so­fern es nicht zu Er­werbs­zwe­cken durch­ge­führt wird“, sagt Ku­n­eth.

8. Die Wald­brand­ge­fahr war heu­er durch Hit­ze hoch. Gel­ten be­son­de­re Re­geln?

ANT­WORT: Bei be­son­de­rer Brand­ge­fahr – genau die­se be­steht wäh­rend Hit­ze oder Tro­cken­heit – ja. In die­sen Fäl­len wer­den von der Be­zirks­ver­wal­tungs­be­hör­de üb­li­cher­wei­se Ver­ord­nun­gen er­las­sen, mit de­nen das Ent­zün­den von Feu­er und auch das Rau­chen im Wald ge­ne­rell ver­bo­ten wird. Wer da­ge­gen ver­stößt und zum Bei­spiel acht­los ei­ne Zi­ga­ret­te weg­wirft, muss laut Forst­ge­setz (§ 174) mit ei­nem Straf­aus­maß von bis zu 7270 Eu­ro oder ei­ner Frei­heits­stra­fe von bis zu vier Wo­chen rech­nen.

9. Vie­le ver­wen­den Lär­chen­zwei­ge zur Schnap­s­her­stel­lung. Darf man die­se ein­fach ab­bre­chen?

ANT­WORT: „Nein. Die Bäu­me sind Ei­gen­tum des Wald­be­sit­zers und dür­fen nicht oh­ne des­sen Zu­stim­mung ab­ge­bro­chen wer­den“, sagt Forst­di­rek­tor Ku­n­eth. Viel­fach wür­den näm­lich Äs­te und Wip­fel von Bäu­men rück­sichts­los ab­ge­bro­chen, was zu gro­ßem Scha­den für den Baum, aber auch das sen­si­ble Öko­sys­tem füh­re.

10. Wie soll man sich im Wald ver­hal­ten?

ANT­WORT: „Wer den Wald be­tritt, muss sich be­wusst sein, dass er frem­des Ei­gen­tum be­nützt und es da­für auch Re­geln gibt“, sagt Forst­di­rek­tor Ku­n­eth. Man ist nur ei­ner von vie­len Wald­nut­zern, wes­halb ge­gen­sei­ti­ge Rück­sicht­nah­me wich­tig ist. Was man­che ver­ges­sen – der Wald ist vor al­lem auch ein Ar­beits­platz für die Wald­be­sit­zer und des­halb ist auch ein Min­dest­maß an Acht­sam­keit ge­bo­ten. Ab­seits von Forst­stra­ßen und We­gen gilt für Nut­zer Ei­gen­haf­tung.

APA, FO­TO­LIA (3), GEPA, RAUNIG

FO­TO­LIA (6)

Streit­punkt in Ös­ter­reich: Bi­ken im Wald

VALLANT

Gün­ther Ku­n­eth, Forst­di­rek­tor LWK Kärn­ten

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