Hö­he­re Steu­er auf Über­nach­tun­gen soll vor der Wahl fal­len.

Für ÖVP-Chef Kurz ist Sen­kung der Näch­ti­gungs­steu­er vor der Wahl denk­bar. SPÖ sieht „Schel­lings Bud­get­war­nung ato­mi­siert“.

Kleine Zeitung Kaernten - - Vorderseite - Von Adolf Wink­ler

In Alp­bach sind al­le Betten voll. Ein or­dent­li­ches Zim­mer mit Gera­ni­en­bal­kon kos­tet bis zu 200 Eu­ro, Mehr­wert­steu­er in­klu­si­ve. Da freut sich der Ho­te­lier, wenn er – oh­ne Prei­se zu­rück­zu­neh­men – statt 26 Eu­ro nur 20 Eu­ro Mehr­wert­steu­er ein­kal­ku­lie­ren muss – so wie noch vor ei­nem Jahr. „Die Er­hö­hung der Näch­ti­gungs­steu­er von 10 auf 13 Pro­zent 2016 war ein Feh­ler, ich ma­che kein Hehl dar­aus“, gab sich Se­bas­ti­an Kurz ges­tern im Alp­ba­cher­hof reu­ig.

Der ÖVP-Chef hat­te sich das Ti­ro­ler Kon­gress­dorf aus­ge­sucht, um erst­mals bei sei­nen Steu­er­plä­nen kon­kret zu wer­den. In der länd­li­chen Tou­ris­mu­sidyl­le war ihm der Ap­plaus si­cher. Am Vor­abend wa­ren bei ei­nem Emp­fang in In­ne­ral­pfür die Bür­ger­meis­ter der­art eu­pho­risch, dass Ti­rols Lan­des­haupt­mann Gün­ther Plat­ter ei­ne „Ge­winn­war­nung“aus­gab: Der Wahl­sieg für Kurz und die ÖVP sei kei­ne gmah­de Wiesn, er­in­ner­te er an 2006 und Wolf­gang Schüs­sels Fi­nish-Ein­bruch ge­gen Al­f­red Gu­sen­bau­er.

Für den Au­ßen­mi­nis­ter ist das Eu­ro­päi­sche Fo­rum Alp­bach im ma­le­ri­schen Berg­dorf die idea­le Ku­lis­se, um sich auch den länd­li­chen Raum zu pro­fi­lie­ren. Pres­se­fo­tos im Blu­men­gartl, die Pen­si­on da­ne­ben heißt viel­sa­gend „Schön­blick“. Kurz: „Wir müs­sen den Tou­ris­mus stär­ken, denn er schafft Jobs im länd­li­chen Raum auch in an­de­ren Bran­chen.“

Noch vor ei­nem Jahr war der Zorn der Bran­che über ÖVP und Wirt­schafts­kam­mer her­ein­ge­bro­chen. Die 13 Pro­zent Steu­er hät­ten noch mehr we­gen des ad­mi­nis­tra­ti­ven Auf­wan­des ver­är­gert – mit ver­schie­de­nen Steu­er­sät­zen auf Lo­gis, Es­sen, Ge­trän­ke und Di­enst­leis­tun­gen, wie Ti­rols Wirt­schafts­bund­chef Franz Hörl er­klärt. Petra No­cker-Schwar­zen­ba­cher, Ob­frau der Tou­ris­mus­spar­te in der WKÖ, war über Kurz’ An­kün­di­gung hoch­er­freut. „In Frank­reich und Ita­li­en liegt der Steu­er­satz nur bei zehn Pro­zent, in Deutsch­land bei sie­ben Pro­bach

zent.“Die Schweiz ha­be die Steu­er so­gar auf 3,8 Pro­zent ge­senkt, drängt für die Ne­os Sepp Schell­horn dar­auf, die Steu­er noch vor der Wahl zu sen­ken. Weil von der FPÖ zwar Ge­rald Hau­ser Kurz ei­nen Fall­rück­zie­her vor­wirft, die Par­tei aber pro­gram­ma­tisch für ei­ne Steu­er­sen­kung ist, hät­te die­se ei­ne schwarz­blau-pin­ke Mehr­heit im Na­tio­nal­rat. Für Kurz ist es da­her denk­bar, dass sie bei der Par­la­ments­sit­zung am 20. Sep­tem­ber be­schlos­sen wird. „Wir wol­len aber den Ko­ali­ti­ons­part­ner nicht über­stim­men, es wir da­von ab­hän­gen, wie sich die SPÖ ver­hält.“

„Wir wer­den uns das an­schau­en“, sag­te da­zu Kanz­ler­amts­mi­nis­ter Tho­mas Droz­da (SPÖ) ges­tern in Alp­bach, nicht oh­ne Sei­ten­hieb auf die „feh­len­de Ge­gen­fi­nan­zie­rung. Da­mit wer­den Fi­nanz­mi­nis­ter Hans Jörg Schel­lings Bud­get­war­nun­gen ato­mi­siert.“

Ge­mein­sam mit Landwirtschaftsminister An­drä Rupp­rech­ter skiz­zier­te Kurz das ÖVP-Wahl­pro­gramm für den länd­li­chen Raum. Au­ßer Jobs wol­le man Di­gi­ta­li­sie­rung for­cie­ren und me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung si­chern, mit Lan­d­arzt-Sti­pen­di­en als An­reiz. Rupp­rech­ter will in zehn Jah­ren 3500 Bun­des­dienst­stel­len in die Bun­des­län­der brin­gen. Ver­ei­ne wol­le man bei Bü­ro­kra­tie und Haf­tung ent­las­ten.

Da sich die De­bat­ten in Alp­bach oft bis tief in die Nacht zie­hen, ist der Ort auch sym­bo­lisch für Ar­beits­zeit­fle­xi­bi­li­sie­rung. Kurz fand es „scha­de, dass die So­zi­al­part­ner das nicht schaff­ten“. Er will ei­nen Ent­wurf vor­le­gen – „oh­ne sechs­te Ur­laubs­wo­che“.

APA

Ins­ze­nie­rung für den länd­li­chen Raum: Kurz im Blu­men­gartl

Idyl­lisch und aus­ge­bucht. Alp­bach als idea­le Ku­lis­se für Tou­ris­mus­steu­er-Sen­kung im Wahl­kampf

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Sepp Schell­horn von den Ne­os

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Tho­mas Droz­da von der SPÖ

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