„Wie weh­re ich mich ge­gen den Nach­barn?“

TE­LE­FON­STUN­DE. Von ei­nem Mie­ter, der nicht zahlt, bis zur le­di­gen Toch­ter, die ent­erbt wer­den soll. Ger­not Mur­ko, Prä­si­dent der Kärnt­ner Rechts­an­walts­kam­mer, be­ant­wor­te­te in der Te­le­fon­stun­de der Klei­nen Zei­tung span­nen­de Fra­gen un­se­rer Le­ser.

Kleine Zeitung Kaernten - - Kärnten - Pro­to­koll: Manuela Kal­ser

Herr Dok­tor Mur­ko, ich wer­de mei­nen Mie­ter nicht los. Er zahlt nicht und ich kann ihn nicht er­rei­chen. Er ist kaum da. Und wenn ich ihn an­ru­fe, geht er nicht dran. Er re­agiert auf nichts. Was kann ich tun?

GER­NOT MUR­KO: Sie wer­den ei­ne Räu­mungs­kla­ge beim Be­zirks­ge­richt ein­brin­gen müs­sen. Die Kos­ten müs­sen Sie vor­erst selbst tra­gen. Sie kön­nen das Geld aber 30 Jah­re lang vom Be­klag­ten zu­rück­for­dern. Wo­vor ich drin­gend ab­ra­te, ist Selbst­hil­fe. Ge­hen Sie nicht ein­fach in die Woh­nung und räu­men Sie sie ja nicht aus. Sonst macht der Mie­ter noch ei­ne Be­sitz­stö­rungs­kla­ge ge­gen Sie.

Ich ha­be ei­nen Gar­ten­schup­pen mit ei­nem Blech­dach. Mein Nach­bar hat ge­sagt, ich muss das Blech ent­fer­nen. Denn, wenn es reg­net, sei das ei­ne Lärm­be­läs­ti­gung für ihn. Muss ich das Dach wirk­lich weg­tun oder kann ich mich da­ge­gen weh­ren? Ha­ben Sie ei­ne Bau­ge­neh­mi­gung für ih­re Hüt­te? Wenn nicht, dann könn­te Ih­nen der Nach­bar des­halb Pro­ble­me maSie chen. Soll­ten Sie ei­ne Bau­ge­neh­mi­gung ha­ben, müs­sen Sie das Blech­dach mei­ner Mei­nung nach nicht ent­fer­nen. Denn der Re­gen, der dar­auf tropft, fällt un­ter orts­üb­li­chen Lärm. Die Fra­ge, die Sie sich stel­len müs­sen, ist aber, ob Sie mit Ih­rem Nach­barn wirk­lich strei­ten wol­len. Gibt es in Kärn­ten ei­nen Schutz­an­walt für Miss­brauchsop­fer? Ich wür­de Hil­fe brau­chen? Vie­le An­wäl­tin­nen und An­wäl­te in Kärn­ten sind Op­fer­schutz­an­wäl­te des Weis­sen Rings. Das ist ein Op­fer­schutz­ver­ein. Mit die­sem Ver­ein kön­nen Kon­takt auf­neh­men. Der ver­mit­telt Sie an ei­nen An­walt wei­ter, der sich mit die­sem The­ma be­schäf­tigt. Ver­bre­chens­op­fern steht ei­ne kos­ten­lo­se ju­ris­ti­sche und psy­cho­lo­gi­sche Pro­zess­be­glei­tung zu. Die Kos­ten da­für wer­den von der Re­pu­blik über­nom­men. Herr Prä­si­dent, mei­ne le­di­ge Toch­ter küm­mert sich nicht um mich. Sie ist mein ein­zi­ges Kind. Aber seit zehn Jah­ren ver­wei­gert sie den Kon­takt. Sie re­agiert we­der auf An­ru­fe noch auf Brie­fe. Da­her möch­te ich sie kom­plett en­ter­ben. Der Pflicht­teil steht Ih­rer Toch­ter in je­dem Fall zu. Das Er­brecht ist da sehr streng. Erst wenn ihr Kind 20 Jah­re lang kei­nen Kon­takt zu Ih­nen will, kön­nen Sie den Pflicht­teil auf die Hälf­te re­du­zie­ren. Wich­tig da­für ist, dass Sie al­les do­ku­men­tie­ren: Je­den An­ruf, den Ih­re Toch­ter nicht an­nimmt und je­den Brief, der un­be­ant­wor­tet

bleibt. Ich bin schon so ver­zwei­felt. Seit 50 Jah­ren kämp­fe ich mit Stra-

ßen­ab­wäs­sern. Tau­sen­de Ku­bik­me­ter Stra­ßen­ab­wäs­ser wer­den qua­si di­rekt auf mein Grund­stück ge­lei­tet. Wenn ich mit ei­ner Kla­ge dro­he, dann heißt es von den Zu­stän­di­gen beim Land: Ja, ja schau­en wir ein­mal, wer den län­ge­ren Atem hat. Wenn das wirk­lich so ist, dann kön­nen Sie sich das nicht ge­fal­len las­sen. Sie ha­ben zi­vil­recht­li­chen An­spruch dar­auf, dass dies un­ter­las­sen wird. Wenn Was­ser von ei­nem öf­fent­li­chen Grund – wie der Stra­ße – in Ih­ren Gar­ten ge­langt, dann müs­sen Sie das zi­vil­recht­lich ab­klä­ren las­sen. Vor al­lem, wenn es 50 Jah­re lang kei­ne Ei­ni­gung ge­ge­ben hat. Das Ge­setz sagt ganz klar, Ab­wäs­ser müs­sen schad­los ab­ge­lei­tet wer­den.

50 Jah­re durf­te ich als Jä­ger ei­nen Gü­ter­weg der Agrar­ge­mein­schaft be­nüt­zen. Plötz­lich hat mir das ein Grund­stücks­be­sit­zer un­ter­sagt. Den Pro­zess ha­be ich ver­spielt. Jetzt ha­be ich ge­hört, dass es da­zu ei­ne neue Rechts­spre­chung gibt. Stimmt das? Neue Ju­di­ka­tur da­zu gibt es kei­ne. Man müss­te sich Ih­re Cau­sa im De­tail an­schau­en. Ganz ge- ne­rell ist es so: Nach 50 Jah­ren ste­hen die Chan­cen gut, dass man sich das Recht den Weg zu be­fah­ren, er­ses­sen hat. In Ih­rem Fall war das wohl des­halb nicht so, weil der Weg der Agrar­ge­mein­schaft ge­hört und des­halb in den öf­fent­lich-recht­li­chen Be­reich fällt. Das neue Ur­teil, das Sie mei­nen, ist ein an­de­res. Da woll­te ein Grund­be­sit­zer, ver­hin­dern, dass in sei­nem Wald ge­jagt wird. Doch der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof hat ent­schie­den, dass ein Grund­be­sit­zer die Jagd dul­den muss. Das war kei­ne Fra­ge des We­ge­rechts.

Ich ha­be ein Haus und weil jetzt wie­der die kal­te Jah­res­zeit kommt, stel­le ich mir fol­gen­de Fra­ge: Muss ich wirk­lich mit­ten in der Nacht auf­ste­hen, um den ei­si­gen Weg vor mei­nem Haus zu streu­en? Ein Haus­be­sit­zer ist ver­pflich­tet, vor sei­nem Ge­bäu­de zu streu­en und den Weg zu rei­ni­gen. Er kann auch ei­nen pro­fes­sio­nel­len Rei­ni­gungs­dienst da­mit be­auf­tra­gen. Ab 7 Uhr in der Früh muss der Weg in Ord­nung sein.

TRAUSSNIG

Rechts­an­walts­kam­merPrä­si­dent Ger­not Mur­ko be­ant­wor­te­te Le­ser­fra­gen

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