Kar­ten, die das Le­ben zu­spielt

Sam Smith, der jun­ge Bri­te mit der wun­der­vol­len, wei­chen Soul­stim­me, legt mit „The Thrill of It All“sein zwei­tes Al­bum vor. Schön, trau­rig, mit Hoff­nung auf die ewi­ge Lie­be.

Kleine Zeitung Kaernten - - Kultur - Von Stef­fen Rüth Sam Smith, ge­bo­ren am 19. Mai 1992 in London. Sin­ger-Song­wri­ter, ge­wann 2015 vier Gram­mys, 2016 ei­nen Glo­be und Os­car für den Bon­dSong „Wri­ting’s on the Wall“. CD: „The Thrill of It All“. Uni­ver­sal. sams­mithworld.com Und dann? Be­sond

The Thrill of It All“prä­sen­tiert ei­nen Sam Smith auf der Hö­he sei­nes Schaf­fens. Wie­der sind die Lie­der trau­rig und von ei­ner un­glück­li­chen Lieb­schaft in­spi­riert, aber kei­ner lei­det und schmach­tet so schön wie der 25 Jah­re jun­ge Lon­do­ner.

Smiths Mix aus Pop, Soul und Gos­pel bleibt emo­tio­nal nach­voll­zieh­bar und geht auch dies­mal wie­der ins Ohr. Ab und zu, in „One Last Song“an­satz­wei­se und in „Ba­by, You Ma­ke Me Cra­zy“ganz be­son­ders, nimmt er auch ein­mal Fahrt auf, meist be­wegt sich die Plat­te aber ziel­si­cher auf bal­la­des­kem Ge­biet.

Leicht sei es je­doch nicht ge­we­sen mit die­sem sei­nem zwei­ten Al­bum. „Ich ha­be den Druck

und die Er­war­tungs­hal­tung ge­gen­über der neu­en Plat­te ge­spürt“, gibt Sam Smith – ein so­wie­so sehr of­fe­ner und ehr­li­cher Mensch – di­rekt zu. „Ich dach­te: ‚Pa­cke ich das über­haupt noch ein­mal?‘ Ich ha­be ei­ni­ge Mo­na­te ge­braucht, um nach der letz­ten Tour und dem gan­zen Tru­bel wie­der zu mir zu kom­men. Be­son­ders wich­tig in die­ser Pha­se wa­ren mei­ne El­tern und mei­ne Ge­schwis­ter, wir sind rich­tig zu­sam­men­ge­rückt.“

Es ging ja auch al­les wahn­sin­nig schnell. Vom Nach­wuchs­ta­lent, das in Bars sang und ver­geb­lich von ei­nem Plat­ten­ver­trag träum­te, über Gast­sän­ger­en­ga­ge­ments bei Dis­clo­sure („Latch“) und Naugh­ty Boy („La La La“) zum hei­ßes­ten neu­en Ta­lent der bri­ti­schen Mu­sik­sze­ne, und das in we­ni­gen Mo­na­ten. Als An­fang 2014 sein De­büt­al­bum „In the Lo­nely Hour“er­schien, wur­de es so­fort zum Er­folg. Ganz be­son­ders die Sing­le „Stay with Me“, ei­ne trau­ri­ge Hym­ne auf die un­er­wi­der­te Lie­be, mau­ser­te sich zum Welt­hit.

Sam Smith ge­wann für sei­ne Mu­sik im Jahr dar­auf vier Gram­mys und zahl­lo­se wei­te­re Aus­zeich­nun­gen, En­de 2015 sang er „The Wri­ting’s on the Wall“, den Ja­mes-Bond-Song für den Film „Spect­re“, für den er zu­sam­men mit sei­nem Pro­du­zen­ten und Schreib­part­ner Jim­my Na­pes so­gar den Os­car er­hielt.

„Ver­lieb­te ich mich wie­der ein­mal.“Sam steht auf Män­ner, das ist kein Ge­heim­nis. Und er hat in der Lie­be ein eher un­glück­li­ches Händ­chen. „Ich kann die­sem Mann nichts Bö­ses hin­ter­her­wer­fen, aber er woll­te nach un­ge­fähr sechs Mo­na­ten halt nicht mehr mit mir zu­sam­men sein. Die­se Zeit war für mich nicht sehr ge­sund. Ich trank zu viel Al­ko­hol und kam aus dem Par­ty­ma­chen kaum noch her­aus.“

An­de­rer­seits: Der Lie­bes­kum­mer gab ihm In­spi­ra­ti­on für neue Songs. „Too Good at Good­byes“, die Sing­le, ist ei­ne Art Chro­nik der Tren­nung. „Ich schrieb den Song, we­ni­ge Wo­chen be­vor Schluss war. Ich woll­te mich da­mit wapp­nen ge­gen das En­de, mir ein di­ckes Fell zu­le­gen. Hat nicht ge­klappt.“

und trau­rig ist dem Sin­ger-Song­wri­ter „Burning“ge­ra­ten, ei­ne scho­nungs­lo­se Selbst­ab­rech­nung und der „per­sön­lichs­te Song, den ich in mei­nem gan­zen Le­ben bis jetzt ge­schrie­ben ha­be“. Wo­rum geht es? „Ich moch­te mich zeit­wei­se nicht mehr lei­den und pass­te nicht mehr gut auf mich auf. Ich fing re­gel­recht an zu bren­nen, aber auf ei­ne un­ge­sun­de Wei­se.“Dick­lich sei er auch noch ge­wor­den, zu viel Kä­se, aber es ge­lang ihm, 20 Ki­lo ab­zu­spe­cken, „in­dem ich et­was we­ni­ger und da­für bes­se­ren Kä­se aß“.

Die Fra­ge, ob ein sub­op­ti­ma­les Lie­bes­le­ben ein an­ge­mes­se­ner Preis da­für ist, groß­ar­ti­ge Songs zu schrei­ben, sie stel­le sich Sam Smith nicht. „Ich ha­be wohl kei­ne an­de­re Wahl. Die­se Kar­ten hat mir das Le­ben zu­ge­spielt.“Den Glau­ben an „ei­ne ewi­ge Lie­be so wie im Film“ha­be er aber noch im­mer.

Sän­ger Sam Smith (25) ge­steht:

UNI­VER­SAL

„Ich trank nach der Tren­nung zu viel Al­ko­hol und kam aus dem Par­ty­ma­chen kaum noch her­aus“

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