Ab­gas­tests wur­den auch an Men­schen durch­ge­führt.

Die deut­sche Au­to­lob­by soll Stick­stoff­di­oxi­dTests auch an Men­schen durch­ge­führt ha­ben. Kon­nex mit dem Ab­gas­skan­dal wird ver­neint.

Kleine Zeitung Kaernten - - Vorderseite - Sei­te 10/11

Rund zwei­ein­halb Jah­re nach Be­ginn des Ab­gas­skan­dals kom­men im­mer neue De­tails ans Licht: Erst vor Kur­zem hat­ten Tier­ver­su­che brei­te Em­pö­rung aus­ge­löst. Um zu zei­gen, wie un­schäd­lich „sau­be­re“Die­sel an­geb­lich sind, wur­den Af­fen ge­zielt Schad­stof­fen aus­ge­setzt. VW und Daim­ler ent­schul­dig­ten sich am Wo­che­n­en­de für die in den USA durch­ge­führ­ten Ver­su­che. VW gab zu, „dass die da­mals ge­wähl­te wis­sen­schaft­li- che Me­tho­dik falsch war“. Der Kon­zern dis­tan­zie­re sich von al­len For­men der Tier­quä­le­rei.

Nun wur­de al­ler­dings be­kannt, dass die von den Kon­zer­nen VW, Daim­ler und BMW ge­grün­de­te „Eu­ro­päi­sche For­schungs­ver­ei­ni­gung für Um­welt und Ge­sund­heit im Trans­port­sek­tor“ei­ne „Kurz­zeit-In­ha­la­ti­ons­stu­die mit Stick­stoff­di­oxid bei ge­sun­den Men­schen ge­för­dert“ha­ben soll. Da­bei sei­en am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Aa­chen 25 Per­so­nen un­ter­sucht

wor­den, nach­dem sie das Gas über meh­re­re St­un­den in un­ter­schied­li­chen Kon­zen­tra­tio­nen ein­ge­at­met hät­ten.

Dass die an­geb­li­chen Ver­su­che mit Men­schen et­was mit dem Ab­gas­skan­dal zu tun ge­habt hät­ten, ver­neint der zu­stän­di­ge In­sti­tuts­lei­ter Tho­mas Kraus. Die Stu­die von 2013 ha­be lan­ge vor dem Die­selskan­dal ge­star­tet. Die Schad­stoff­kon­zen­tra­ti­on bei den Tests sei ver­gleich­bar mit der in der Um­welt ge­we­sen, ge­sund­heit­li­che Ef­fek­te ha­be es nicht ge­ge­ben. Die Em­pö­rung ist den­noch groß: Als „ab­surd und un­ent­schuld­bar“be­zeich­ne­te Wirt­schafts­mi­nis­ter von Nie­der­sach­sen und VW-Auf­sichts­rat Bernd Al­t­hus­mann die Tests. Er for­dert voll­stän­di­ge Auf­klä­rung und „har­te per­so­nel­le Kon­se­quen­zen“. Die Au­to­kon­zer­ne hät­ten „Grenz­wer­te ein­zu­hal­ten und nicht mit­hil­fe von Af­fen oder Men­schen die ver­meint­li­che Un­schäd­lich­keit von Ab­ga­sen zu be­wei­sen“, sag­te Re­gie­rungs­spre­cher Stef­fen Sei­bert ges­tern in Ber­lin.

Auch aus wis­sen­schaft­li­cher Sicht sei­en der­ar­ti­ge Tests kei­ne „wis­sen­schaft­li­che Not­wen­dig­keit“: Laut Ge­ne­ral­se­kre­tär der Ös­ter­rei­chi­schen Pneu­mo­lo­gi­schen Ge­sell­schaft, Bernd Lam­precht, sind die Aus­wir­kun­gen von Stick­oxi­den hin­rei­chend be­kannt. Pro­ble­ma­tisch sei­en laut Lam­precht vor al­lem Lang­zei­tef­fek­te, wie auch beim Rau­chen. Die­ses sei ein weit­aus grö­ße­res Pro­blem: Wäh­rend pro Jahr in Ös­ter­reich über 10.000 Men­schen an den Fol­gen des Rau­chens ster­ben, sei­en es 150 bis 200 durch Die­sel­par­ti­kel. Un­ter­su­chun­gen mit Men­schen sei­en auch nicht un­ge­wöhn­lich: In ei­ner in „The Lan­cet“ver­öf­fent­lich­ten Stu­die ließ man Pro­ban­den in Lon­don an stark be­fah­re­nen Stra­ßen spa­zie­ren. „We­ni­ge St­un­den reich­ten aus, um ne­ga­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf Herz-Kreis­lauf­Sys­tem so­wie Lun­ge nach­zu­wei­sen.“

Stick­stoff­di­oxid ist je­ner Schad­stoff, des­sen Mess­wer­te jah­re­lang ma­ni­pu­liert wur­den, um ge­setz­li­che Grenz­wer­te „ein­zu­hal­ten“

APA

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