Der Be­such von Un­garns Pre­mier Vik­tor Or­ban bei Kanz­ler Se­bas­ti­an Kurz ver­lief nicht frei von Dis­so­nan­zen.

So har­mo­nisch fiel der Be­such von Vik­tor Or­bán in Wi­en doch nicht aus. Bei der Mi­gra­ti­on zieht man am sel­ben Strang, bei der Atom­kraft und der Fa­mi­li­en­bei­hil­fe ent­schei­den die Ge­rich­te. Or­bán traf ne­ben Kurz auch Schön­born, Stra­che, Ho­fer und Gu­de­nus.

Kleine Zeitung Kaernten - - Vorderseite - Von Micha­el Jungwirth

Wahl­kampf ist in Un­garn, und so stand der zwei­tä­gi­ge Trip von Vik­tor Or­bán nach Wi­en ganz im Zei­chen ei­ner kunst­vol­len me­dia­len Ins­ze­nie­rung – mit schö­nen Bil­dern und knapp ver­pack­ten Bot­schaf­ten. Die Rei­se nach Ös­ter­reich trat der Pre­mier im Zug an, Face­book zeigt ein Vi­deo, wie er dem Schaff­ner sein Zug­ti­cket reicht. In Wi­en schau­te Or­bán beim Würs­tel­stand hin­ter der Staats­oper vor­bei, nach dem Mit­tag­es­sen beim Kanz­ler stan­den Ter­mi­ne beim Kar­di­nal so­wie bei Vi­ze­kanz­ler Heinz-Chris­ti­an Stra­che auf der Agen­da. Sol­che Fo­to­ter­mi­ne pas­sen ide­al in Or­báns Kon­zept, der auch ges­tern nicht mü­de wur­de, für ei­ne „christ­li­che Kul­tur“die Trom­mel zu rüh­ren und die „Völ­ker­wan­de­rung als größ­te Be­dro­hung“des al­ten Kon­ti­nents zu gei­ßeln.

Or­báns Ter­min beim Kanz­ler führ­te zu ei­nem sel­te­nen Auf­marsch am Ball­haus­platz: Ne­ben Atom­kraft­geg­nern mar­schier­ten ein paar EU-Fans mit gro­ßen Eu­ro­pa­fah­nen auf. Ei­ne Pro-EU-De­mo in Wi­en, das gab es zu­letzt 1994 vor dem Bei­tritt. Spä­ter ge­sell­ten sich auch die Ne­os mit Mat­thi­as Strolz zu den De­mons­tran­ten da­zu.

Bun­des­kanz­ler Se­bas­ti­an Kurz ver­such­te ges­tern, den Ein­druck zu er­we­cken, dass es sich um den Rou­ti­ne­be­such ei­nes be­freun­de­ten Re­gie­rungs­chefs aus ei­nem Nach­bar­land hand­le – nicht mehr und nicht we­ni­ger. Der ro­te Tep­pich blieb im De­pot. Kurz stell­te die Or­bán-Vi­si­te in ei­ne Rei­he an­de­rer bi­la­te­ra­ler Be­geg­nun­gen (Ma-

cron, Mer­kel, Pre­mier der Nie­der­lan­de Mark Rut­te). Seit Amts­be­ginn ver­wahrt sich Kurz bei je­der sich bie­ten­den Ge­le­gen­heit ge­gen den Vor­wurf, er bast­le an ei­ner Ach­se mit Or­bán, ei­ner Al­li­anz mit den Ost­eu­ro­pä­ern, die mit der EU we­nig am Hut ha­ben. „Wir wol­len ei­ne Brü­cken­funk­ti­on zwi­schen Ost und West ein­neh­men“, so Kurz. In den Cou­loirs war zu ver­neh­men, Or­bán sei sau­er auf Kurz, weil die­ser erst nach den un­ga­ri­schen Wah­len nach Bu­da­pest rei­sen wer­de, sich al­so nicht von Or­bán im Wahl­kampf ver­ein­nah­men las­sen wol­le.

In den Ge­sprä­chen hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren nahm die Mi­gra­ti­on brei­ten Raum ein, bei der For­de­rung nach ei­nem Aus­bau des EU-Au­ßen­grenz­schut­zes und der Ab­leh­nung von EU-Quo­ten zieht man am sel­ben Strang. Dif­fe­ren­zen ka­men eben­so zur Spra­che, ne­ben dem Streit um das Atom­kraft­werk Paks ent­zweit die In­de­xie­rung der Fa­mi­li­en­bei­hil­fe bei­de Sei­ten. Wäh­rend Kurz be­ton­te, dass die­se „mehr Ge­rech­tig­keit schafft“, or­te­te Or­bán dar­in ei­ne „Dis­kri­mi­nie­rung.“Der Pre­mier er­in­ner­te dar­an, dass die EU-Kom­mis­si­on als Hü­te­rin der Ver­trä­ge Ös­ter­reich we­gen der Sen­kung der Fa­mi­li­en­bei­hil­fe „bald kla­gen“wer­de.

Über­ra­schend deut­lich er­teil­te der un­ga­ri­sche Re­gie­rungs­chef der ge­le­gent­lich von der FPÖ ven­ti­lier­ten Idee ei­nes Bei­tritts Ös­ter­reichs zum Klub der Vi­se­grád-Län­der (Un­garn, Tsche­chi­en, Slo­wa­kei, Po­len) ei­ne Ab­fuhr. „Wir, die Re­gie­rungs­chefs der vier Län­der, wol­len Vi­se­grád nicht er­wei­tern. Wir kön­nen uns aber ei­ne Ko­ope­ra­ti­on mit Ös­ter­reich, ein Vi­se­grád plus, vor­stel­len.“Zu sei­ner um­strit­te­nen For­mu­lie­rung über die „il­li­be­ra­le De­mo­kra­tie“ge­fragt, mein­te er: „So­bald die Li­be­ra­len nicht in der Re­gie­rung sind, den­ken sie, die De­mo­kra­tie sei vor­bei.“Er selbst hal­te „die De­mo­kra­tie oh­ne At­tri­but für die bes­te De­mo­kra­tie“.

Bei Mi­gra­ti­on ei­ner Mei­nung, Zwist um Atom­kraft und Fa­mi­li­en­bei­hil­fe:

Or­bán und Kurz

Wi­en-Be­such als Ins­ze­nie­rung: Or­bán am Würs­tel­stand hin­ter der Oper

FACE­BOOK APA

Or­bán trifft die Spit­zen der FPÖ: Gu­de­nus, Ho­fer, Stra­che

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