Jazz und Jo­deln.

Mu­si­ker Hu­bert Wald­ner (65) er­hält das Ös­ter­rei­chi­sche Eh­ren­kreuz für Wis­sen­schaft und Kunst.

Kleine Zeitung Kaernten - - Blick In Den Tag - Von Ka­rin Wald­ner-Pe­tut­sch­nig

Mu­si­ker Hu­bert Wald­ner er­hält das Ös­ter­rei­chi­sche Eh­ren­kreuz für Wis­sen­schaft und Kunst.

Be­gon­nen hat al­les mit den Maipfei­ferln, die sich der Gail­ta­ler Berg­bau­ern­bub aus den Ha­sel­nuss­ru­ten schnitz­te. Jetzt, rund 60 Jah­re spä­ter, er­hält Hu­bert Wald­ner am 22. Ok­to­ber das Ös­ter­rei­chi­sche Eh­ren­kreuz für Wis­sen­schaft und Kunst für ein Le­ben, das der Mu­sik und der Päd­ago­gik ge­wid­met ist (Lau­da­tio: Bo­ris Bu­kow­ski). Und da­zwi­schen? „Das Ohr hat mich im­mer ge­lei­tet“, er­zählt der ju­gend­li­che Neo-Pen­sio­nist von sei­nem Weg aus St. Da­ni­el im Gail­tal über Graz, die USA nach Wi­en und wie­der re­tour.

Dem Maipfei­ferl folg­te ein Ak­kor­de­on, für das er als Volks­schü­ler kurz Un­ter­richt be­kam. Der win­ter­li­che Weg ins Tal mit dem schwe­ren Kof­fer war für das Kind aber bald zu müh­sam und es blieb bei ein paar St­un­den mit dem Mu­sik­leh­rer. Doch die Be­geis­te­rung war ge­weckt, und spä­tes­tens im Gym­na­si­um in Her­ma­gor wur­de „Hub­si“klar: Er will Stu­dio­mu­si­ker in Lon­don wer­den. „Dort trifft man al­le, von den Beat­les bis zu den Sto­nes“, er­in­nert er sich heu­te schmun­zelnd an sei­ne Träu­me von da­mals.

No­ten le­sen konn­te er zwar nicht, den­noch ver­lieb­te er sich in die Qu­er­flö­te in ei­nem Vil­la­cher Schau­fens­ter und be­gann im Selbst­stu­di­um das In­stru­ment zu spie­len. Sein „Lehr­meis­ter“war Ian An­der­son, der le­gen­dä­re Flö­tist der Rock­band „Je­thro Tull“– auf ei­nem Pos­ter in sei­nem Zim­mer. Mit die­ser Vor­be­rei­tung trat er selbst­be­wusst nach Ma­tu­ra und Mi­li­tär­dienst zur Auf­nahms­prü­fung am Kon­ser­va­to­ri­um in Wi­en an. „Ich hat­te die Flö­te wie ei­ne Gei­ge ein­ge­klemmt, streck­te den klei­nen Fin­ger weg, ver­such­te, die Hal­tung Ian An­der­sons nach­zu­ah­men.“

Prompt fiel er durch. Prü­fer Erich Klein­schus­ter hat­te da­mals we­nig Ver­ständ­nis für den Au­to­di­dak­ten. Ein paar Jah­re spä­ter soll­te er dem Bur­schen aus dem Gail­tal wie­der be­geg-

nen, dies­mal an der Jazz-Ab­tei­lung der Mu­sik­hoch­schu­le in Graz, wo­hin es Wald­ner in meh­re­ren An­läu­fen schließ­lich ge­schafft hat­te. Ab da ging es Schlag auf Schlag.

Auf das Di­plom in Graz folg­te ein Jahr auf der Uni von Nor­t­hTe­xas, wo er sei­nen „Mas­ter of mu­sic edu­ca­ti­on“mach­te. Die Jazz-Trom­pe­ter Diz­zy Gil­le­spie und Do­nald Byrd lern­te er dort per­sön­lich ken­nen. Sein da­ma­li­ger Stu­di­en­kol­le­ge Tim Ries spielt heu­te bei den Rol­ling Sto­nes – und auch der Gail­ta­ler hat sei­nen Traum, ein­mal mit den bri­ti­schen Alt-Ro­ckern auf der Büh­ne zu ste­hen, noch nicht ganz auf­ge­ge­ben. Zu­rück in Wi­en fand er schnell ei­ne An­stel­lung als Mu­sik­leh­rer an ei­nem Gym­na­si­um, ein Lehr­auf­trag für Po­pu­lar­mu­sik an der Mu­siku­ni kam da­zu. Doch „Mu­si­ker“klingt für Hu­bert Wald­ner als Be­rufs­stand „zu aka­de­misch. Ich bin ein Mu­si­kant!“

Der Kärntner, der mit US-Stars und Grö­ßen des Aus­tro­pop wie Wolf­gang Am­bros, Ge­org Dan­zer, Jazz Git­ti und Chris­ti­ne Stür­mer, Opus und STS ge­spielt hat, fühlt sich nicht als rei­ner Jaz­zer oder Pop­mu­si­ker. „Auch Volks­mu­sik fas­zi­niert mich!“Und so hat der in drit­ter Ehe mit De­lia ver­hei­ra­te­te Va­ter von zwei er­wach­se­nen Kin­dern und der drei­jäh­ri­gen May­leen, zu­rück in sei­ner al­ten Hei­mat, ei­nen Pop­mu­sik-Work­shop für Lai­en aus­ge­schrie­ben. Da prob­ten der Po­li­zist, der Zieh­har­mo­ni­ka spielt, und die Haus­frau, die ih­re al­te Trom­pe­te vom Dach­bo­den hol­te, der Me­tall­ver­ar­bei­ter, der sich via In­ter­net ein Schlag­zeug be­sorgt hat­te, und der Mu­sik­päd­ago­ge, der aus der gro­ßen wei­ten Welt zu­rück­ge­kehrt ist – al­les, von afri­ka­ni­schen Songs über deut­sche Schla­ger bis zu Rap. Im Land der Chö­re und Blas­mu­sik will Wald­ner „zei­gen, dass es auch et­was an­de­res gibt“. Mot­to: „Leu­te, schaut’s über die Ber­ge!“Und da­mit sind nicht nur die Kar­ni­schen Al­pen ge­meint.

Stu­dier­te Sa­xo­fon, Qu­er­flö­te, Jaz­zAr­ran­ge­ment und Kom­po­si­ti­on in Graz: der Gail­ta­ler Mu­si­ker und Päd­ago­ge Hu­bert Wald­ner

PRIVAT (3)

Von links: Wald­ner mit Chris­ti­an Ko­lo­no­vits, An­dy Stei­rer, Ge­org Dan­zer; der drei­fa­che Va­ter mit Frau De­lia und Toch­ter May­leen; mit dem US-Jaz­zTrom­pe­ter Do­nald Byrd 1981

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