Für Eu­ro­pa“

Kleine Zeitung Steiermark - - POLITIK - I NTERVIEW: NI­NA KO­REN

FLE­MING: Das UNHCR warnt seit Jah­ren vor die­ser Si­tua­ti­on. Im­mer wie­der ha­ben wir dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Zufluchts­staa­ten im Na­hen Os­ten bald nicht mehr in der La­ge sein wür­den, noch mehr Men­schen auf­zu­neh­men. 86 Pro­zent der Flücht­lin­ge welt­weit sind in Ent­wick­lungs­län­dern ge­blie­ben und nicht in rei­che­re Län­der ge­kom­men. So blieb das stets ein Pro­blem der an­de­ren. Wir ha­ben lan­ge um Hil­fe ge­ru­fen, aber die­sen Ruf woll­te kei­ner hö­ren. Und wir hät­ten uns ge­wünscht, dass die­se Hil­fe auf ge­ord­ne­te und ge­plan­te Wei­se er­folgt, et­wa über Re­set­t­le­ment-Pro­gram­me, bei de­nen be­reits von der UNO als Kriegs­flücht­lin­ge an­er­kann­te Sy­rer auf­ge­nom­men wer­den, oder über fle­xi­ble Lö­sun­gen wie et­wa die Ver­ga­be von Stu­den­ten­vi­sa. Dann wä­ren die Flücht­lin­ge nicht ge­zwun­gen, die ge­fähr­li­che Rei­se übers Meer und mit den Schlep­per­wa­gen auf sich zu neh­men. Wir ha­ben der­zeit ei­ne Si­tua­ti­on, in der die al­ten Kon­flik­te nicht ge­löst wer­den und zu­gleich be­reits neue aus­bre­chen. Des­halb wird lei­der auch die Zahl der Flüch­ten­den wei­ter an­stei­gen.

Im­mer wie­der wird die Schaf­fung ei­ner Si­cher­heits­zo­ne in Sy­ri­en vor­ge­schla­gen. FLE­MING: In der Ver­gan­gen­heit hat sich ge­zeigt, dass es die­se Si­cher­heit in den Zo­nen nicht wirk­lich gab – man den­ke an das furcht­ba­re Bei­spiel Sre­bre­ni­ca. Der Kon­flikt in Sy­ri­en wird ex­trem bru­tal aus­ge­tra­gen. Die Front­li­nie, die Kon­flikt­grup­pen än­dern sich rasch und häu­fig. Es fällt schwer, sich vor­zu­stel­len, wie man un­ter die­sen Be­din­gun­gen ei­ne ge­si­cher­te Zo­ne schaf­fen will.

Wie kann die Si­tua­ti­on ge­löst wer­den? FLE­MING: Um das Pro­blem an der Wur­zel zu lö­sen, müss­ten sich je­ne Län­der, die den Ein­fluss und die Macht da­zu ha­ben, end­lich ent­schei­den und sa­gen: Lasst uns über un­se­ren Schat­ten sprin­gen, un­se­re Kon­flik­te bei­le­gen, al­le Kräf­te bün­deln und ei­ne Lö­sung für die­sen Krieg in Sy­ri­en fin­den. Wenn sich die Welt­mäch­te da­zu nicht auf­raf­fen kön­nen, ist das Min­des­te, was sie zu tun ha­ben, den Op­fern die­ses Krie­ges zur Sei­te zu ste­hen. Zu­min­dest für Eu­ro­pa, so scheint mir, ist die jet­zi­ge Kri­se zu ei­nem Weck­ruf ge­wor­den.

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