Do­ber­nig tauch­te nicht auf

Der als Zeu­ge in den U-Aus­schuss ge­la­de­ne Ex-Fi­nanz­re­fe­rent Kärn­tens blieb zu Hau­se. Nun dro­hen ihm Stra­fe und Zwangs­vor­la­dung.

Kleine Zeitung Steiermark - - | POLITIK - KLAUS KNITTELFELDER

WI­EN. Um Punkt zehn Uhr vor­mit­tags hät­te der Hy­po-Un­ter­su­chungs­aus­schuss nach der fünf­wö­chi­gen Som­mer­pau­se wie­der los­ge­hen sol­len. Nach und nach tru­del­ten die Ab­ge­ord­ne­ten ein, der Ver­fah­rens­rich­ter nahm im Aus­schuss­lo­kal Platz und auf dem Par­la­ments­gang bil­de­te sich die üb­li­che Jour­na­lis­ten­trau­be. Nur ei­ner fehl­te: Harald Do­ber­nig, ehe­ma­li­ger Kärnt­ner Fi­nanz­re­fe­rent. Der eins­ti­ge Po­li­ti­ker in Di­ens­ten von FPÖ, BZÖ und FPK wur­de als Zeu­ge ge­la­den, weil er „wohl ei­ni­ges über il­le­ga­le Par­tei­en­fi­nan­zie­rung er­zäh­len könn­te“, wie Rai­ner Ha­ble (Ne­os) sag­te.

Doch Do­ber­nig zog es vor, zu Hau­se zu blei­ben. Sei­ne schrift­lich am Vor­abend ab­ge­schick­te Be­grün­dung: Erst wol­le er ge­klärt ha­ben, ob er sei­nen An­walt Franz Groß­mann denn wirk­lich nicht mit­neh­men dür­fe. Die­ser wur­de näm­lich bei Do­ber­nigs ers­ter La­dung im Ju­li aus Be­fan­gen­heits­grün­den vom U-Aus­schuss ab­ge­lehnt, weil er be­reits meh­re­re Hy­po-Leu­te – un­ter an­de­rem Ex-Hy­po-Chef Wolf­gang Kul­te­rer – vor Ge­richt ver­tre­ten hat­te. Do­ber­nig nahm da­mals oh­ne sei­ne Ver­trau­ens­per­son vor dem Aus­schuss Platz und muss­te dann ge­mäß der Ge­schäfts­ord­nung nicht aus­sa­gen.

Mit ein Grund für die Ab­leh­nung des An­walts soll die schlech­te Ver­fas­sung des 35-jäh­ri­gen Ex-Po­li­ti­kers, ge­gen den auch straf­recht­lich we­gen Be- trugs er­mit­telt wird, ge­we­sen sein. Do­ber­nigs Ver­such, den Ver­fas­sungs­ge­richts­hof über die An­we­sen­heit sei­ner Ver­trau­ens­per­son ent­schei­den zu las­sen, wur­de vom Vor­sit­zen­den Kar­lheinz Kopf (ÖVP), der Na­tio­nal­rats­prä­si­den­tin Do­ris Bu­res (SPÖ) ver­trat, als „nicht zu­läs­sig“be­zeich­net. FPÖ-Fra­ge­stel­ler El­mar Pod­gor­schek sei „mensch­lich ent­täuscht“vom Ver­hal­ten sei­nes Ex-Par­tei­kol­le- gen und Wer­ner Kog­ler (Grü­ne) un­ter­stell­te Do­ber­nig „fa­den­schei­ni­ge Aus­re­den“. Um nun zu ver­hin­dern, dass sich we­ni­ger aus­kunfts­freu­di­ge Zeu­gen auf die­se Art und Wei­se mo­na­te­lang drü­cken und „dem Aus­schuss auf der Na­se her­um­tan­zen“, wie es Ga­b­rie­le Ta­mandl (ÖVP) nann­te, wur­de am eins­ti­gen Hai­der-In­ti­mus ein Ex­em­pel sta­tu­iert: Die Ab­ge­ord­ne­ten stell­ten ei­nen An­trag auf ei­ne bis zu 5000 Eu­ro ho­he Beu­ge­stra­fe und lu­den ihn er­neut in den Zeu­gen­stand – soll­te er auch dann nicht auf­tau­chen, dürf­te er wohl via Zwangs­vor­la­dung von der Po­li­zei ins Lo­kal VI des Par­la­ments ge­bracht wer­den.

Ganz oh­ne Ver­trau­ens­per­son nahm in­des der letzt­lich ein­zi­ge Zeu­ge des Ta­ges, Ex-Hy­po-Auf­sichts­rats­chef Klaus Buss­feld, im Aus­schuss Platz. Wirk­lich er­gie­big war die Be­fra­gung des zwi­schen 2004 und 2005 am­tie­ren­den Auf­sichts­rats­chefs al­ler­dings nicht. Al­lein, der Deut­sche ge­währ­te wie schon ei­ni­ge Zeu­gen vor ihm ei­nen Ein­blick in das ver­ant­wor­tungs­lo­se Trei­ben in der Skan­dal­bank: Bei der Ost­ex­pan­si­on ha­be es „kei­ner­lei Stra­te­gie“ge­ge­ben, man dach­te im­mer nur „von Tag zu Tag“. Au­ßer­dem sei­en ihm die so­ge­nann­ten Swap-Spe­ku­la­ti­ons­ver­lus­te in der Hö­he von 300 Mil­lio­nen Eu­ro zwei Jah­re lang ver­heim­licht wor­den. Da­von er­fah­ren ha­be er 2006 – „aus der Zei­tung“.

Ge­la­den, aber nicht er­schie­nen: Ex-Lan­des­rat Harald Do­ber­nig

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