Der „Blan­co­schein“der Un­ter­hal­tung

Selbst „Ne­ger“-Sa­ger ir­ri­tie­ren Schla­ger­ur­ge­stein Ro­ber­to Blan­co mä­ßig.

Kleine Zeitung Steiermark - - TRIBÜNE - THO­MAS GOL­SER

In ei­ner Ära, in der sich im Fern­se­hen halb ga­re „Co­me­di­ans“mit Ablauf­da­tum die Klin­ke in die Hand ge­ben, wirkt er wie aus der Zeit ge­fal­len: Ro­ber­to Blan­co, of­fen­bar auf ewig Rüs­tig­ge­blie­be­ner in ei­ner nicht mehr tau­fri­schen Schein­welt na­mens Schla­ger, steht im 79. Le­bens­jahr. Knapp 60 stell­te er in den Di­enst der Un­ter­hal­tung. „Ein biss­chen Spaß muss sein“, der Ti­tel, mit dem er ab 1972 wohl je­de zwei­te Mehr­zweck­hal­le und al­le TV-Shows im Land be­schallt hat, wur­de zum Le­bens­ent­wurf des 1937 in Tu­nis Ge­bo­re­nen – er selbst An­ti­the­se zur Spaß­brem­se.

Lus­tig war es nicht im­mer: Als er zwei Jah­re jung war, starb sei­ne Mut­ter, 1956 kam der Mann mit afro­ku­ba­ni­schen Wur­zeln nach Deutsch­land und sang sich be­harr­lich in des Vol­kes Ohr. Ob man ihn nun moch­te oder seicht und al­bern fand: Blan­co war ge­kom­men, um zu blei­ben, und hal­ten.“Schei­den ließ er sich hin­ge­gen nach 40 Ehe­jah­ren von sei­ner Frau Mi­reil­le. Spä­ter ehe­lich­te der zwei­fa­che Va­ter ei­ne um 40 Jah­re Jün­ge­re. Wüs­ten Un­ter­halts­streit („Ihm blei­ben 1900 Eu­ro und 50 Cent“, so die ak­tu­el­le Gat­tin) kon­ter­te er mit Wer­bung für ei­nen Au­to­ver­mie­ter: „Ein biss­chen Spar’n muss sein . . .“

So halt­bar der Mann mit dem Fai­b­le für sehr bun­te Sak­kos wirkt, so we­nig ge­schichts­träch­tig scheint sei­ne Fil­mo­gra­fie: Ge­gen „Au­ßer Rand und Band am Wolf­gang­see“, „Die blu­ti­gen Geier von Alas­ka“oder „Sunshi­ne Bar­ry und die Dis­co­wür­mer“nimmt sich selbst die „Su­perna­sen“-Sa­ga von Kol­le­gen Tho­mas Gott­schalk und Mi­ke Krü­ger bei­na­he wie Art­haus-Ki­no aus. „Die schwie­rigs­te Turn­übung ist noch im­mer, sich selbst auf den Arm zu neh­men“, wuss­te schon der deut­sche Ka­ba­ret­tist Wer­ner Finck.

Von Be­ruf aus heiter: Ro­ber­to Blan­co bringt nur we­nig aus der Ru­he

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