„Dorf­kai­ser“im Wett­be­werb

Vie­le Leit­be­trie­be be­fin­den sich auf dem fla­chen Land ab­seits der zen­tra­len Struk­tu­ren. Die Pe­ri­phe­rie bie­tet ih­nen nicht nur Nach­tei­le, er­for­dert aber spe­zi­el­le Über­le­bens­stra­te­gi­en.

Kleine Zeitung Steiermark - - WIRTSCHAFT - ERNST SIT­TIN­GER

Ver­kehrs­an­bin­dung, Ar­beits­kräf­te, In­ter­net: Die Stand­ort­fak­to­ren spre­chen fast im­mer da­für, ein Un­ter­neh­men im städ­ti­schen Raum oder im „Speck­gür­tel“an­zu­sie­deln. Doch es gibt nicht we­ni­ge Leit­be­trie­be, die der Ver­lo­ckung des Zen­trums wi­der­ste­hen und sich in der Pe­ri­phe­rie be­haup­ten.

War­um das so ist und wie das geht, wur­de bei den Alp­ba­cher Wirt­schafts­ge­sprä­chen dis­ku­tiert. Te­nor: Um der Aus­dün­nung der Re­gio­nen ent­ge­gen­zu­wir­ken, müs­sen zum Un­ter­neh­mer­geist noch vie­le Kräf­te da­zu­kom­men – von der Bil­dungs­po­li­tik über den Breit­band-Aus­bau bis zur Re­gio­nal­för­de­rung. Nicht hin­ter je­dem Land-Un­ter­neh­men steckt frei­lich ei­ne be­wuss­te Stand­ort­ent­schei­dung. Manch­mal sind es nur die ge­wach­se­ne Tra­di­ti­on und der Mut, die­se Tra­di­ti­on mit krea­ti­ven Ide­en fort­zu­set­zen. So wie bei Li­sa Dyk, die im nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Raabs an der Tha­ya in fünf­ter Ge­ne­ra­ti­on ei­nen Bio-Müh­len­be­trieb mit 15 Be­schäf­tig­ten führt. „Als Müh­le wä­ren wir viel zu klein, um zu über­le­ben“, sagt Dyk.

Qu­ell­mehl und Lu­xus­jacht

Al­so bau­te Li­sa Dyk zwei wei­te­re Stand­bei­ne auf: Ei­ner­seits wird ein spe­zi­el­les Qu­ell­mehl für Back­mi­schun­gen er­zeugt, an­de­rer­seits stellt man Con­tai­nerMüh­len her. Bei bei­den Pro­duk­ten ist man Tech­no­lo­gie­füh­rer, wo­mit die Rand­la­ge an der tsche­chi­schen Gren­ze kei­ne Rol­le mehr spielt. Das Qu­ell­mehl wird nach Bel­gi­en und in die Tür­kei ge­lie­fert, die Müh­len ge­hen nach Afri­ka.

Nicht gera­de zen­tral liegt auch die Spe­zi­al­tisch­le­rei „F. List Gm­bH“, die im Ort Tho­mas­berg tief in der Buck­li­gen Welt In­nen- A1-Vor­stand Grau­sam: ho­he In­ves­ti­tio­nen ein­rich­tun­gen für 70-Me­terLu­xus­jach­ten und für ka­na­di­sche Bom­bar­dier-Jets her­stellt. Der 2004 er­folg­te Ein­stieg in den Flug­zeug­bau brach­te ra­san­ten Auf­trieb, die Fir­ma wuchs seit­her von 220 auf 650 Mit­ar­bei­ter.

Als 2012 ein zwei­tes Werk er­rich­tet wer­den muss­te, wa­ckel­te plötz­lich der Stand­ort. „Wir ha­ben uns ge­fragt: Be­kom­men wir über­haupt ge­nü­gend Fach­kräf­te?“, er­zählt Ge­schäfts­füh­rer Michael Groiss. An­de­rer­seits: „Flä­chen wa­ren ge­nü­gend vor­han­den. Da war dann schnell klar, dass wir am Stand­ort blei­ben wol­len.“

Ei­nen Um­zug von der Stadt aufs Land hat die Fir­ma Kah­les Gm­bH voll­zo­gen. Seit 1898 pro- du­zier­te sie in Wi­en im 17. Be­zirk Ziel­fern­roh­re – „mit­ten im Wohn­ge­biet mit al­len Be­schrän­kun­gen und Pro­ble­men“, wie Ge­schäfts­füh­rer Ro­bert Art­wohl er­zählt. Als er 2009 die Fir­ma über­nahm, such­te er ei­nen neu­en Stand­ort. Und fand ihn im nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Ge­ras­dorf.

„Die Er­reich­bar­keit war ent­schei­dend“, sagt Art­wohl. Al­ler­dings ha­be man schon auch ge­prüft, nach Ost­eu­ro­pa zu ge­hen. Der Grund, das nicht zu tun, wa­ren letzt­lich die Mit­ar­bei­ter. Denn die zum Swa­rovs­kiKon­zern ge­hö­ren­de Fir­ma lie­fert hoch spe­zia­li­sier­te Wa­re und be­nö­tigt Top-Fach­kräf­te, die es nur hier­zu­lan­de gibt.

Mil­li­ar­den für Breit­band

„Ei­ne Fir­ma kann man heu­te auch vom Berg­bau­ern­hof aus füh­ren“, sagt Agrar­mi­nis­ter Andrä Rupp­rech­ter. Ge­mein­sam mit Wal­ter Ob­lin, Fi­nanz­vor­stand der Post AG, und A1-Tech­nik-Vor­stand Mar­cus Grau­sam fei­er­te er just ges­tern die An­bin­dung von Alp­bach ans Breit­band­netz und ver­sprach zu­dem mil­li­ar­den­schwe­re In­ves­ti­tio­nen in den länd­li­chen Raum.

Rupp­rech­ter: Fir­ma vom Berg­bau­ern­hof aus füh­ren

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