Kos­ten­lo­se Stor­nie­rung war nicht mehr mög­lich

Ge­buch­ter Aus­flug mit ei­ner Drai­si­ne wur­de we­gen der zu er­war­ten­den gro­ßen Hit­ze wie­der ab­ge­sagt; Un­ter­neh­men ver­lang­te Stor­no­ge­bühr.

Kleine Zeitung Steiermark - - | IHR GELD -

Un­se­re Le­ser woll­ten ei­nen Aus­flug mit ei­ner Drai­si­ne ma­chen und ha­ben te­le­fo­nisch ei­ne Tour ge­bucht. Doch dann hat ih­nen der Hit­ze­som­mer ei­nen Strich durch die Rech­nung ge­macht: Die Wet­ter­vor­her­sa­ge kün­dig­te enor­me Tem­pe­ra­tu­ren für den Aus­flugs­tag an. „Da wir ein Klein­kind und zwei Pen­sio­nis­ten mit­ge­nom­men hät­ten, ha­ben wir wie­der ab­ge­sagt“, er­zählt un­se­re Le­se­rin.

Als dann die Kun­den ei­ne Rech­nung über die vol­len Kos­ten er­hiel­ten, woll­ten sie das nicht ak­zep­tie­ren: „Wir ver­ste­hen, dass Ih­nen durch ei­ne Ab­sa­ge zwei Ta­ge vor der Tour Unan­nehm­lich­kei­ten ent­stan­den sind, je­doch ha­ben wir Ih­nen ei­ne schrift­li­che Ab­sa­ge über­mit­telt und da­mit soll­te die Stor­nie­rung gül­tig sein“, schrie­ben sie. Doch ei­ne kos­ten­lo­se Stor­nie­rung war nicht mehr mög­lich.

Ver­trä­ge sind ein­zu­hal­ten

„Pac­ta sunt ser­van­da“!, heißt es da­zu im Ju­ris­ten­la­tein. „Das be­deu­tet, dass Ver­trä­ge, wenn sie ein­mal ge­schlos­sen wur­den, Gül­tig­keit ha­ben und ein­zu­hal­ten sind. Ei­ne Auf­lö­sung ist da­her nur im Ku­lanz­weg mög­lich“, er­klärt da­zu Birgit Au­ner vom Kon­su­men­ten­schutz der Ar­bei­ter­kam­mer. Meist sei dies un­ter Zah­lung ei­ner Stor­no­ge­bühr mög­lich. Die Va­ri­an­te der Ver­trags­auf­lö­sung mit Stor­no­ge­bühr ist auch in den All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen ent­hal­ten, die auf der Home­page des Un­ter- neh­mens ab­ruf­bar sind, hat die Ju­ris­tin her­aus­ge­fun­den. Bis zum zwei­ten Tag vor dem ge­buch­ten Fahrt­an­tritt wä­ren da­her 80, da­nach 100 Pro­zent des Mie­tent­gel­tes zu be­zah­len. „Da die Stor­nie­rung erst am Frei­tag, al­ler­dings au­ßer­halb der – eben­falls auf der Home­page er­sicht­li­chen – Ge­schäfts­zei­ten des Un­ter­neh­mens ein­ge­gan­gen ist, könn­te die Fa­mi­lie le­dig­lich be­wei­sen, dass dem Un­ter­neh­men ein ge­rin­ge­rer Scha­den ent­stan­den ist“, meint Au­ner.

Die Kun­din konn­te ei­ne Ver­rin­ge­rung der Stor­no­kos­ten um 50 Eu­ro er­rei­chen, ist aber den­noch ver­är­gert: „Ich hät­te mir nicht ge­dacht, dass in der Tou­ris­mus­bran­che so we­nig auf Kun­den­be­dürf­nis­se ein­ge­gan­gen wird.“ Rein­hard Je­se­ni­tsch­nig, Ver­si­che­rungs­ex­per­te: Die Haft­pflicht­ver­si­che­rung deckt Scha­de­ner­eig­nis­se, die der Ver­si­che­rungs­neh­mer oder mit­ver­si­cher­te Per­so­nen Drit­ten ge­gen­über ver­ur­sa­chen. Zu den mit­ver­si­cher­ten Per­so­nen zäh­len auch der be­rech­tig­te Len­ker und die mit Wil­len des Hal­ters des Kraft­fahr­zeu­ges be­för­der­ten Per­so­nen. Wenn nun der Len­ker ei­nen Ver­kehrs­un­fall schuld­haft ver­ur­sacht, so sind die ge­setz­li­chen An­sprü­che von Drit­ten im Rah­men der Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rung bis zur Hö­he der ge­wähl­ten Ver­si­che­rungs­sum­me ge­deckt. Die ge­setz­li­che Min­dest­ver­si­che­rungs­sum­me be­trägt der­zeit sie­ben Mil­lio­nen Eu­ro. Drit­te in die­sem Sin­ne sind auch die In­sas­sen des Fahr­zeu­ges. Wenn Fa­mi­li­en mit Asyl­wer­bern Aus­flü­ge un­ter­neh­men, kön­nen sie dies be­ru­higt tun. Kommt es zu ei­nem Un­fall und In­sas­sen wer­den ver­letzt, sind die un­mit­tel­ba­ren An­sprü­che (z. B. Klei­der­schä­den, Schmer­zens­geld) eben­so ge­deckt wie die mit­tel­ba­ren (z. B. Kos­ten des Spi­tal­auf­ent­hal­tes, Arzt­kos­ten usw.).

Gro­ße Hit­ze ist kein Stor­no­grund; Ver­trä­ge müs­sen ein­ge­hal­ten wer­den

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