Eu­ro­pa ringt

Die EU kommt im Flücht­lings­streit nicht wei­ter. Nur ei­ner geht vor­an: Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Je­an-Clau­de Juncker. Er will wei­te­re 120.000 Flücht­lin­ge auf die Mit­glied­staa­ten ver­tei­len.

Kleine Zeitung Steiermark - - | POLITIK - PE­TER RIESBECK, BRÜSSEL

Es war wie­der ei­ner die­ser Ta­ge, an de­nen sich die Welt zu schnell zu dre­hen schien für die Ent­schei­dungs­we­ge der EU. Auf der grie­chi­schen Ägäis­in­sel Kos trat am Frei­tag­mit­tag der Flücht­lings­kom­mis­sar Di­mi­tris Av­ra­mo­pou­los vor die Pres­se, aber vor ihm sprach der Ers­te Vi­ze­prä­si­dent der EU-Kom­mis­si­on, Frans Tim­mer­m­ans. „Eu­ro­pa kann nur ge­mein­sam ei­ne Lö­sung fin­den oder ein­zeln schei­tern“, sag­te Tim­mer­m­ans. Dann kün­dig­te Av­ra­mo­pou­los Hil­fen für die In­sel Kos an. Das ist löb­lich. Aber et­was spät. Seit An­fang Au­gust stran­den auf Kos Flücht­lin­ge, die von der Tür­kei aus über­set­zen. Av­ra­mo­pou­los aber war da­zu in Eu­ro­pa bis­her nicht zu ver­neh­men. Ei­ne pein­li­che Stil­le.

Fast gleich­zei­tig wur­de am Frei­tag im sy­ri­schen Ko­banê der drei­jäh­ri­ge Ay­lan Kur­di bei­ge­setzt. Ne­ben sei­ner Mut­ter und sei­nem Bru­der. Ei­ne stum­me An­kla­ge. In Luxemburg ka­men die EU-Au­ßen­mi­nis­ter zu Be­ra­tun­gen zu­sam­men. Die Flücht­lings­kri­se sei ei­ne weit grö­ße­re Her­aus­for­de­rung für die EU als Grie­chen­lands Schul­den­kri­se. Das The­ma wer­de die Uni­on noch ein Jahr­zehnt be­schäf­ti­gen, sag­te Lu­xem­burgs Au­ßen­mi­nis­ter Je­an As­sel­born. Aber sein deut­scher Amts­kol­le­ge Fran­kWal­ter St­ein­mei­er kam mit sei­nem Wer­ben für ei­ne fes­te Quo­te nicht wei­ter. Eu­ro­pa bleibt in der Fra­ge zu­tiefst ge­spal­ten.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.