Or­bán­legt die un­ge­lös­ten Pro­ble­me Eu­ro­pas bloß

Doch statt zur Lö­sung bei­zu­tra­gen, heizt er sie wei­ter an.

Kleine Zeitung Steiermark - - | TRIBÜNE - N I NA KO R E N

Nach Ca­lais und der In­sel Kos, nach den To­ten im Kühl­wa­gen an der Au­to­bahn und den er­schüt­tern­den Bil­dern des klei­nen Ay­lan am Strand von Bo­drum ist nun auch die un­ga­ri­sche Kle­in­stadt Bics­ke zum Sinn­bild für das Ver­sa­gen der eu­ro­päi­schen Po­li­tik im Um­gang mit der Flücht­lings­kri­se ge­wor­den. Hun­der­te Men­schen steck­ten dort zu­sam­men­ge­pfercht in ei­nem Zug fest, konn­ten nicht wei­ter und nicht zu­rück – bis sich ei­ni­ge selbst be­frei­ten und den Ver­zwei­fel­ten an­schlos­sen, die sich zu Fuß, in Som­mer­schu­hen, mit Ba­bys auf dem Arm, Rich­tung Wes­ten auf­mach­ten.

Es ist leicht, dem un­ga­ri­schen Pre­mier die al­lei­ni­ge Schuld an die­ser Si­tua­ti­on zu ge­ben. Er hat ge­gen Mus­li­me po­le­mi­siert und mit sug­ges­ti­ven Kam­pa­gnen ge­gen Aus­län­der Stim­mung ge­macht. Sei­ne Be­haup­tung, die Kri­se sei ein rein deut­sches Pro­blem, straft ein Blick auf den von Or­bán er­rich­te­ten Grenz­zaun Lü­gen, un­ter dem sich er­schöpf­te Schutz­su­chen­de durch­zwän­gen. Der Zick­zack­kurs ge­gen- über den Flücht­lin­gen, die ein­mal aus­rei­sen dür­fen und dann wie­der nicht, die oh­ne staat­li­che Hil­fe und Sa­ni­tär­an­la­gen auf Bahn­hö­fen aus­har­ren und mit­tels Täu­schungs­ma­nö­ver nach Bics­ke ver­schickt wer­den, ist un­wür­dig. Dass die Flücht­lin­ge nach Deutsch­land wol­len, liegt auch an dem von Or­bán ge­schür­ten feind­se­li­gen Kli­ma und dar­an, dass die Asyl-An­er­ken­nungs­ra­te in Un­garn rund zehn Pro­zent be­trägt.

Den­noch: Mit dem Zaun und den Maß­nah­men in Bics­ke tut Or­bán letzt­lich nun das, was We­st­eu­ro­pa und auch der ös­ter­rei­chi­sche Au­ßen­mi­nis­ter von ihm und von den an­ge­sichts des An­sturms über­for­der­ten Grie­chen ver­lang­ten: Er si­chert die EU-Au­ßen­gren­ze ab, re­gis­triert die Flücht­lin­ge ge­mäß Du­blin-Ab­kom­men und hin­dert sie trotz der in Eu­ro­pa gel­ten­den Per­so­nen­frei­zü­gig­keit an der Wei­ter­rei­se. Ein paar Hun­dert sind es in Bics­ke, ei­ni­ge Tau­send pro In­sel in Grie­chen­land. Wenn es noch ei­nes Be­wei­ses be­durft hät­te, dass Du­blin nicht funk­tio­niert: Or­bán hat ihn er­bracht. Un­garn ist vom Flücht­lings­strom über die Ma­ßen be­trof­fen und wur­de da­mit al­lein­ge­las­sen. Jetzt führt es Eu­ro­pa die Schwä­chen sei­nes Sys­tems vor Au­gen. ie Chan­cen auf ei­ne ge­samt­eu­ro­päi­sche Ei­ni­gung schei­nen in die­sen Ta­gen ge­stie­gen zu sein. Zu­min­dest aus Lon­don und Pa­ris ka­men Si­gna­le, doch mehr Flücht­lin­ge auf­neh­men zu wol­len. Ge­braucht wer­den: ver­ba­le Abrüs­tung, Au­gen­maß, pro­fes­sio­nel­les Ma­nage­ment – und ge­mein­sa­me Lö­sun­gen. Die po­pu­lis­ti­schen Ver­su­che Or­báns je­doch, aus dem Elend der Flücht­lin­ge in­nen­po­li­tisch Ka­pi­tal zu schla­gen, ma­chen für al­le die Sa­che nur schlim­mer.

DSie er­rei­chen die Au­to­rin un­ter

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