„Ich ver­schie­be nichts mehr“

Nach ei­ner Gas­ex­plo­si­on wur­de Ro­bert Zöhrer in künst­li­chen Tief­schlaf ver­setzt und kämpf­te drei Wo­chen ums Über­le­ben. Über sein Zu­rück­fin­den in die Zeit.

Kleine Zeitung Steiermark - - | GESUNDHEIT - CAR­MEN OS­TER

Ich weiß nur noch, dass ich wie wild ge­schrien ha­be, aus dem Bus ge­rannt bin und mir das Lei­berl run­ter­ge­ris­sen ha­be, weil es auch schon in Flam­men stand.“Ro­bert Zöhrer sitzt nach der Er­go­the­ra­pie auf ei­ner schat­ti­gen Bank auf dem Ge­län­de des LKH-Uni­k­li­ni­kums Graz. Un­ter sei­nem Hals be­deckt ein gro­ßes wei­ßes Pflas­ter die Stel­le, über die er bis vor ei­ni­gen Wo­chen auf der In­ten­siv­sta­ti­on noch über Schläu­che künst­lich be­at­met wur­de. Drei Wo­chen, in de­nen sei­ne Ver­wand­ten und Freun­de an sei­nem Bett sit­zen und ihm Mut zu­spre­chen. Wenn Zöhrer heu­te spricht, ist nur noch ein lei­ses Pfei­fen zu hö­ren – „aber es heilt ganz gut“. Sei­ne rech­te Hand ist ge­rö­tet und ver­bun­den, die Haut un­eben. Bei­de Fü­ße ste­cken in Kom­pres­si­ons­strümp­fen. Aber das La­chen, das lässt sich Ro­bert Zöhrer nicht neh­men.

Nicht ein­mal drei Mo­na­te ist es bei die­sem Tref­fen An­fang Au­gust her, dass der 55-Jäh­ri­ge am 12. Mai bei sei­nem Cam­ping-Ur­laub in der Nä­he von Ri­je­ka den Herd mit Brems­rei­ni­ger putz­te. „Es ist mei­ne Schuld. Ich ha­be nicht nach­ge­dacht, was pas­siert, wenn sich die Dämp­fe mit der Gas­flam­me des Herds mi­schen.“Es kommt zu ei­ner Ex­plo­si­on – 45 Pro­zent von Zöh­rers Kör­per­ober­flä­che ver­bren­nen trotz der ra­schen Hil­fe sei­ner Cam­ping­nach­barn. Am stärks­ten be­trof­fen sind der rech­te Arm und bei­de Un­ter­schen­kel. Die Hel­fer be­netz­ten ihn mit Was­ser, bis die Ret­tung kommt und ihn ins Kran­ken­haus nach Ri­je­ka bringt. „Ich kann mich nur noch an die Ein­fahrt er­in­nern, ab da ist es vor­bei“. Al­les, was da­nach ge­schah, soll Zöhrer bei­na­he ei­nen Mo­nat spä­ter, als er vom künst­li­chen Tief­schlaf er­wacht, von sei­nen Ver­wand­ten er­fah­ren. Am 22. Mai wird der Gra­zer, dem die Ärz­te zu die­sem Zeit­punkt ei­ne Über­le­bens­chan­ce von 30 bis 40 Pro­zent be­schei­ni­gen, mit ei­nem Le­ar­jet von Pu­la nach Graz ge­flo­gen. In der Ab­tei­lung für Plas­ti­sche Chir­ur­gie wird Haut von den In­nen­sei­ten der Ober­schen­kel ent­nom­men und trans­plan-

Fort­set­zung von Sei­te 35

Ro­bert Zöhrer nach sei­nem Un­fall: „Ich le­be nun mehr im Jetzt“

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