Wenn das Han­dy Auszeit hat

Wo der Ent­zug zur Wohl­tat wird: Beim „Di­gi­tal De­tox“im Stu­bai­tal wer­den drei Ta­ge Han­dy, Ta­blet und Co. bei­sei­te­ge­legt und Na­tur und Le­ben so rich­tig ge­nos­sen.

Kleine Zeitung Steiermark - - | REISE - SANDRA MATHELITSCH

Ein Ge­ständ­nis vor­weg: Ich bin süch­tig. Nach Han­dy, Ta­blet, so­zia­len Netz­wer­ken, Whatsapp, Farm­vil­le und wie die di­gi­ta­len Zei­t­räu­ber al­le hei­ßen. Sehr zum Leid­we­sen mei­ner Um­ge­bung, wohl­ge­merkt. Mei­ne Liebs­ten sind mit­un­ter schon mehr als ge­nervt, denn Han­dy und Co. sind nicht nur im­mer mit da­bei, son­dern wol­len Auf­merk­sam­keit. Und die nicht zu knapp.

Doch da­mit muss Schluss sein, ei­ne Sucht ver­langt Be­hand­lung, – in die­sem Fall „Di­gi­tal De­tox“ge­nannt. Ei­ne sol­che wird im Stu­bai­tal als Mehr­ta­ges­pro­gramm an­ge­bo­ten. Ein Selbst­ver­such al­so. Wäh­rend PC und Ta­blet gleich zu Hau­se blei­ben – na­tür­lich wur­de vor­her al­len Leu­ten mit­ge­teilt, ich sei die­ser Ta­ge nicht mehr er­reich­bar, egal ob sie mich er­rei­chen woll­ten oder nicht –, durf­te das Han­dy mit.

Bei der An­kunft im Al­pen­gast­hof Schli­cker­alm dann ein – klei­ner – Schock: Zim­mer oh­ne Fern­se­her und Te­le­fon. Da­für ab­so­lu­te Ru­he mit­ten in den Ber­gen, der Schlaf be­reits in der ers­ten Nacht tief und er­hol­sam. Bis der We­cker um vier Uhr klin­gelt: Son­nen­auf­gangs­früh­stück bei der Sen­n­joch­hüt­te.

Die Han­dys al­ler „De­to­xer“wer­den da­bei vor der atem­berau- ben­den Ku­lis­se zu­sam­men­ge­legt. Ge­teil­tes Leid ist hal­bes Leid. Mi­nu­ten spä­ter er­tap­pe ich mich je­doch da­bei, wie ich in mei­ne Ja­cken­ta­sche grei­fe, um mit dem Han­dy ein Fo­to zu ma­chen und auf Face­book zu pos­ten. Doch die Ta­sche ist leer. Was tue ich statt­des­sen? Den Son­nen­auf­gang ge­nie­ßen. Das reich­hal­ti­ge Pro­gramm lässt die Zeit so­wie­so wie im Flug ver­ge­hen. Egal, ob die Auf­fahrt zum Stu­bai­er Glet­scher, der Be­such der Eis­grot­te und des Gra­waWas­ser­falls, ei­ne ra­san­te Ab­fahrt mit der 2,8 Ki­lo­me­ter lan­gen und bis zu 42 km/h schnel­len Mie­de­rer Som­mer­ro­del­bahn oder ei­ne ki­lo­me­ter­lan­ge Wan­de­rung in­klu­si­ve „Kräu­ter­he­xe“Sandra Schön­herr, die ei­nem die Fau­na des Stu­bai­tals er­klärt, bis zur Berg­sta­ti­on der Ser­les­bah­nen. Die Na­tur als Er­satz­dro­ge so­zu­sa­gen.

Wie sehr ich Han­dy und Co. ver­mis­se? Kaum. Nur manch­mal wür­de ich ger­ne wis­sen, wie es den Liebs­ten geht und was in der rest­li­chen Welt pas­siert. Doch der All­tag hat nun ein­mal Auszeit. Oh­ne Aus­nah­me. „Es müs­sen ein Wil­le und An­reiz da sein, et­was zu än­dern. Wir kön­nen nur An­rei­se: Ent­we­der mit dem Au­to oder be­quem mit der ÖBB bis nach Inns­bruck, da­nach Wei­ter­fahrt mit dem Ta­xi oder der Stu­bai­tal­bahn bis Fulp­mes. Un­ter­kunft: Ge­müt­lich und oh­ne TV im Zim­mer kann man im Al­pen­gast­hof Schli­cker­alm auf 1643 Hö­hen­me­tern woh­nen. un­ter­stüt­zen und Be­glei­tung an­bie­ten“, sagt Michael Gst­rein vom TVB Stu­bai Ti­rol.

Nach drei Ta­gen darf ich mein Han­dy of­fi­zi­ell wie­der ein­schal­ten. Ich hät­te es aber auch län­ger oh­ne aus­ge­hal­ten und mitt­ler­wei­le le­ge ich hin und wie­der zu Hau­se „De­tox“-St­un­den ein. Mir und mei­ner Um­ge­bung zu­lie­be. Er­reich­bar mit dem Au­to oder der Gon­del (Mit­tel­sta­ti­on „Schlick 2000“) und dann ab­ho­len las­sen. Auszeit: Vom 30. Ju­ni bis zum 3. Ju­li 2016 wird es wie­der Di­gi­tal-De­tox-Ta­ge im Stu­bai­tal ge­ben.

De­tails:

www.stu­bai.at

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