ZUR PER­SON

Kleine Zeitung Steiermark - - INTERVIEW - I NTERVIEW: CA­RI­NA KERSCH­BAU­MER

Tho­mas Gei­er­spi­ch­ler, ge­bo­ren am 14. 4. 1976 in Salz­burg. Auf­ge­wach­sen am Bau­ern­hof der El­tern in Anif in Salz­burg, den er hät­te über­neh­men sol­len. Be­such der land- und forst­wirt­schaft­li­chen Schu­le. Seit ei­nem Ver­kehrs­un­fall im Al­ter von 18 Jah­ren ge­lähmt. An­schlie­ßend Leh­re als Bü­ro­kauf­mann. Kar­rie­re. Neun­fa­cher Me­dail­len­ge­win­ner als Renn­roll­stuhl­fah­rer bei den Pa­ralym­pics, olym­pi­sche Gold­me­dail­le in At­hen 2004 und in Pe­king 2008 mit Welt­re­kord. Zu­vor Bron­ze­me­dail­le im Ma­ra­thon in Syd­ney 2000. Eu­ro­pa­meis­ter im Halb­ma­ra­thon in Lis­s­a­bon, Welt­meis­ter und meh­re­re Weltrekorde über 800 bis 10.000 Me­ter. GEI­ER­SPI­CH­LER: Ich bin auf ei­nem Bau­ern­hof auf­ge­wach­sen und da ist al­les vor­be­stimmt. Der Va­ter hat ge­sagt, was zu tun ist. Da hat es kei­ne Zeit ge­ge­ben, um nach­zu­den­ken, was man ma­chen möch­te. Der Tag hät­te ei­gent­lich 36 St­un­den ha­ben müs­sen, weil man im­mer ei­ner Ar­beit hin­ter­her­he­chelt. So­bald man als Kind et­was tun kann, hat man ei­nen Re­chen in der Hand ge­habt. Da ist man halt als Kind auch ein biss­chen Ar­beits­kraft. Es ist nicht die Spra­che ei­nes Bau­ern ge­we­sen zu sa­gen: Ich will, dass du glück­lich wirst, oder: Was möch­test du?

Was woll­ten Sie? GEI­ER­SPI­CH­LER: Das ha­be ich mich nicht ge­fragt. Der Pa­pa sag­te: Du wirst Bau­er, gehst in die land­wirt­schaft­li­che Fach­schu­le, machst dann ei­ne Land­ma­schi­nen­me­cha­ni­ker­aus­bil­dung. Al­les ist vor­ge­ge­ben. Heu­te wür­de ich viel­leicht wie­der ger­ne Bau­er sein, aber da­mals war es auch hart. Wir sind um fünf Uhr auf­ge­stan­den, im Som­mer durf­ten wir nach­mit­tags nicht wie die an­de­ren ins Bad. Das hat auch weh­ge­tan. Zu Pfings­ten sind mei­ne Freun­de nach Ita­li­en ge­fah­ren, bei uns hat es ge­hei­ßen: Wir müs­sen heu­en.

Und von die­ser Zeit woll­ten Sie sich auch be­frei­en? GEI­ER­SPI­CH­LER: Ich woll­te mei­ne ei­ge­nen Gren­zen ken­nen­ler­nen und ich ha­be auch erst durch den Sport zu mir ge­fun­den. Wenn man Gren­zen er­reicht und wei­ter hin­aus­schiebt, spürt man das wahr­haf­ti­ge Le­ben und lernt neue Sei­ten ken­nen.

Ver­ra­ten Sie, wel­che? GEI­ER­SPI­CH­LER: Dass man ist als nur ein Kör­per.

Und wenn der Kör­per im Trai­ning nicht mehr woll­te, hat­ten Sie die Gold­me­dail­le vor Au­gen? GEI­ER­SPI­CH­LER: Nein, da braucht man Emo­tio­na­les. Ir­gend­wann ist das Ziel ge­kom­men, dass ich ein­mal wie beim Her­mann Mai­er bei ei­ner Olym­pia­de die Bun­des­hym­ne für mich spie­len hö­ren möch­te. Das war die Vi­si­on im Hin­ter­grund, die mir ge­hol­fen hat, wenn es schwer wur­de.

Wie wür­den Sie heu­te Glück de­fi­nie­ren? GEI­ER­SPI­CH­LER: Es heißt: Ich such­te das Glück und fand die Zuf­rie­den­heit. Ich se­he Glück vor al­lem als Zu­stand der Zuf­rie­den­heit. Aber ich emp­fin­de Glück, wenn ich auf dem Ra­sen­mä­her sit­ze und den Ra­sen mä­he. Da ste­hen Zeit und Raum für mich still. Oder wenn ich mei­ne Chi­li-Pflan­zen gie­ße. Ja und als ich Olym­pia­sie­ger wur­de. Aber da wuss­te ich nicht, ob ich wei­nen oder la­chen soll.

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Gold­me­dail­len­ge­win­ner Tho­mas Gei­er­spi­ch­ler im Gar­ten sei­nes Ho­fes in Anif, wo er heu­te Fe­ri­en­woh­nun­gen ver­mie­tet: „Ich ha­be erst über den Sport zu mir ge­fun­den“

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