Klä­rung der Be­grif­fe

Der Wi­der­stand der Flie­hen­den ge­gen ih­re Auf­nah­me in Un­garn wirft Fra­gen auf.

Kleine Zeitung Steiermark - - | TRIBÜNE -

Das wach­sen­de Durch­ein­an­der in Un­garn, in Wi­en und in Eu­ro­pa ge­ne­rell zwingt zu ei­ner Klä­rung von Be­grif­fen. Da­mit ist zwar noch nicht ge­sagt, was in den nächs­ten Wo­chen und Mo­na­ten ge­sche­hen soll­te. Kla­re Be­grif­fe aber er­leich­tern ei­ne sach­li­che Dis­kus­si­on.

Wer flieht hier wo­vor? Die Men­schen, die über die Au­to­bahn, in Bus­sen, in Zü­gen zu uns kom­men, stam­men aus Af­gha­nis­tan, aus dem Irak, aus Sy­ri­en, aus zer­fal­len­den oder zer­fal­le­nen Staa­ten, von Krieg und Bür­ger­krieg zer­fres­sen. Ih­re Flucht be­gann nicht in Un­garn. In Si­cher­heit wa­ren sie schon, ehe sie dort an­ka­men. Nicht wir ha­ben sie aus der Le­bens­ge­fahr ge­ret­tet, wenn sie am West­bahn­hof ein­tref­fen, die Ret­tung liegt wei­ter zu­rück.

Die Flucht nach Eu­ro­pa ist für vie­le schon die zwei­te. Sie leb­ten in rie­si­gen Flücht­lings­la­gern na­he Sy­ri­en. We­der die Tür­kei noch Jor­da­ni­en oder der Li­ba­non sind im­stan­de, die Ge- flo­he­nen zu in­te­grie­ren, ih­nen Ar­beit zu ge­ben. Al­len­falls kön­nen sie dort hau­sen, ali­men­tiert von in­ter­na­tio­na­len Hilfs­wer­ken.

Für ab­seh­ba­re Zeit ist das zu­mut­bar und sinn­voll. Nun dau­ert der Krieg in Sy­ri­en aber seit über vier Jah­ren an, ein En­de ist nicht ab­seh­bar. Dass jun­ge Men­schen, Fa­mi­li­en mit Kin­dern ver­su­chen, an­ders­wo ein neu­es Le­ben zu be­gin­nen, statt Mo­nat für Mo­nat stumpf in Zel­ten zu ho­cken, ist ver­ständ­lich. Sie müs­sen es ver­su­chen, und sie wer­den es dort ver­su­chen, wo sie die Chan­cen für die bes­ten hal­ten: in Deutsch­land, in Ös­ter­reich, in Schwe­den.

Vie­le im Tross wehr­ten sich hef­tig, als man sie zwin­gen woll­te, sich in Un­garn re­gis­trie­ren zu las­sen. Der Wi­der­stand mach­te das ei­gent­li­che Mo­tiv deut­lich. Es geht nicht um Si­cher­heit vor Ver­fol­gung und Krieg. Die ist in Un­garn so ge­währ­leis­tet wie in vie­len Län­dern, die die Flie­hen­den zu­vor durch­quert hat­ten. Es geht um ei­ne Per­spek­ti­ve. Das ist le­gi­tim und nach­voll­zieh­bar, aber gibt es ein Recht dar­auf ?

Wie al­so sol­len wir mit den Men­schen um­ge­hen, die zu uns kom­men? Schi­cken wir sie zu­rück? Wo­hin? Neh­men wir sie auf und in­te­grie­ren sie bei uns, weil ein En­de der Kon­flik­te in ih­ren Her­kunfts­län­dern nicht in Sicht ist? Wel­che Per­spek­ti­ve kön­nen und wol­len wir ih­nen trotz ho­her Ar­beits­lo­sig­keit bie­ten? Wie ver­mei­den wir, so in­di­rekt ei­ne Ein­la­dung an al­le Not­lei­den­den aus­zu­spre­chen? Was tun wir, wenn der Zug nicht ab­reißt? Und wie wol­len wir mit den kul­tu­rel­len Rei­bun­gen um­ge­hen? as al­les in scho­nungs­lo­ser Of­fen­heit und mit Blick auf mehr als ein Jahr in die Zu­kunft zu dis­ku­tie­ren, ist über­fäl­lig. An­dern­falls über­lässt man das The­ma der FPÖ und ih­ren glatt ge­strick­ten Ant­wor­ten.

DSie er­rei­chen den Au­tor un­ter

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