Die Wut der Bür­ger, die Angst der Po­li­ti­ker

Der Po­li­to­lo­ge Tho­mas Ho­fer frag­te, was in Ös­ter­reich an­ders wer­den müss­te. Sei­ne Au­to­ren skiz­zie­ren die Um­ris­se ei­ner re­form­re­sis­tent ge­wor­de­nen Re­pu­blik.

Kleine Zeitung Steiermark - - TRIBÜNE - THO­MAS GÖTZ

Es sind hoch­ran­gi­ge Ak­teu­re der Po­li­tik, drei mög­li­che Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten und ein paar Be­ob­ach­ter aus den Rand­zo­nen der Po­li­tik, die Ho­fer in sei­nem Buch „Da­ge­gen sein ist nicht ge­nug“um Bei­trä­ge bat. Er­staun­lich weh­mü­tig-re­tro­spek­tiv Her­mann Schüt­zen­hö­fer, den Ho­fer als po­si­ti­ves Bei­spiel hin­zu­ge­be­ten hat. Er be­schwört die ver­gan­ge­nen, un­be­dankt ge­blie­be­nen Er­fol­ge, die Zu­kunft streift er le­dig­lich.

Ru­dolf Hund­stor­fer, Irmgard Griss und Jo­sef Mo­ser, al­le drei po­ten­zi­el­le Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten, ge­hen das The­ma sehr un­ter­schied­lich an. Hund­stor­fer singt das Ho­he­lied des Kom­pro­mis­ses als zen­tra­le Er­run­gen­schaft der Nach­kriegs­zeit. Irmgard Griss schrieb ei­ne im Ju­ris­ten­ton ge­hal­te­ne Ab­hand­lung über po­li­ti­sche Ver­ant­wor­tung und Rech­nungs­hofprä­si­dent Jo­sef Mo­ser lis­tet auf, was er seit Jahr und Tag oh­ne gro­ße Wir- kung auf­lis­tet. 80 Pro­zent der Vor­schlä­ge sei­ner Kon­troll­in­sti­tu­ti­on wür­den zwar ab­ge­ar­bei­tet, aber ganz zu­fäl­lig nicht die ent­schei­den­den. Nicht die For­de­rung nach Ver­ein­heit­li­chung der Buch­füh­rung, nicht die struk­tu­rel­len Re­for­men, die nö­tig wä­ren, um un­sin­ni­ge Geld­ver­geu­dung zu er­schwe­ren. Da­zu bräuch­te es po­li­ti­sche Durch­set­zungs­kraft, die der­zeit nie­mand auf­bringt.

Ehe noch je­mand die drei auf den Schild ge­ho­ben hat, wer­den die Sti­le der po­ten­zi­el­len Prä­si­den­ten deut­lich: kon­sen­su­ell der Hund­stor­fers, for­dernd der Ton Mo­sers und herb-nüch­tern der von Frau Griss.

Franz Vra­nitz­ky hält ein Plä­doy­er für mehr Eu­ro­pa, das er al­ler­dings un­ter den ge­ge­be­nen Be­din­gun­gen für na­he­zu un­er­reich­bar hält. An­ne­lie­se Roh­rer, die einst selbst durch ei­nen „Wut­bür­ger­stamm­tisch“die Po­li­tik zu be­feu­ern ver­such­te, rech­net mit ih­rer Zunft, dem Jour­na­lis­mus, ab. Zu zahn­los, lie­be­die­ne­risch sei er ge­wor­den, aus den un­ter­schied­lichs­ten Grün­den. Mat­thi­as Strolz er­zählt von der Grün­dung sei­ner Ne­os, Er­win Pröll lobt das nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Mo­dell des Vor­zugs­wahl­rechts. Her­aus­ge­ber Tho­mas Ho­fer skiz­ziert das Ge­gen­stück zum Wut­bür­ger: den Angst­po­li­ti­ker. Ei­ne ge­fähr­li­che Part­ner­schaft, die den Still­stand er­zeugt, den ei­gent­lich al­le Au­to­ren be­schrei­ben.

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