Ful­mi­nan­ter Auf­takt an der

Das als „Thea­ter des Jah­res“ge­adel­te Burg­thea­ter setzt zu Sai­son­be­ginn gleich ei­nen künst­le­ri­schen Pau­ken­schlag – mit Al­vis Her­ma­nis’ Neu­in­sze­nie­rung von Go­gols „Der Re­vi­sor“.

Kleine Zeitung Steiermark - - KULTUR - REIN­HOLD REITERER

SONN­TAG,

V6. SEP­TEM­BER 2015, SEI­TE 64 or mehr als zwei Jah­ren kün­dig­te der let­ti­sche Thea­ter­lei­ter und Re­gis­seur Al­vis Her­ma­nis im Ge­spräch mit der „NZZ“an, er wer­de au­ßer­halb Lett­lands kein Sprech­thea­ter, son­dern nur mehr Opern in­sze­nie­ren. Ach wie schön, dass er es wie der ehe­ma­li­ge deut­sche Bun­des­kanz­ler Kon­rad Ade­nau­er hält: „Was in­ter­es­siert mich mein Ge­wäsch von ges­tern?“Her­ma­nis hat sei­nen an­ge­kün­dig­ten Vor­satz über Bord ge­wor­fen und im Burg­thea­ter ei­ne Neu­in­sze­nie­rung von Ni­ko­laj Go­gols 1836 ur­auf­ge­führ­ter Ko­mö­die „Der Re­vi­sor“vor­ge­legt, von der man noch lan­ge spre­chen wird.

Ei­ne in­sze­na­to­ri­sche Qua­li­tät Her­ma­nis’ be­steht in sei­ner Ge­nau­ig­keit und De­tail­ver­ses­sen­heit, wo­bei der Re­gis­seur Her­ma­nis vom Büh­nen­bild­ner Her­ma­nis kon­ge­ni­al un­ter­stützt wird.

Go­gols „Re­vi­sor“be­ginnt als Ge­schich­te ei­ner Ver­wechs­lung. In ei­ner rus­si­schen Kle­in­stadt ist in ei­nem Gast­hof ein Mann na­mens Ch­lesta­kow (Fa­bi­an Krü­ger) aus St. Pe­ters­burg mit sei­nem Die­ner Os­sip (Oli­ver Sto­kow­ski) ab­ge­stie­gen. Der gu­te Mann ist ge­heim­nis­um­wo­ben und lässt sei­ne Kon­su­ma­tio­nen an­schrei­ben. Via Mund­funk ver­brei­tet sich in die­sem Kaff die Schre­ckens­bot­schaft, ein Re­vi­sor aus St. Pe­ters­burg sei in­ko­gni­to auf dem Weg in die Kle­in­stadt. Un­ter den Amts- und gleich­zei­tig auch Wür­den­trä­gern wie dem Bür­ger­meis­ter (Michael Ma­er­tens), Post­meis­ter (Diet­mar Kö­nig), Di­rek­tor des Kran­ken­hau­ses und Ar­men­asyls (Mar­tin Rein­ke), Schul­di­rek­tor (Jo­hann Adam Oest) und Rich­ter (Falk Rockstroh) ma­chen sich Angst und Ent­set­zen breit, denn nichts ha­ben sie mehr zu fürch­ten, als dass ihr kor­rup­tes und ver­bre­che­ri­sches Trei­ben auf­ge­deckt wer­den könn­te. Die Bür­ger Bobt­sch­in­skij (Her­mann Scheid­le­der) und Dobt­sch­in­sky (Dirk No­cker), die auf den ers­ten An­blick den Ein­druck von Dorf­trot­teln hin­ter­las­sen, schei­nen die Blitz­gnei­ßer zu sein: Ch­lesta­kow muss der Re­vi­sor sein!

De­tail­ver­liebt

Wie müs­sen wir uns die­se rus­si­sche Pro­vin­zört­lich­keit vor­stel­len? Her­ma­nis stellt an­fangs auf die Dreh­büh­ne ei­ne Art Kan­ti­ne mit The­ke, Es­sens­aus­ga­be, Kas­sa, Ti­schen und Ses­seln. Die Kö­chin­nen mu­si­zie­ren mit den Töp­fen, dem Ge­schirr und dem Be- steck, dass es ei­ne wah­re Freu­de ist. Sonst macht sich ei­ne Ost­flair-Tris­tesse breit, wie man sie nur von frü­he­ren Her­ma­nis-Pro­duk­tio­nen kennt. Und dann auch noch die De­tail­ver­liebt­heit in Be­zug auf Re­qui­si­ten. End­lich zeigt sich, welch ko­mö­di­an­ti­sches Po­ten­zi­al in ei­ner hunds­or­di­nä­ren Kü­chen­rol­le steckt!

Ne­ben dem Män­ner­bund bril­lie­ren in die­ser vier­ein­halb­stün­di­gen Pro­duk­ti­on (mit zwei Pau­sen) auch Ma­ria Hap­pel als Bür­ger­meis­ters­gat­tin und de­ren Toch­ter in Gestalt von Dör­te Lys­sew­ski so­wie Birgit Furgler als Kö­chin und Schul­di­rek­tors­gat­tin. Krü­ger, der ver­meint­li­che Re­vi­sor, kommt als Angst­ha­se da­her, der fürch­tet, we­gen sei­ner Zech­schul­den im Ge­fäng­nis zu lan­den. Doch bald hat er her­au­ßen, wie die Ges­te der of­fe­nen Hand her­vor­ra­gend ge­lingt. Die­ser „Re­vi­sor“ist herr­lich sur­re­al über­dreht. Fehlt nur, dass Man­fred Deix im Pro­gramm­heft als Kon­su­lent an­ge­führt wird.

Der Re­vi­sor. Be­wer­tung: www.burg­thea­ter.at

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