Düs­te­res Lu­zern

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Hin­richs. Die Er­mitt­ler­ty­pen sind heu­te viel­fäl­ti­ger als in den 1970ern: Es gibt ein­sa­me Wöl­fe, Säu­fer, bes­te Freun­de, er­mit­teln­de Müt­ter oder Psy­cho­pa­then.

„So­zia­le Rol­len­spie­ler“nennt sie der So­zio­lo­ge Cars­ten Hein­ze. Mit ir­gend­ei­nem Kom­mis­sar kann sich je­der iden­ti­fi­zie­ren – und sonst bleibt im­mer noch Nör­geln auf Twit­ter. Die Er­neue­rung zieht. Die Quo­ten stei­gen wie­der: Im Vor­jahr er­reich­te ein „Tat­ort“aus Müns­ter 13,13 Mil­lio­nen Zu­se­her – so vie­le wie seit 1992 nicht.

Heu­te Abend star­tet die neue Sai­son genau so, wie die letz­te en­de­te: mit ei­nem Fall aus Lu­zern, in dem Re­to Flü­cki­ger und Liz Ritschard ei­nen Sni­per ja­gen (sie­he rechts). Dann, so viel ist ge­wiss, kehrt auch der Hash­tag #tat­ort zu­rück. Und wenn um 21.45 Uhr al­les vor­bei ist, tau­chen die ers­ten Bi­lanz­sto­rys zu den bes­ten Tweets auf, Kri­mi­nal­be­am­te wei­sen den Dreh­buch­au­to­ren pe­ne­trant Feh­ler nach.

Und Mil­lio­nen sind auf der Couch da­bei. Der Tod steht der al­ten Tan­te Fern­se­hen gut. Die Er­mitt­ler. Die Städ­te, die Stars. Ei­ne Bil­der­se­rie. www.klei­ne.at/ kul­tur Mil­lio­nen Zu­se­her. Den Quo­ten­re­kord der letz­ten 25 Jah­re hält das frü­he­re Ham­bur­ger Er­mitt­ler-Duo Stoever und Brock­m­öl­ler. „Stoevers Fall“sa­hen am 5. Ju­li 1992 im Schnitt 15,86 Mil­lio­nen Zu­schau­er. Im Vor­jahr („Mord ist die bes­te Me­di­zin“) schob sich das Müns­te­ra­ner Ge­spann Thiel und Bo­er­ne mit 13,13 Mil­lio­nen auf Platz zwei.

Wer wis­sen will, wie ein Land funk­tio­niert, muss sich nur die Po­li­zei­ar­beit an­schau­en“, sag­te Tom Rob Smith, des­sen Kri­mi­nal­ro­man „Kind 44“jetzt ver­filmt wur­de. Man will das nicht auf den heu­ti­gen „Tat­ort“und auf die Schweiz um­le­gen. Weil das hie­ße: hu­mor­los, ganz­kör­per­frus­triert, düs­ter.

An­ders ge­sagt: Die bei­den eid­ge­nös­si­schen Er­mitt­ler Re­to Flü­cki­ger (Ste­fan Gub­ser) und Liz Ritschard (De­lia Mayer) ha­ben auch in der neu­en „Tat­ort“-Sai­son nichts zu la­chen. „Ihr wer­det ge­rich­tet“spielt in ei­nem Lu­zern, das in et­wa so gut drauf ist wie Sa­rah Lunds Ko­pen­ha­gen. Die Ka­me­ra ist vom ers­ten Mord an da­bei, man kennt den Tä­ter prak­tisch von An­fang an und be­ob­ach­tet die Po­li­zei bei ih­rem Wett­lauf ge­gen die Zeit. rotz­dem: span­nend, wenn auch mit viel Sym­pa­thie für den Kil­ler er­zählt. Selbst die Po­li­zei hält den „Scheiß­dreck“(so Flü­cki­ger) für ei­ne Fol­ge der neu­en Straf­pro­zess­ord­nung. Da hat man fast Ver­ständ­nis mit ei­nem wie Si­mon Am­sted, der nach dem Mus­ter „Es gibt kei­ne Ge­rech­tig­keit, au­ßer man sorgt selbst da­für“funk­tio­niert. „Post­trau­ma­ti­sche Ver­bit­te­rung“nennt das der Pro­fi­ler.

Dass ei­nem in Lu­zern na­he­zu oh­ne Un­ter­lass ein ner­vö­ses Sound­de­sign in die Oh­ren ge­klopft wird, kann auch für Ver­bit­te­rung sor­gen. Dass Mör­der die glei­chen Vans fah­ren wie Schlep­per, ist hin­ge­gen nicht so da­ne­ben.

TSie er­rei­chen die Au­to­rin un­ter

Pre­mie­re: „Ver­brannt“mit Wo­tan Wil­ke Möh­ring läuft am 30. 9. im Ki­no und am 11. 10. im TV Die­ses wird ihr zwei­ter Streich: Mar­ga­ri­ta Broich und Wolf­ram Koch sind die Neu­en in Frankfurt, zu se­hen am 16. 9.

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