DAS BUCH

Kleine Zeitung Steiermark - - POLITIK -

war lang­jäh­ri­ger Fi­nanz­mi­nis­ter in der Re­gie­rung von Bru­no Kreis­ky, da­nach Chef der Cre­dit­an­stalt, schließ­lich In­dus­tri­el­ler. Sei­ne Le­bens­bi­lanz zeich­ne­te Pe­ter Pe­lin­ka auf. Das Buch ist die­ser Ta­ge im Ver­lag Eco­win er­schie­nen. Preis: 24,95 Eu­ro Vor 30 Jah­ren gab es 50.000 Früh­pen­sio­nis­ten, jetzt sind es 650.000. Be­son­ders spür­bar sind un­se­re De­fi­zi­te im Bil­dungs­sek­tor – al­lein die Auf­re­gun­gen rund um die schu­li­schen PISATests sind wohl noch in bes­ter (?) Er­in­ne­rung. Un­ser Land ist zwi­schen 2009 und 2014 im EU-In­no­va­ti­ons­ran­king vom 6. auf den 10. Platz ab­ge­rutscht. Das ist ein we­sent­li­cher Grund da­für, dass wir auch in der Wett­be­werbs­fä­hig­keit stark ein­ge­büßt ha­ben und in­ter­na­tio­nal von Platz 14 auf Platz 21 (Glo­bal Com­pe­ti­tiven­ess Re­port) zu­rück­ge­fal­len sind.

8.Seid euch der ti­cken­den „Ge­ne­ra­tio­nen­bom­be“be­wusst! Be­son­ders be­un­ru­hi­gend sind die Per­spek­ti­ven des Pen­si­ons­sys­tems: Die durch­schnitt­li­che Le­bens­er­war­tung ist seit 1956 er­freu­li­cher­wei­se um 20 Jah­re ge­stie­gen (2013 auf 81,1 Jah­re; Män­ner: 78,5, Frau­en: 83,6), das ef­fek­ti­ve Pen­si­ons­al­ter ist aber in den letz­ten 30 Jah­ren von 61 auf 58 Jah­re zu­rück­ge­gan­gen. Die Zahl der Kin­der und Ju­gend­li­chen (un­ter 15 Jah­ren) ist in vie­len Re­gio­nen ge­sun­ken, die Be­völ­ke­rung im nicht mehr er­werbs­fä­hi­gen Al­ter (65 Jah­re und äl­ter) stark ge­stie­gen. Die er­werbs­fä­hi­ge Be­völ­ke­rung (15 bis 64 Jah­re) ist in den letz­ten Jah­ren fast nur mehr durch – po­li­tisch oft be­kämpf­te – Zu­wan­de­rung ge­wach­sen. Das kann sich für ein Pen­si­ons­sys­tem auf bis­he­ri­gem Ni­veau nicht aus­ge­hen, schon gar nicht an­ge­sichts der de­mo­gra­fi­schen Pro­gno­sen: Sind der­zeit 18 Pro­zent der Be­völ­ke­rung 65 Jah­re oder äl­ter, wer­den es bis 2020 rund 20 sein, ab 2030 mehr als 25, 2060 fast 30 Pro­zent. Der An­teil der 20- bis 64-Jäh­ri­gen wird von 62 Pro­zent (2012) bis 2030 auf 57 Pro­zent zu­rück­ge­hen, 2060 nur mehr bei 53 Pro­zent lie­gen.

9.Seid po­li­tisch, nicht un­be­dingt par­tei­po­li­tisch, aber en­ga­giert euch! Ich neh­me für mich in An­spruch, mich mein gan­zes Le­ben lang als Ci­toy­en be­tä­tigt zu ha­ben, als Bür­ger, der sich den his­to­ri­schen Wer­ten der Fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on von Frei­heit, Gleich­heit und Brü­der­lich­keit ver­pflich­tet fühlt, am Ge­mein­we­sen teil­nimmt und die­ses mit­ge­stal­tet. Das war für mich nie­mals Sa­che ei­nes Am­tes oder ei­ner Par­tei. Aber die Welt der Po­li­tik war und ist stets mei­ne Sa­che, fas­zi­nie­rend wie die Welt der Wirt­schaft oder der Wis­sen­schaft. Wo­bei zu den wich­tigs­ten Rat­schlä­gen, die ich je er­hal­ten ha­be, je­ner mei­nes vä­ter­li­chen Freun­des, des Bun­des­prä­si­den­ten Adolf Schärf, ge­hört. Als ich in der Früh­pha­se mei­ner Kar­rie­re vor der Ent­schei­dung stand, ob ich ei­nen wei­te­ren Schritt in die Po­li­tik wa­gen soll­te, mein­te er: „Wenn du in der Po­li­tik deinen Be­ruf oder dei­ne Be­rufs­lauf­bahn auf­ge­ben musst, musst du Nein sa­gen. Wenn man dir aber ein­räumt, die­se wei­ter­ver­fol­gen zu kön­nen, dann sa­ge Ja, weil das dann die Krö­nung ist: für die Po­li­tik: ja, von der Po­li­tik: nein!“

10.Seid nie­mals re­si­gna­tiv, lasst euch nicht un­ter­krie­gen! Mein Le­ben war al­les an­de­re als strom­li­ni­en­för­mig, war ei­ne An­ein­an­der­rei­hung von Er­fol­gen und Ent­täu­schun­gen. Ei­nem schnel­len Auf­stieg in der Po­li­tik folg­te ei­ne schmerz­haf­te, auch per­sön­li­che Aus­ein­an­der­set­zung, dann ein Wech­sel in die Ban­ken­welt, schließ­lich ein har­ter Fall. Dann aber ein er­folg­rei­cher Neu­start als In­dus­tri­el­ler, der aber sei­ne po­li­ti­schen Wur­zeln nie­mals ver­gisst. Und nicht (s)ei­ne Le­bens­weis­heit: Es gibt Nie­der­la­gen, aus de­nen man lernt, die stär­ker ma­chen. So be­trach­tet ist je­der Feh­ler ein Ge­winn, wenn man die rich­ti­gen Schlüs­se dar­aus zieht. Nur wer nichts tut, macht kei­ne Feh­ler, aber das ist der größ­te von al­len. Es schei­tern nur je­ne, die lie­gen blei­ben. Es ge­win­nen je­ne, die nie­mals auf­ge­ben.

Ein Mah­ner und Er­mun­te­rer: Han­nes An­d­rosch (ge­malt von Mar­tin Schnur)

Han­nes An­d­rosch

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