Das Loch

Kleine Zeitung Steiermark - - SPORT - MICHAEL SCHUEN

„Ben­ni“blieb ei­ne Kon­stan­te. Er wur­de von ei­nem der jüngs­ten Sie­ger zum äl­tes­ten, der je im Rie­sen­tor­lauf aufs Po­dest fuhr. Er hört auf als er­folg­reichs­ter ak­ti­ver Ski­fah­rer, als Num­mer sechs in der Lis­te der größ­ten al­ler Zei­ten. Als dop­pel­ter Olym­pia­sie­ger, 14-fa­cher Me­dail­len­ge­win­ner bei Groß­er­eig­nis­sen, als Ge­samt­welt­cup-Tri­um­pha­tor und Sie­ger von 36 Ren­nen.

Sei­ne größ­te Stär­ke war aber wohl das, was ihm am En­de oft als Schwä­che aus­ge­legt wur­de: sei­ne un­glaub­li­che Fair­ness, sei­ne Wei­ge­rung, Aus­re­den zu su­chen, und sei­ne Be­reit­schaft, für sei­ne gro­ße Lei­den­schaft auch auf Se­ri­en­sie­ge zu ver­zich­ten. Das Lob sei­ner Sport­kol­le­gen nach dem Rück­tritt ist In­diz ge­nug da­für, Die Lei­den­schaft zum Ski­sport ist nicht er­lo­schen, wohl aber das Ziel und da­mit die Be­reit­schaft, „zu ex­plo­die­ren“. „Ich spü­re das und mein Ge­fühl hat mich sel­ten ge­täuscht“, sag­te Raich, der ei­ne Zeit des Er­ho­lens ein­le­gen wird, ehe er sich neu­en Auf­ga­ben zu­wen­den wird. Nur ei­nes ist klar: Frau Mar­lies und er er­war­ten nach der Hoch­zeit im Früh­jahr im Ok­to­ber das ers­te Kind. Wer weiß, viel­leicht tritt es einst in die Fuß­stap­fen der er­folg­rei­chen El­tern. Bis da­hin müs­sen an­de­re für Er­fol­ge sor­gen. Bil­der ei­ner Lauf­bahn. Ein Streif­zug durch die Kar­rie­re von Ben­ni Raich in Bil­dern www.klei­ne­zei­tung.at/s/sport

Es war zu ei­ner Zeit, als der Füh­ren­de ei­nes Ren­nens noch nicht in der „TV-Box“aus­har­ren muss­te. Ben­ja­min Raich er­leb­te einst in Schlad­ming am Zaun ne­ben zwei Jour­na­lis­ten, wie 22 Läu­fer an sei­ner Best­zeit schei­ter­ten. Wäh­rend des War­tens er­zähl­te er vom Su­per­manLei­berl un­ter dem Renn­an­zug.

Sei­ne Lauf­bahn glich lan­ge der ei­nes Ski-Su­per­man­nes. Raich selbst hob selbst aber nie ab, blieb im­mer am Bo­den. Be­schei­den­heit, Freund­lich­keit, Fair­ness – kein an­de­rer Sport­ler ver­kör­pert und lebt die­se Idea­le so wie der Ti­ro­ler – im Er­folg wie auch im Miss­er­folg, den er an­satz­wei­se im Herbst sei­ner Kar­rie­re er­fuhr. Das Ram­pen­licht nahm er an, aus­ge­nützt hat er es nie. Ar­ro­ganz ist für Raich ein Fremd­wort, Aus­re­den hat er nie ge­sucht und nie ak­zep­tiert.

Es ist kein Zu­fall, dass Ben­ni Raichs Dan­kes­wor­te beim Rück­tritt 17 Mi­nu­ten ge­dau­ert ha­ben. Nur um nie­man­den zu ver­ges­sen. Man muss mit ÖSV-Prä­si­dent Pe­ter Schröcks­na­del nicht im­mer ei­ner Mei­nung sein.

Aber als er sag­te, dass Ben­ja­min Raich zu den we­ni­gen ge­hört, auf die man stolz sein dür­fe, nick­ten wohl vie­le un­be­wusst mit. Und man denkt da­bei nicht an die Olym­pia­sie­ge, WM-Ti­tel oder Welt­cup-Tri­um­phe – man denkt an den Men­schen Ben­ja­min Raich. it Raich ver­lässt ein ab­so­lu­tes Vor­bild die Sport­büh­ne. Es wird schwie­rig, das ent­stan­de­ne Loch zu fül­len. Sie­ge al­lein rei­chen da­für näm­lich nicht.

MSie er­rei­chen den Au­tor un­ter

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.