„Leh­rer müs­sen Kin­der un­gleich be­han­deln“

Ei­nen flam­men­den Ap­pell rich­tet der Au­tor Ni­ki Glattau­er an Po­li­tik und Leh­rer vor Schul­be­ginn. Das Aus­hun­gern der Gym­na­si­en müs­se be­en­det wer­den und es soll­ten auch gu­te Schü­ler wie­der bes­ser ge­för­dert wer­den.

Kleine Zeitung Steiermark - - | THEMA -

Herr Glattau­er, vor Schul­be­ginn wird ger­ne dar­auf ver­wie­sen, dass das Le­ben mehr als ein Schul­fach sei. Ver­mis­sen Sie als Leh­rer po­si­ti­ve Kom­men­ta­re zur Schu­le? NI­KI GLATTAU­ER: Ap­pel­le, dass die Schu­le lus­tig ist oder dass Kin­der we­ni­ger fern­schau­en sol­len, ge­hen an der Rea­li­tät vor­bei. Sie schau­en fern und ha­ben ihr Han­dy und sol­len es be­nut­zen, aber ge­scheit und nicht dumm.

Ge­scheit wä­re, es zeit­lich be­schränk­ter zu nut­zen? GLATTAU­ER: Ge­scheit wä­re, das Han­dy im Un­ter­richt sehr wohl zu ver­wen­den, um den Kin­dern zu si­gna­li­sie­ren, dass es auch ein Ar­beits­ge­rät ist. Be­schränkt wer­den müss­te es in der Frei­zeit. Da sind aber die El­tern ge­fragt. Wenn ich mei­ne Toch­ter nicht züg­le, wür­de sie, au­ßer am Han­dy zu le­sen und zu spie­len, nichts mehr ma­chen. Da sind die El­tern viel mehr ge­fragt als die Schu­le. Die Schu­le soll­te nicht den Feh­ler be­ge­hen, zu glau­ben, sie kann das Han­dy­tum re­gle­men­tie­ren.

Sie hal­ten nichts von Han­dy­ver­bo­ten an Schu­len? GLATTAU­ER: Die Ver­bots­ge­schich­ten sind kon­tra­pro­duk­tiv. Ich ver­wen­de das Han­dy im Un­ter­richt seit Jah­ren und es wird na­he­zu nicht miss­braucht.

Und in den Pau­sen wird auf das Han­dy ge­starrt? GLATTAU­ER: Da bleibt das Han­dy in der Schul­ta­sche.

Und dar­an hal­ten sich al­le? GLATTAU­ER: Sie müs­sen sich dar­an hal­ten, sonst neh­me ich es ih­nen weg.

Ver­ra­ten Sie uns, was Sie sich zu Schul­be­ginn wün­schen? GLATTAU­ER: Ich wün­sche mir ei­ne Auf­wer­tung der Schu­le. Sie soll­te mehr als Ort der Freu­de und des Spa­ßes prä­sen­tiert wer­den. Es freu­en sich ja auch vie­le Kin­der auf die Schu­le. Wür­de man nicht un­un­ter­bro­chen seit 20, 30 Jah­ren Druck auf Leh­rer, El­tern, Schü­ler ma­chen, wä­re das Ver­hält­nis ein we­sent­lich ent­spann­te­res. Wir müss­ten Druck weg­neh­men und dürf­ten uns nicht ver­schre­cken las­sen durch Hor­ror­ge­schich­ten, dass das Bil­dungs­ni­veau an­geb­lich sinkt.

Fak­tum ist, dass ein zu ho­her Pro­zent­satz der 15-Jäh­ri­gen kaum le­sen und rech­nen kann. GLATTAU­ER: Das Bil­dungs­ni­veau sinkt aber nicht, wir wis­sen heu­te nur bes­ser Be­scheid über je­ne, die we­nig kön­nen. Die hat es aber im­mer ge­ge­ben. Es sind auch die Leh­rer nicht schlech­ter ge­wor­den, im Ge­gen­teil, sie sind bes­ser ge­wor­den, auch die Päd­ago­gik ist bes­ser ge­wor­den. Trotz­dem las­sen wir uns aber von al­len Sei­ten ein­re­den, dass die Schu­le ein Hort des Schre­ckens ist, wo lau­ter ver­sa­gen­de Par­tei­en be­tei­ligt sind.

Mit Druck mei­nen Sie, Leh­rer mit Re­form­ide­en schüt­tet wer­den? GLATTAU­ER: Mit halb­her­zi­gen Re­for­men. Es kommt nur zu Schein­re­for­men, da­mit al­le das Ge­sicht wah­ren kön­nen, es kommt aber nicht zur gro­ßen, klug durch­dach­ten Re­form.

Bil­dungs­for­scher John Hat­tie meint, im End­ef­fekt hän­ge im­mer al­les vom Leh­rer ab und we­ni­ger von Or­ga­ni­sa­ti­ons­re­for­men. GLATTAU­ER: Des­halb ist auch die neue Leh­rer­aus­bil­dung ein rich­ti­ger Schritt, aber auch die­ser ist halb­her­zig. Da hät­te man viel ra­di­ka­ler sein müs­sen. Wir brau­chen ei­nen neu­en Zu­gang der Leh­rer, wir brau­chen aber auch neue Struk­tu­ren, da­mit Kin­der nicht zu früh ge­trennt wer­den, wir brau­chen für vie­le dass zu­ge-

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