See­ho­fer rügt An­ge­la Mer­kel

Der baye­ri­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent kri­ti­siert Mer­kels Flücht­lings­po­li­tik und pak­tiert mit Or­bán.

Kleine Zeitung Steiermark - - | POLITIK -

MÜNCHEN, PRAG, NEW YORK. Un­ge­wohnt scharf at­ta­ckiert die CSU-Spit­ze die Flücht­lings­po­li­tik der deut­schen Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU). Zur Ent­schei­dung Mer­kels vom ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de, die Flücht­lin­ge aus Un­garn nach Deutsch­land fah­ren zu las­sen, sag­te CSU-Vor­sit­zen­der Horst See­ho­fer dem „Spie­gel“: „Das war ein Feh­ler, der uns noch lan­ge be­schäf­ti­gen wird. Ich se­he kei­ne Mög­lich­keit, den Stöp­sel wie­der in die Fla­sche zu krie­gen.“Deutsch­land kom­me bald in „ei­ne nicht mehr zu be­herr­schen­de Not­la­ge.“Da­mit stell­te sich Bay­erns Mi­nis­ter­prä­si­dent hin­ter die schar­fe Kri­tik des ehe­ma­li­gen In­nen­mi­nis­ters Hans-Pe­ter Fried­rich (CSU), der Mer­kels Ent­schei­dung in der „Pas­sau­er Neu­en Pres­se“ei­ne „bei­spiel­lo­se po­li­ti­sche Fehl­leis­tung“ge­nannt hat­te.

See­ho­fer kün­dig­te au­ßer­dem an, den un­ga­ri­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Vik­tor Or­bán zur nächs­ten Klau­sur­ta­gung sei­ner Land­tags­frak­ti­on ein­zu­la­den. Er wol­le zu­sam­men mit Or­bán „ei­ne Lö­sung su­chen“. Or­bán, der Mer­kel die Schuld an der Flücht­lings­kri­se gibt, hat am Frei­tag er­neut ein har­tes Durch­grei­fen ge­gen Flücht­lin­ge an­ge­kün­digt. Je­der Ein­wan­de­rer, der il­le­gal die Gren­ze über­tre­te, wer­de „so­fort ver­haf­tet“, sag­te der Mi­nis­ter­prä­si­dent.

Un­ter­des­sen stellt sich Slo­we­ni­en auf ei­ne mas­si­ve Flücht­lings­wel­le ein. Die Re­gie­rung er­war­tet, dass die über die so­ge­nann­te Bal­kan-Rou­te in Rich­tung Deutsch­land strö­men­den Flücht­lin­ge über Kroa­ti­en, Slo­we­ni­en und Süd­ös­ter­reich aus­wei­chen könn­ten, wenn Un­garn kom­men­de Wo­che sei­ne süd­li­che Gren­ze dicht­macht.

Die ost­eu­ro­päi­schen Län­der der Vi­se­grad-Grup­pe stem­men sich wei­ter ge­gen ei­ne EU-Quo­te zur Ver­tei­lung von Flücht­lin­gen. Tsche­chi­en, Un­garn, die Slo­wa­kei und Po­len er­teil­ten der von Brüssel vor­ge­schla­ge­nen Re­ge­lung am Frei­tag er­neut ei­ne Ab­sa­ge. Laut Plä­nen der EU-Kom­mis­si­on sol­len ins­ge­samt 160.000 Flücht­lin­ge in­ner­halb Eu­ro­pas um­ver­teilt wer­den. Die UNO mel­de­te ges­tern, sie ge­he da­von aus, dass noch ei­ne Mil­li­on sy­ri­sche Flücht­lin­ge nach Eu­ro­pa kom­men wer­den.

„Ich se­he kei­ne Mög­lich­keit, den Stöp­sel wie­der in die Fla­sche zu krie­gen“, sagt CSUChef Horst See­ho­fer

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