ÖBB an Gren­ze der Be­last­bar­keit

Vor­stands­chef Kern sieht An­zei­gen we­gen Un­treue „ge­las­sen“.

Kleine Zeitung Steiermark - - POLITIK -

GRAZ. Soll­te es auch in Süd­ös­ter­reich ei­ne Samm­lung von Flücht­lin­gen ge­ben, dann „hät­ten wir nicht mehr die Ka­pa­zi­tä­ten, um das zu ma­na­gen“, sagt ÖBB-Ge­ne­ral­di­rek­tor Chris­ti­an Kern. „Man soll­te pri­va­te Bus­un­ter­neh­men und das Bun­des­heer bes­ser in das Sys­tem ein­bin­den, weil wir sonst wirk­lich an die Gren­zen der Be­last­bar­keit sto­ßen“, so Kern. Es wer­de zu­neh­mend schwie­ri­ger, den Fahr­be­trieb auf­recht­zu­er­hal­ten. Die Bahn sei ein High­tech­ge­bil­de, über­füll­te Zü­ge müss­ten häu­fi­ger ge­war­tet wer­den und fie­len dann aus. Da­durch kön­ne die La­ge ein­tre­ten, dass „ein grö­ße­rer Rück­stau an Schutz su­chen­den Men­schen in Ös­ter­reich zu­rück­bleibt“. Die ÖBB zie­hen der­zeit al­le Re­gis­ter: Um die Flücht­lings­trans­por­te über die West­bahn zu ent­las­ten, füh­ren sie ab so­fort ei­ne täg­li­che Ent­las­tungs­rou­te über Graz. Mit Bus­sen wer­den Flücht­lin­ge von der Gren­ze in Ni­ckels­dorf nach Graz ge­bracht, wo sie in den Früh­zug nach Saar­brü­cken ein­stei­gen. Die­ser Zug be­steht aus acht Wag­gons und war bis­her mä­ßig aus­ge­las­tet. Rund vier Wag­gons sol­len den Flücht­lin­gen die­nen.

Zu­sätz­li­cher Druck las­tet auf der Bun­des­bahn, weil bei den Si­cher­heits­be­hör­den Straf­an­zei­gen ein­ge­gan­gen sind – die Tat­sa­che, dass Flücht­lin­ge oh­ne Kon­trol­len und oh­ne Fahr­schein be­för­dert wer­den, wird dem­nach als „Un­treue“ge­gen­über dem Bahn­kon­zern und als Schlep­pe­rei an­ge­pran­gert. Kern sieht die­se Vor­wür­fe „ge­las­sen“: „Was wir ma­chen, ist ein hu­ma­ni­tä­res En­ga­ge­ment, aber es ist auch be­triebs­wirt­schaft­lich sinn­voll.“Man kön­ne sich nicht aus­su­chen, ob Flücht­lin­ge kom­men: „Sie kom­men so­wie­so. Wir be­mü­hen uns, das or­dent­lich ab­zu­wi­ckeln, weil sonst der Be­trieb völ­lig zu­sam­men­bricht.“

Ein Trans­port von Bu­da­pest nach Deutsch­land per Schlep­per kos­te im Schnitt pro Per­son 1000 Eu­ro, rech­net Kern vor. Bei bis­her rund 60.000 be­för­der­ten Per­so­nen ha­be man der Schlep­per­ma­fia 60 Mil­lio­nen Eu­ro ent­zo­gen.

„Wir agie­ren hu­ma­ni­tär“: ÖBBChef Kern

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