Der Bau­er soll von Al­moch­sen le­ben kön­nen, nicht vonAl­mo­sen

War­um Bau­ern-Ak­tio­nis­mus ge­gen Ak­tio­ni­tis uns al­le trifft.

Kleine Zeitung Steiermark - - | TRIBÜNE - UL­RICH DUNST

Andre­as Ga­ba­lier kann „a Li­ad“da­von sin­gen, was es heißt, den Zorn der Bau­ern ab­zu­be­kom­men. Die Ver­bal­schlä­ge ge­gen den Schla­ger­star we­gen des­sen Wer­bung für deut­sche Bil­lig­milch wa­ren nur ei­ne lei­se Ou­ver­tü­re, ver­gli­chen mit den Kla­ge­lie­dern, die Eu­ro­pas Bau­ern nun an­stim­men.

Al­les schon ge­habt, al­les schon ge­hört, Trau­er­me­lo­die be­kannt? Dies­mal nicht. Wenn ab heu­te auch hei­mi­sche Bau­ern ih­re Trak­to­ren für Pro­test-Feld­zü­ge statt für Feld­ar­beit ein­set­zen, dann ist ei­ne Geht-michnichts-an-Lethar­gie je­ner 96 Pro­zent der Be­völ­ke­rung, die kei­ne Bau­ern sind, ge­nau­so fehl am Platz wie Zy­nis­mus, wo­nach die Kü­he vor lau­ter EU-Stüt­zung nicht um­fal­len kön­nen.

Wenn je­der zwei­te hei­mi­sche Bau­er schon ans Auf­hö­ren denkt und ak­tu­ell pro Tag (!) ein Kärnt­ner und drei stei­ri­sche Hö­fe für im­mer zu­sper­ren, wird die Ge­schich­te der klein­bäu­er­li­chen Nah­ver­sor­gung zur Mär, die höchs­tens noch in teu­ren Wer­be­kam­pa­gnen samt ver­meint­li­chem Haus­ver­stand und Schwein­derl auf­recht­er­hal­ten wer­den kann. Die Ur­sa­chen mö­gen zu fin­den sein in ei­nem Amal­gam aus Preis­ver­fall, Über­pro­duk­ti­on und ei­ner EUPo­li­tik, die mit der Geld­gieß­kan­ne zu we­nig zwi­schen Klas­se und Mas­se un­ter­schei­det.

Was vie­le Bau­ern­fa­mi­li­en aber eben­so ver­bit­tert wie 25 Pro­zent Er­trags­ein­bu­ßen bei Milch, Obst und Schwei­ne­fleisch oder der win­zi­ge An­teil, der ih­nen vom End­preis ei­nes Le­bens­mit­tels zu­ge­teilt wird, ist ei­ne an­de­re Ge­wiss­heit: je­ne, trotz al­ler An­stren­gun­gen ein­fach er­setz­bar zu sein.

Wenn der größ­te deut­sche Schlacht­be­trieb mit 14 Mil­lio­nen Schwei­nen zehn­mal mehr ver­ar­bei­tet als al­le Be­trie­be in Kärnten und Stei­er­mark zu­sam­men, ver­hallt das ir­re­ver­si­ble Zu­ge­hen hei­mi­scher Stall­tü­ren un­erhört – und die Eu­ro­pä­er wer­den trotz­dem satt. Die Fra­ge ist nur, zu wel­chem Preis.

Wohl nir­gend­wo klaf­fen re­gio­na­ler Wohl­tä­teran­spruch und fi­nan­zi­el­le Wirk­lich­keit wei­ter aus­ein­an­der als im Ein­kaufs­wa­gerl. Wenn’s ums Es­sen geht, ist Geiz für vie­le noch im­mer geil. Und täg­lich lockt der Su­per­markt-Pro­spekt. egen die­se Ak­tio­ni­tis wol­len die Bau­ern nun mit Ak­tio­nis­mus vor­ge­hen. De­mos mit Trak­tor, Kuh und Stall-Al­lü­ren wer­den an der Bru­ta­li­tät des Welt­mark­tes nichts än­dern. Sie kön­nen den wich­tigs­ten Ver­bün­de­ten, die Kon­su­men­ten, aber wach­rüt­teln. So­fern die Bru­ta­li­tät nicht auf die Stra­ße trans­fe­riert wird, wie letz­ten Mon­tag in Brüssel. Ei­ne Mut-In­jek­ti­on durch Kon­su­men­ten, de­nen hei­mi­sche Qua­li­tät et­was Wert ist, ist wir­kungs­vol­ler als die Dau­er-Infu­si­on vom För­der­tropf. Denn da­mit hat nie­mand ei­ne Freu­de. Auch die Bau­ern nicht. Sie sol­len von Al­moch­sen le­ben kön­nen, und nicht von Al­mo­sen.

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