Mas­sen­de­mo für die Un­ab­hän­gig­keit

Hun­dert­tau­sen­de gin­gen in Bar­ce­lo­na für die Un­ab­hän­gig­keit ih­rer Re­gi­on von Spa­ni­en auf die Stra­ße.

Kleine Zeitung Steiermark - - | INTERNATIONAL - RALPH SCHUL­ZE, BAR­CE­LO­NA

Der ki­lo­me­ter­lan­ge Pro­test­marsch un­ter dem Mot­to „Weg frei für die ka­ta­la­ni­sche Re­pu­blik“füll­te am Frei­tag­nach­mit­tag ei­ne der zen­tra­len Ver­kehrs­ach­sen der Mit­tel­meer-Me­tro­po­le. Nach An­ga­ben der Ver­an­stal­ter hat­ten sich rund 500.000 Men­schen zu der Kund­ge­bung an­ge­mel­det.

Die Groß­de­mons­tra­ti­on in der Ci­ty Bar­ce­lo­nas heizt die Span­nun­gen vor der ka­ta­la­ni­schen Re­gio­nal­wahl am 27. Sep­tem­ber an, wel­che von der Se­pa­ra­tis­ten­be­we­gung Ka­ta­lo­ni­ens zur ent­schei­den­den Ab­stim­mung über die Un­ab­hän­gig­keit aus­ge­ru­fen wur­de. Spa­ni­ens Zen­tral­re­gie­rung lehnt der­weil jeg­li­che Ab­spal­tungs­plä­ne ab und will ei­ne ein­sei­ti­ge Un­ab­hän­gig­keits­er­klä­rung ge­richt­lich ver­bie­ten las­sen.

„Die St­un­de ist ge­kom­men“, rie­fen die Men­schen im De­mons­tra­ti­ons­zug. Vie­le Häu­ser in Bar­ce­lo­na wa­ren mit der ka­ta­la­ni­schen Re­gio­nal­flag­ge ge­schmückt. Die Wahl in zwei Wo­chen soll „ein de­mo­kra­ti­sches Man­dat“für die Los­lö­sung Ka­ta­lo­ni­ens von Spa­ni­en her­vor­brin­gen, sag­te der ka­ta­la­ni­sche Re­gie­rungs­chef Ar­tur Mas. Die Wäh­ler hät­ten es in

Hun­dert­tau­sen­de auf den Stra­ßen der Hand, über ih­re ei­ge­ne po­li­ti­sche Zu­kunft zu be­stim­men. Den Um­fra­gen zu­fol­ge ist es mög­lich, dass die Un­ab­hän­gig­keits­be­für­wor­ter, die sich zum Wahl­bünd­nis „Ge­mein­sam für das Ja“zu­sam­men­schlos­sen, die ab­so­lu­te Mehr­heit im Re­gio­nal­par­la­ment er­rin­gen. Ka­ta­lo­ni­ens Mi­nis­ter­prä­si­dent Mas, der die Ab­spal­tungs­front an­führt, kün­dig­te an, dass bei ei­nem Sieg in „ma­xi­mal 18 Mo­na­ten“ein ei­ge­ner Staat aus­ge­ru­fen wer­de.

Wirt­schafts­mo­tor

Ka­ta­lo­ni­en, wo rund 7,5 Mil­lio­nen Men­schen le­ben, pflegt sei­ne ei­ge­ne Kul­tur so­wie Spra­che und ist ei­ne der wirt­schafts­stärks­ten Re­gio­nen Spa­ni­ens.

Die Ab­nei­gung vie­ler Ka­ta­la­nen ge­gen Spa­ni­en wird von dem Ein­druck ge­nährt, dass Ka­ta­lo­ni­en von der spa­ni­schen Zen­tral­re­gie­rung in Ma­drid steu­er­lich be­nach­tei­ligt, po­li­tisch be­vor­mun­det und mit sei­ner ei­ge­nen kul­tu­rel­len Iden­ti­tät nicht ernst ge­nom­men wird. „Der spa­ni­sche Staat be­han­delt uns wie Un­ter­ta­nen“, sag­te Ar­tur Mas die­ser Ta­ge.

Die Wahl­lis­te für die Un­ab­hän­gig­keit be­steht vor al­lem aus Ka­ta­lo­ni­ens Re­gie­rungs­par­tei CDC so­wie ih­rem par­la­men­ta­ri­schen Part­ner ERC – bis­lang die bei­den stärks­ten Par­tei­en im Par­la­ment. Der Pakt wird zu­dem von zwei ein­fluss­rei­chen Bür­ger­initia­ti­ven na­mens ANC und Òm­ni­um ge­stützt. Ei­ner der pro­mi­nen­tes­ten Un­ter­stüt­zer ist Pep Guar­dio­la, der Trai­ner Bay­ern Mün­chens.

Die rie­si­ge Pro­test­ver­an­stal­tung in Bar­ce­lo­na fand am „Ka­ta­lo­ni­en­tag“statt, dem re­gio­na­len Dia­da-Fei­er­tag, der stets am elf­ten Sep­tem­ber be­gan­gen wird. Das Da­tum er­in­nert an je­nen Tag, an dem im Jahr 1714 die ka­ta­la­ni­schen Trup­pen von den kö­nig­li­chen spa­ni­schen Sol­da­ten be­siegt wur­den. Mit die­ser Nie­der­la­ge ver­lor Ka­ta­lo­ni­en da­mals sei­ne weit­rei­chen­de Selbst­ver­wal­tung und wur­de in das spa­ni­sche Kö­nig­reich ein­ge­glie­dert.

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