Flücht­lin­ge: So be­rei­ten sich die Gra­zer Schu­len vor

Am Mon­tag be­ginnt die Schu­le in Graz – auch für vie­le Flücht­lin­ge. Die wich­tigs­ten Maß­nah­men von Stadt, Land und Lan­des­schul­rat – in Graz gibt es mit der „Will­kom­mens­pha­se“ein Pi­lot­pro­jekt.

Kleine Zeitung Steiermark - - | GRAZ - MICHAEL KLOI­BER

Be­son­ders auf­ge­regt vor die­sem ers­ten Schul­tag sind die Flücht­lin­ge, die heu­er – viel­fach zum ers­ten Mal – ei­ne Schu­le in Ös­ter­reich be­su­chen. In der Re­gel gilt für al­le Flücht­lin­ge, die im schul­pflich­ti­gen Al­ter sind und sich in Ös­ter­reich auf­hal­ten, die Schul­pflicht: „Es gibt aber Aus­nah­men – aus wich­ti­gen Grün­den kön­nen die­se Kin­der dem Un­ter­richt bis zu ei­nem hal­ben Jahr fern­blei­ben“, er­klärt Jo­sef Zoll­ne­ritsch, der die neue „St­abs­stel­le Asyl“im Lan­des­schul­rat (LSR) lei­tet.

Das Flücht­lings­the­ma sorgt bei man­chen El­tern und Leh­rern be­reits für Dis­kus­sio­nen: „Vie­le ha­ben die Sor­ge, dass die Klas­sen­ge­mein­schaft zer­bricht, wenn neue Kin­der hin­zu­kom­men. Wie­der an­de­re sor­gen sich, dass man mit dem Lehr­stoff nicht wei­ter­kommt, wenn Schü­ler nicht aus­rei­chend Deutsch spre­chen.“

All das recht­zei­tig zu be­ur­tei­len, wird, so Zoll­ne­ritsch, die Auf­ga­be der Leh­rer und Di­rek­to­ren sein: „Sie müs­sen die Si­tua­ti- on in den ers­ten Ta­gen und Wo­chen be­ob­ach­ten und dann auch an den LSR rück­mel­den. Un­se­re Ex­per­ten wer­den im Be­darfs­fall auch ger­ne in Schu­len kom­men und dann in­di­vi­du­el­le Lö­sun­gen er­ar­bei­ten“, sagt er. Wich­tig sei es, dass die Päd­ago­gen aber kei­nen Druck aus­üben: „Man weiß ja nicht, was die­se Kin­der in den letz­ten Mo­na­ten tat­säch­lich er­le­ben muss­ten.“

Trau­ma­ta be­wäl­ti­gen

Eben des­halb hat das Land Stei­er­mark mit der Stadt Graz ein ge­mein­sa­mes Pi­lot­pro­jekt ge­star­tet: Un­ter dem Na­men „Will­kom­mens­pha­se“wird Fa­mi­li­en das An­kom­men er­leich­tert. Sie er­hal­ten die Mög­lich­keit, durch ei­ne Art Ori­en­tie­rungs­pha­se be­glei­tet zu wer­den. Auf frei­wil­li­ger Ba­sis wird dann in Ge­sprä­chen bei­spiels­wei­se die Bil­dungs­vor­er­fah­rung er­ho­ben. Da geht es um Fra­gen wie: „Be­nö­ti­gen die Kin­der Sprach­för­de­rung, psy­cho­lo­gi­sche Be­treu­ung oder müs­sen sie Trau­ma­ta be­wäl­ti­gen? Wir schau­en in die­sen Ge­sprä­chen, was sie brau­chen, und stel­len da- bei fest, wel­che Schul­art, wel­che Schu­le für die Kin­der ge­eig­net und sinn­voll ist“, er­klärt Bil­dungs­lan­des­rä­tin Ur­su­la Lack­ner. Soll­te das Pi­lot­pro­jekt in Graz funk­tio­nie­ren, denkt das Land an ei­ne Aus­wei­tung.

145 Schü­ler in der Ober­stu­fe

„Die rich­ti­ge Schulwahl ist oft die hal­be Mie­te für ei­ne er­folg­rei­che Bil­dungs­kar­rie­re in Ös­ter­reich“, sagt auch Schul­stadt­rat Kurt Ho­hen­sin­ner. Das Pro­jekt wird wie folgt ab­lau­fen: „Die Stadt Graz or­ga­ni­siert die Rä­um­lich­kei­ten für die Will­kom­mens­pha­se und stellt si­cher, dass der Trans­port dort­hin funk­tio­niert. Die­ses Pro­jekt ist ein gro­ßer Schritt in Rich- tung ra­sche­re Ein­bin­dung in die auf­neh­men­de Ge­sell­schaft“, so Ho­hen­sin­ner.

Stadt, Land und LSR be­to­nen, auf die neue Si­tua­ti­on „gut vor­be­rei­tet“zu sein. Da­her ver­su­che man, sagt Zoll­ne­ritsch, die Flücht­lin­ge auch gut zu ver­tei­len. In den Gra­zer Volks­schu­len ist das laut dem Bil­dungs­stadt­rat kein Pro­blem: 22 Flücht­lin­ge wer­den dort am Mon­tag ih­ren ers­ten Schul­tag ha­ben. An den hö­he­ren Schu­len ist die Zahl grö­ßer, wo­bei ge­naue Da­ten der­zeit nur für die Ober­stu­fe vor­lie­gen: Rund 145 Flücht­lin­ge zwi­schen 15 und 18 Jah­ren wer­den die Gra­zer Schu­len be­su­chen, rund 30 Pro­zent da­von sind Neu­an­kömm­lin­ge.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.