Sa­phir und Per­len

Kleine Zeitung Steiermark - - | KULTUR - MICHAEL TSCHI­DA MICHAEL TSCHI­DA

Ab 23. Sep­tem­ber wür­digt das Wi­en Mu­se­um in der Schau „Ball­gas­se 6“Pe­ter Pa­kesch, der in sei­ner Ga­le­rie im 1. Be­zirk die Kunst­sze­ne schon in den 80ern mit­präg­te.

Als 2003 das Uni­ver­sal­mu­se­um mit dem Kunst­haus ein spek­ta­ku­lä­res Ju­wel hin­zu­be­kam, war es wich­tig und rich­tig, auf die Kom­pe­tenz Pa­keschs zu set­zen und den Gra­zer in sei­ne Hei­mat­stadt zu­rück­zu­ho­len. Un­be­strit­ten ist, dass er mit prä­sen­tier­ten Künst­lern von Franz West über Ai Wei­wei bis zu Mi­che­lan­ge­lo Pis­to­let­to das Kunst­haus mit sei­nem Weit­blick rasch auf Welt­ni­veau hiev­te.

Be­strit­ten blieb, dass er auch den Nah­blick auf die hei­mi­sche Sze­ne pfleg­te. Dass er als In­ten­dant im­mer das rich­ti­ge Händ­chen hat­te – et­wa, als er in der Cau­sa Wei­bel die Breit­axt statt das Flo­rett zück­te. Dass ihm das Pu­bli­kum über al­les ging – mit eli­tä­rem An­spruch mach­te er das Kunst­haus zu­wei­len zur Trutz­burg und steck­te da­für als Trutz­herr ge­hö­rig Prü­gel ein, auch von uns. ie ei­nen nen­nen das Hal­tung, die an­de­ren Stur­schä­del. Aber im Zeit­ge­nös­si­schen brauch­te es wohl oft bei­des. Was viel­leicht schwe­rer wiegt: Dass durch Pa­keschs scharf ge­stell­ten Fo­kus auf die Avant­gar­de und den Sa­phir Kunst­haus vie­le an­de­re Per­len im Schmuck­kas­ten Uni­ver­sal­mu­se­um et­was matt wur­den.

Die jet­zi­gen Um­brü­che bie­ten Zeit zum Po­lie­ren.

DSie er­rei­chen den Au­tor un­ter

Was die Klei­ne Zei­tung schon Di­ens­tag­abend ex­klu­siv mel­de­te, ist nach ei­ner Schreck­se­kun­de von drei Ta­gen seit ges­tern of­fi­zi­ell be­stä­tigt: Kul­tur­lan­des­rat Chris­ti­an Buch­mann gab auf ei­ner Pres­se­kon­fe­renz be­kannt, dass der seit 2003 am­tie­ren­de In­ten­dant Pe­ter Pa­kesch das Uni­ver­sal­mu­se­um mit En­de Sep­tem­ber ver­lässt.

Mit dem 60-jäh­ri­gen Gra­zer, der schon im Som­mer an­kün­dig­te, ei­ne neue Her­aus­for­de­rung zu su­chen, sei ei­ne ein­ver­nehm­li­che Lö­sung an­ge­strebt. Den An­trag da­zu bringt Buch­mann nächs­te Wo­che in die Re­gie­rung ein, auch die Stadt Graz als 15-Pro­zent-Ge­sell­schaf­te­rin muss zu­stim­men. Pa­kesch wird ja, wie be­rich­tet, ab 1. Ok­to­ber die Ver­wal­tung des Nach­las­ses der 2014 ver­stor­be­nen Kärnt­ner Ma­le­rin Ma­ria Lass­nig über­neh­men und ei­ne ent­spre­chen­de Pri­vat­stif­tung lei­ten.

Wolf­gang Mu­chitsch, eben­falls seit 2003 wis­sen­schaft­li­cher Di­rek­tor, wur­de dar­um be­auf­tragt, bis zum Aus­lau­fen sei­nes Ver­tra­ges 2017 die Ge­schäf­te des Jo­an­ne­ums al­lein wei­ter­zu­füh­ren. Buch­mann wer­tet das als idea­le Lö­sung und be­tont, dass die Ein­spa­rung durch den Ab­gang Pa- keschs, des­sen Po­si­ti­on nicht nach­be­setzt wird, dem lau­fen­den Be­trieb des Mu­se­ums zu­gu­te­kom­men wird.

Pa­kesch, beim Pres­se­ter­min nicht an­we­send, wird En­de Sep­tem­ber noch selbst of­fi­zi­ell ei­ne Bi­lanz sei­ner Ära zie­hen und auf Werk­ver­trags­ba­sis für 2016 be­reits ge­plan­te Pro­jek­te im Kunst­haus be­glei­ten, dar­un­ter ei­ne Schau mit dem chi­ne­si­schen Kunst-Su­per­star Ai Wei­wei.

Die Lei­tung des Kunst­hau­ses wird ehe­bal­digst in­ter­na­tio­nal aus­ge­schrie­ben, bis Fe­bru­ar soll ein Kan­di­dat ge­fun­den sein, der ab Som­mer vor­aus­sicht­lich fünf Jah­re am­tie­ren soll. Bis da­hin ver­ant­wor­tet Ku­ra­to­rin Ka­trin Bu­cher Tran­tow die­sen Be­reich.

Wech­sel und Chan­ce

Die Aus­schrei­bung für die Ge­schäfts­füh­rung des Uni­ver­sal­mu­se­ums ab 2017 er­folgt laut Buch­mann üb­ri­gens im nächs­ten Jahr. Dass der neue Kunst­haus-Chef 2017 auf ei­nen Ge­schäfts­füh­rer­pos­ten à la Pa­kesch nach­rückt, ist eher un­wahr­schein­lich, für das Ge­samt­mu­se­um mit sei­nen zwölf Stand­or­ten und Samm­lun­gen kaum zweck­dien­lich und po­li­tisch wohl auch nicht ge­wünscht.

„In je­dem Wech­sel steckt auch ei­ne Chan­ce“, sag­te der Lan­des- rat ges­tern und gab – wie in ei­nem Rund­schrei­ben an al­le Jo­an­ne­um-Mit­ar­bei­ter – gleich Zie­le für ei­ne Neu­aus­rich­tung des ge­sam­ten Mu­se­ums vor. Er wol­le „Pro­zes­se an­sto­ßen und nichts vor­ge­ben“, aber grund­sätz­lich „die Struk­tu­ren des Jo­an­ne­ums ver­schlankt und ge­schärft se­hen“(de­tail­lier­te Re­form­punk­te im Kas­ten rechts). Fest steht, dass Kunst­haus und Neue Ga­le­rie künf­tig je­weils ei­ge­ne Lei­ter ha­ben wer­den, um laut Buch­mann „ei­nen span­nen­den Wett­be­werb und deut­li­che­re Pro­fi­le zu er­wir­ken“. Genau die­se Tei­lung der kon­kur­rie­ren­den Häu­ser hat­te Pa­kesch vor Jah­ren ab­ge­dreht, bei­de lei­tet der­zeit Pe­ter Peer.

Vie­le Ge­sich­ter, ein Haus

Mehr Geld für das Uni­ver­sal­mu­se­um stell­te Buch­mann nicht in Aus­sicht: Man ha­be in den letz­ten Jah­ren be­reits 115 Mil­lio­nen Eu­ro in­ves­tiert, 38 Mil­lio­nen da­von in das Jo­an­ne­ums­vier­tel. Dem­ent­spre­chend macht sich der neue Al­lein­ge­schäfts­füh­rer Mu­chitsch kei­ne Il­lu­sio­nen (sie­he auch In­ter­view rechts). Der 51jäh­ri­ge Gra­zer be­ton­te aber, dass Pa­kesch „in ei­ner po­si­ti­ven Si­tua­ti­on aus dem Haus geht, denn so viel wie im letz­ten Jahr­zehnt ist nie er­reicht wor­den, das präch­ti­ge Jo­an­ne­ums­vier­tel in­klu­si­ve“.

Mu­chitsch be­dau­ert, dass er mit Pa­kesch ei­nen Part­ner ver­liert, „mit dem ich sehr freund­schaft­lich die letz­ten 13 Jah­re zu­sam­men­ge­ar­bei­tet ha­be“. Er ver­spricht aber die Fort­set­zung er­folg­rei­cher We­ge mit ver­stärk­ten Of­fen­si­ven, Ko­ope­ra­tio­nen und Sy­ner­gi­en. Und: „Das Jo­an­ne­um hat vie­le Ge­sich­ter, aber wir wol­len vor al­lem die Ge­samt­heit in den Vor­der­grund stel­len.“

Pe­ter Pa­kesch küm­mert sich künf­tig um den Nach­lass von Ma­ria Lass­nig

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