Fay­manns Ent­glei­sung

Wi­en im Dau­er­kon­takt mit Berlin: Mer­kel dürf­te nicht so bald die Gren­ze schlie­ßen.

Kleine Zeitung Steiermark - - | POLITIK -

Ö ster­reich ist in die­sen Ta­gen zum gro­ßen eu­ro­päi­schen Ver­schub­bahn­hof auf­ge­stie­gen. Die Flücht­lin­ge wer­den mit­un­ter so schnell wei­ter­ge­lei­tet, dass die deut­sche Re­gie­rung be­reits ein Ve­to ge­gen die von den ÖBB zur Ver­fü­gung ge­stell­ten Son­der­zü­ge ein­ge­legt hat. Seit we­ni­gen Ta­gen fah­ren kaum noch Son­der­zü­ge di­rekt nach München, wo Tau­sen­de Men­schen bis­her mehr oder we­ni­ger ab­ge­la­den wur­den. nge­sichts des An­sturms be­fin­det sich die Bun­des­re­gie­rung im Aus­nah­me­zu­stand. Die Ko­ali­ti­on kann sich glück­lich schät­zen, dass München das Ziel der Flücht­lings­trecks ist, nicht Salz­burg, Kla­gen­furt oder Graz. Der Tran­sit durch Ös­ter­reich er­for­dert ei­ne lo­gis­ti­sche Meis­ter­leis­tung. Bun­des­kanz­ler Wer­ner Fay­mann und In­nen­mi­nis­te­rin Jo­han­na Mikl-Leitner ste­hen im Dau­er­kon­takt mit den Deut­schen, im Ver­hält­nis zu den Un­garn herrscht al­ler-

AÖs­ter­rei­chisch- dings Eis­zeit Kon­se­quen­zen. ass die un­ga­ri­sche Re­gie­rung von Vik­tor Or­bán ei­nen men­schen­ver­ach­ten­den Um­gang mit den Flücht­lin­gen pflegt, steht au­ßer Zwei­fel. Die Fra­ge ist al­ler­dings, ob Wer­ner Fay­mann in sei­ner Rol­le als Re­gie­rungs­chef nicht zu we­ni­ger dras­ti­schen For­mu­lie­run­gen in sei­ner Ver­ur­tei­lung von Or­bán grei­fen soll­te – und die Abrech­nung mit dem „gro­ßen Bö­se­wicht“nicht an­de­ren Par­tei­freun­den, et­wa Jo­sef Os­ter­may­er, über­lässt. Of­fen­kun­dig lässt sich der SPÖ-Chef von wah­lund par­tei­tak­ti­schen Über­le­gun­gen lei­ten. An­ders ist es nicht zu ver­ste­hen, war­um die Grie­chen un­ter Al­exis Tsi­pras so gut weg­ge­kom­men sind, die eben­so Pfef­fer­spray und Schlag­stö­cke ge­gen Flücht­lin­ge ein­ge­setzt und die Sy­rer in Sta­di­en ein­ge­sperrt ha­ben. m jüngs­ten „Spie­gel“hat der Kanz­ler mit ei­ner un­pas­sen-

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mit

bit­te­ren den Ho­lo­caust-An­spie­lung übers Ziel hin­aus­ge­schos­sen. „Flücht­lin­ge in Zü­ge zu ste­cken in dem Glau­ben, sie wür­den ganz wo­an­ders hin­fah­ren, weckt Er­in­ne­run­gen an die dun­kels­te Zeit un­se­res Kon­ti­nents.“Das La­ger in Rösz­ke in­di­rekt mit Au­schwitz in Ver­bin­dung zu brin­gen, ist völ­lig un­an­ge­mes­sen. Die Re­gie­rung in Bu­da­pest hat die Äu­ße­run­gen scharf zu­rück­ge­wie­sen und den ös­ter­rei­chi­schen Bot­schaf­ter ins Au­ßen­amt be­stellt. Aber das ist nicht al­les: Dass die hei­mi­schen Be­hör­den nur höchst spär­lich über die nach Ös­ter­reich zie­hen­den Flücht­lings­trecks in­for­miert wer­den, ge­hört zur un­ga­ri­schen Re­tour­kut­sche. n den letz­ten Ta­gen stan­den Bun­des­prä­si­dent Heinz Fi­scher, Kanz­ler Wer­ner Fay­mann, Vi­ze­kanz­ler Rein­hold Mit­ter­leh­ner, Au­ßen­mi­nis­ter Se­bas­ti­an Kurz oder et­wa auch ÖVP-Klub­ob­mann Rein­hold Lo­pat­ka im te­le­fo­ni­schen Dau­er­kon­takt mit Berlin, um ei­ne Ant­wort auf die ent­schei­den­de Fra­ge zu er­hal­ten: Wie lan­ge spielt An­ge­la Mer­kel noch mit? Wann ge­hen die Gren­zen zu? Dass die CSU und Tei­le der CDU schäu­men, da­von wis­sen ÖVP-Po­li­ti­ker zu be­rich­ten, die seit letz­tem Sonn­tag von deut­schen Par­tei­freun­den bom­bar­diert wer­den, Ös­ter­reich mö­ge auf ei­nen har­ten Kurs ein­schwen­ken. Doch so wie bei Grie­chen­land bleibt die Kanz­le­rin un­beug­sam. Viel­leicht auch bio­gra­fisch ge­prägt, scheint die ge­bür­ti­ge Ost­deut­sche an der Po­li­tik der of­fe­nen Gren­ze fest­zu­hal­ten. Ba­sie­rend auf Zah­len der deut­schen Re­gie­rung rech­net man im Kanz­ler­amt mit heu­er 300.000 Flücht­lin­gen, das UNHCR kommt auf ähn­li­che Zah­len, al­so rund 3000 pro Tag. We­gen des un­ga­ri­schen Zauns dürf­te sich die Rou­te bald ver­la­gern – in Rich­tung Stei­er­mark und Kärnten.

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un­ga­ri­sche Eis­zeit: Fay­mann und Vik­tor Or­bán

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