Vor­wärts in die Ver­gan­gen­heit

Der haus­ho­he Wahl­sieg des Ul­tra­lin­ken Je­re­my Cor­byn zum neu­en La­bour-Chef könn­te Groß­bri­tan­ni­en zu­rück in die Acht­zi­ger­jah­re füh­ren.

Kleine Zeitung Steiermark - - | INTERNATIONAL -

La­bour hat mit der Wahl des Au­ßen­sei­ters Je­re­my Cor­byn zum Par­tei­chef ei­ne sen­sa­tio­nel­le Epo­chen­wen­de ein­ge­lei­tet, die das po­li­ti­sche Esta­blish­ment und mög­li­cher­wei­se das Sys­tem in sei­nen Gr­und­fes­ten er­schüt­tern wird. Es war ein Gras­wur­zelPutsch, bei dem sich Ge­werk­schaf­ten, La­bour-Tra­di­tio­na­lis­ten und ei­ne neue Pro­test­ge­ne­ra­ti­on zu ei­ner Ge­ne­ralat­ta­cke auf die Po­li­tik ver­bün­de­ten – und haus­hoch ge­wan­nen. Cor­byn wur­de mit fast 60 Pro­zent der Stim­men be­reits im ers­ten Wahl­gang ge­wählt. Die Po­li­tik­pro­fis der Blair-Ge­ne­ra­ti­on sa­ßen wie be­täubt da­bei, als Cor­byn in sei­ner Dan­kes­re­de ei­ne neue Po­li­tik von „Hoff­nung und Op­ti­mis­mus“ver­sprach.

Si­cher ist, dass die La­bour­par­tei To­ny Blairs mit die­ser Wahl nach lan­gem Siech­tum zu Gr­a­be ge­tra­gen wur­de. Schon am Frei­tag voll­zog La­bour den Bruch, als statt der Blair-Nach­fol­ge­rin Tes­sa Jo­well der lin­ke Sa­diq Khan, ein Mus­lim, zum Kan­di­da­ten für das Lon­do­ner Bür­ger­meis­ter­amt ge­kürt wur­de. Ein wei­te­res Sym­bol ist der neue Vi­ze-Chef Tom Wat­son. Er war es, der 2007 den Putsch ge­gen Blair ein­lei­te­te.

Blair war nicht nur we­gen sei- ner drei Wahl­sie­ge der er­folg­reichs­te La­bourchef der Nach­kriegs­ge­schich­te. Kei­ne Re­gie­rung präg­te das mo­der­ne, li­be­ra­le, of­fe­ne Groß­bri­tan­ni­en wie die sei­ne. Sein Er­be zer­brach an den gif­ti­gen Fol­gen des Irak­krie­ges und der gro­ßen, wirt­schafts­po­li­ti­schen Fehl­kal­ku­la­ti­on, die das In­sel­reich in der Ban­ken­kri­se am ver­wund­bars­ten mach­te, weil das Struk­tur­de­fi­zit so hoch war.

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