Von ei­nem, der aus­zog, um nicht auf­zu­ge­ben

Han­nes An­d­rosch legt sei­ne Le­bens­bi­lanz vor. Er er­zählt vom Auf­stieg und Fall als Fi­nanz­mi­nis­ter, von sei­nen Er­fol­gen als Un­ter­neh­mer. Aber et­was fehlt in die­sem Buch doch.

Kleine Zeitung Steiermark - - TRIBÜNE - CHRIS­TI­AN WE­NI­GER

Es hät­te ei­ne spek­ta­ku­lä­re Rück­kehr in die Po­li­tik wer­den kön­nen. Vor dem Wahl­kampf 2002 woll­te der da­ma­li­ge SPÖ-Vor­sit­zen­de Al­f­red Gu­sen­bau­er den eins­ti­gen Fi­nanz­mi­nis­ter Han­nes An­d­rosch als „Schat­ten­fi­nanz­mi­nis­ter“prä­sen­tie­ren. Mit ei­ner ge­wis­sen Ge­nug­tu­ung er­zählt An­d­rosch in sei­ner vom Jour­na­lis­ten Pe­ter Pe­lin­ka auf­ge­schrie­be­nen Le­bens­bi­lanz „Nie­mals auf­ge­ge­ben“, wie es im­mer wie­der Ver­su­che gab, ihn in die Po­li­tik zu­rück­zu­ho­len. Ihn, der 1970 als 32-Jäh­ri­ger in der Re­gie­rung Bru­no Kreis­kys da­mals jüngs­ter Fi­nanz­mi­nis­ter wur­de, zum Vi­ze­kanz­ler auf­stieg und der schließ­lich 1981 nach lan­gen zer­mür­ben­den Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit Kanz­ler Kreis­ky 1981 zu­rück­trat.

An­d­rosch er­zählt Zeit­ge­schich­te – aus ganz per­sön­li­cher Sicht na­tür­lich. Den Vor­wurf der Ver­wick­lung in den AKH-Skan­dal über sei­ne Steu­er­kanz­lei sieht er als In­tri­ge. Eben­so an­de­re ge­richt­li­che Ver­fah­ren. Der ehe­ma­li­ge Fi­nanz­mi­nis­ter wähnt sich qua­si als Op­fer von Kreis­ky, des­sen Ver­trau­ten, der ÖVP. Auch als Ge­ne­ral­di­rek­tor der Cre­dit­an­stalt. Ge­jagt, ab­ge­sägt.

Aber weil sich der eins­ti­ge Hoff­nungs­trä­ger der SPÖ eben dem Mot­to „Nie­mals auf­ge­ben“ver­pflich­tet hat­te, auf­ge­mun­tert durch ei­nen Rat­schlag des deut­schen Bun­des­kanz­lers Hel­mut Kohl, schreibt er ei­ne neue Er- folgs­ge­schich­te – als Be­ra­ter, In­ves­tor, Un­ter­neh­mer.

In das po­li­ti­sche Fach kehrt An­d­rosch in den hin­te­ren Ka­pi­teln des Bu­ches zu­rück, wo er die Po­li­tik ei­ner Be­wer­tung un­ter­zieht – von der schwarz-blau­en Re­gie­rung un­ter Wolf­gang Schüs­sel, vom Bil­dungs­volks­be­geh­ren bis zur Bun­des­heer­initia­ti­ve. Als Bo­nus gibt es zehn Emp­feh­lun­gen für Jün­ge­re.

Am Vor­abend zu Kreis­kys 70. Ge­burts­tag hielt An­d­rosch am En­de des Mi­nis­ter­ra­tes die Gra­tu­la­ti­ons­re­de, dank­te, dass er „na­he­zu elf Jah­re und da­mit ein schö­nes Stück des We­ges ge­stal­tend ha­be mit­ge­hen kön­nen“. Kreis­ky ant­wor­te­te: „Du bist der bes­te Fi­nanz­mi­nis­ter der Zwei­ten Re­pu­blik.“In der ver­bü­cher­ten Le­bens­bi­lanz steht da­zu: „We­nigs­tens beim Ab­schied wa­ren wir bei­de ehr­lich.“Die­sem di­cken Lob kann dann ein Quänt­chen Selbst­kri­tik schon zum Op­fer fal­len.

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